Prof. Dr. med. Jürg Schwaller, Departement für Biomedizin, Universitätsspital Basel, erhält 175 000 Franken für das Projekt:
Modell zur Erforschung der akuten Mixed-Lineage Leukämie
(Originaltitel: Modeling for targeting of mixed-lineage acute leukemia)
Die akute Leukämie bei Säuglingen ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Krankheit. Pro Jahr erkranken ca. 5 von 100 000 neugeborenen Kindern daran. In rund 80% der Fälle ist die Krankheit auf eine Veränderung im Erbmaterial zurückzuführen, die das Gen MML (mixed-lineage leukemia) betrifft. Diese Genveränderung findet man auch in den Krebszellen von Kindern und Erwachsenen mit akuter Leukämie. Oft ist die Prognose der betroffenen Patientinnen und Patienten schlecht, weil bei ihnen die üblichen Medikamente zur Leukämietherapie nicht wirken, oder weil die Krankheit nach einer erfolgreichen Behandlung zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausbricht. Das veränderte MLL-Gen wirkt als potentes Onkogen, indem es die Bildung und die Vermehrung von Krebszellen stark ankurbelt. Professor Jürg Schwaller und seine Arbeitsgruppe untersuchen in ihrem Forschungsprojekt die genauen Funktionen des MLL-Gens mithilfe von Mausmodellen. Ziel ist, die Biologie der akuten Leukämie bei Säuglingen besser zu verstehen, um längerfristig neue Therapiemöglichkeiten entwickeln zu können.
Prof. Dr. med. Shai Izraeli, Departement für pädiatrische Hämato-Onkologie und Zentrum für Krebsforschung, Sheba Medical Center, Israel, erhält 150 000 Franken für das Projekt:
Von Entzündungen und Allergien zur Hochrisiko-Leukämie bei Kindern – der TSLP-JAK-STAT-Pfad der Leukämieentstehung
(Originaltitel: From inflammation and allergy to high risk childhood leukemia – The TSLP-JAK-STAT leukemogenic pathway)
Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Heutzutage kann die ALL in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden, doch ist die Therapie sehr belastend für die Patientinnen und Patienten. Ein wichtiges Ziel der Forschung besteht darin, Biomarker von ALL zu finden, die als spezifische Angriffspunkte dienen. Basierend auf diesen charakteristischen Merkmalen von ALL-Krebszellen sollen neue, zielgerichtete Therapien entwickelt werden, mit denen die Nebenwirkungen der Behandlung verringert und die Heilungsraten der Patienten erhöht werden. Einen solchen Marker hat Professor Shai Izraeli entdeckt: den Thymic Stromal Lymphopoietin-Rezeptor (TSLP). Die fehlerhafte Herstellung dieses Rezeptors in den Immunzellen ist bei der ALL mit einer schlechten Prognose assoziiert. Shai Izraeli und sein Team untersuchen im Rahmen ihres Forschungsprojekts mithilfe von Kulturen mit menschlichen Abwehrzellen sowie Mausmodellen, wie die Veränderung von TSLP dazu führt, dass Leukämiezellen entstehen und überleben. Da zwischen TSLP und Entzün-dungsvorgängen im Körper ein Zusammenhang besteht, will die Forschungsgruppe auch untersuchen, ob eine abnorme Immunantwort im Kindesalter dazu beitragen kann, dass sich eine ALL entwickelt.
Prof. Dr. sc. nat. Monika Hegi, Labor für Tumor-Biologie und -Genetik, Abteilung für Neurochirurgie, Universitätsspital Lausanne (CHUV), erhält 175 000 Franken für das Projekt:
Epigenetische Aberrationen bei niedrigmalignen Gliomen: Die Identifikation von neuen therapeutischen Zielen sowie Biomarkern zur Erkennung der Therapieantwort
(Originaltitel: Epigenetic aberrations in low grade glioma, identification of novel therapeutic targets and biomarkers for response to treatment)
Epigenetische Veränderungen sind ein wichtiger Mechanismus, der dazu führt, dass Krebszellen entstehen und sich zu bösartigen Tumoren weiterentwickeln. Diese Art der Genveränderung betrifft nicht die Abfolge der Genbausteine (DNA-Sequenz). Sie zeichnet sich durch kleine chemische Veränderungen des DNA-Moleküls aus, indem sogenannte Methyl-gruppen an bestimmten Stellen der Erbsubstanz angeheftet werden. Dadurch wird die Regulation diverser Gene gestört; so können z.B. Onkogene aktiviert oder Tumorsuppressor-gene deaktiviert werden. Solche Vorgänge sind auch bei der Entwicklung von Glioblastomen, einer bösartigen Art von Hirntumoren, zentral. Und es gibt Hinweise, dass epigenetische Veränderungen auch bei der Entstehung von niedrigmalignen Gliomen (low grade glioma, LGG) eine Schlüsselrolle spielen. Professor Monika Hegi will in ihrem Forschungsprojekt sämtliche epigenetischen DNA-Veränderungen der Krebszellen von mehreren LGG-Patientinnen und -Patienten bestimmen. Ziel ist, dadurch spezifische Muster in der Erbsubstanz (sogenannte DNA-Methylierungs-Profile) zu finden. Durch den Vergleich dieser Muster mit den klinischen Daten der Patienten, von denen die untersuchten Proben stammen, lassen sich möglicherweise neue Angriffspunkte für zielgerichtete Therapien finden. Zudem will die Forscherin Biomarker identifizieren, die es erlauben vorherzusagen, ob bei einem Patienten eine Therapie wirkt oder seine Krebszellen resistent dagegen sind.