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CANUPIS-Studie zu Kinderkrebs um Schweizer Kernkraftwerke

Haben Kinder, die in der Nähe eines Schweizer Kernkraftwerks leben oder aufgewachsen sind, ein höheres Risiko für eine Krebserkrankung und insbesondere für Leukämien? Im Auftrag der Krebsliga Schweiz und des Bundesamts für Gesundheit hat das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern zusammen mit dem Schweizer Kinderkrebsregister und der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologiegruppe diese Frage untersucht. Fazit: Die CANUPIS-Studie konnte keinen Nachweis erbringen, dass Krebserkrankungen bei Kindern in der nahen Umgebung von Kernkraftwerken signifikant häufiger sind, als bei weiter entfernt wohnenden Kindern.
Kernkraftwerk Gösgen
Kernkraftwerk Gösgen
© ImagePoint AG
Eine im Dezember 2007 veröffentlichte Studie aus Deutschland zeigte bei Kindern, die im Umkreis von fünf Kilometern von Kernkraftwerken (KKWs) wohnen, ein mehr als zweifach erhöhtes Krebsrisiko – insbesondere für Leukämien bei Kleinkindern. Die Resultate der sogenannten KiKK-Studie («Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken») sorgten in der Folge auch in der Schweiz für Besorgnis und führten zu zahlreichen Anfragen bei der Krebsliga Schweiz (KLS), was diese angesichts dieser Resultate zu tun gedenke.

Studienorganisation

Im Herbst 2008 hat die KLS zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) die umfassende CANUPIS-Studie («Childhood Cancer and Nuclear Power Plants in Switzerland») in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde die Studie vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern zusammen mit dem Schweizer Kinderkrebsregister (SKKR) und der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologiegruppe (SPOG). Die wissenschaftliche Qualität und die Unabhängigkeit der Studie wurden von einer Begleitgruppe, bestehend aus sechs ausgewiesenen internationalen Expertinnen und Experten, garantiert. Diese evaluierten das Studiendesign eingehend und brachten diverse Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge ein, die von den Studienverantwortlichen mitberücksichtigt wurden.

Studienfinanzierung

Die Kosten von 820 000 Franken wurden zu gleichen Teilen von der KLS und vom BAG getragen. Der Anteil des BAG wurde durch die zwei Schweizer Stromproduzenten Axpo und BKW mitfinanziert. Diese konnten jedoch zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf das Studiendesign, die Datenauswertung und -interpretation oder die Veröffentlichung der Resultate nehmen.

Studiendesign

Im Vergleich zur deutschen Untersuchung sowie anderen Studien zu Kernkraftwerken und Krebserkrankungen zeichnete sich das Design der CANUPIS-Studie durch drei entscheidende Verbesserungen aus:
  1. Dank geokodierten Daten konnte der Wohnort bzw. die Distanz zum Standort des KKW der untersuchten Kinder punktgenau bestimmt werden.
  2. Ermitteln und somit mitberücksichtigen liess sich der Wohnort nicht nur zum Zeitpunkt der Diagnose (was den Vergleich der CANUPIS- mit der KiKK-Studie erlaubt), sondern zurück bis zum Zeitpunkt der Geburt.
  3. Weiter wurden in der Analyse der Daten eine Reihe von potenziellen Einfluss- bzw. Risikofaktoren (engl. «confounders») mitberücksichtigt: ionisierende und elektromagnetische Strahlung (z.B. von Hochspannungsleitungen), verkehrsbedingte Karzinogene, landwirtschaftliche Pestizide, sozioökonomischer Status u.a. Denn möglicherweise beeinflussen andere Faktoren als die KKW-Emissionen das Krebsrisiko.

Studienresultate

Insgesamt zeigt die im International Journal of Epidemiology publizierte CANUPIS-Studie, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen und Leukämien bei Kindern in der Nähe von KKWs nicht statistisch signifikant erhöht ist als bei weiter entfernt wohnenden Kindern. Auch wenn diese Ergebnisse auf den ersten Blick beruhigen, ist damit keineswegs der Nachweis erbracht, dass von KKWs keine schädliche Wirkung ausgeht. Unbestritten ist radioaktive Strahlung kanzerogen. Zudem beziehen sich die Resultate der CANUPIS-Studie auf den Normalbetrieb der Schweizer KKWs und nicht auf eine nukleare Katastrophe, wie sie sich im japanischen Fukushima im Frühling dieses Jahres ereignet hat.

Die wichtigsten Resultate der CANUPIS-Studie sind in der Medienmitteilung des ISPM vom 12. Juli 2011 näher beschrieben.

Die KLS ist überzeugt, im Nachgang zur KiKK-Studie mit dieser hervorragenden Arbeit des SKKR und des ISPM ihre Verantwortung gegenüber der Schweizer Bevölkerung wahrgenommen zu haben. Die Non-Profit-Organisation wird weiterhin aufmerksam verfolgen, wie sich der wissenschaftliche Kenntnisstand zu den Risiken von ionisierenden Strahlen sowie weiteren Umweltfaktoren wie elektromagnetische Strahlung, Radon, Asbest, Feinstaub oder UV-Strahlung entwickelt.

Weitere Informationen:


Zum Herunterladen:
CANUPIS-Studie zu Kinderkrebs um Schweizer Kernkraftwerke Kein erhöhtes Risiko für Krebs und Leukämie bei Kindern nachweisbar Medienmitteilung
pdf, 83 KB
09.09.2008 CANUPIS-Studie zu Kinderkrebs um Kernkraftwerke gestartet Medienmitteilung
pdf, 98 KB