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Robert-Wenner-Preis

Dank eines Legats des 1979 verstorbenen Basler Gynäkologen Robert Wenner kann die Krebsliga Schweiz den mit 100‘000 Franken dotierten Robert-Wenner-Preis als Anerkennung herausragender Forschungsarbeiten von jungen Forscherinnen und Forschern unter 45 Jahren verleihen. Prämiert werden in der Schweiz erbrachte Arbeiten aus dem ganzen Spektrum der Krebsforschung. Der Preis wurde erstmals 1983 verliehen.

Zuständig für die Beurteilung der Kandidaturen und die Wahl des Preisträgers ist die Wissenschaftliche Kommission. Die Preisträger erhalten 80‘000 Franken als Beitrag an ein laufendes Forschungsprojekt und 20‘000 Franken zur freien Verfügung.

Der Robert-Wenner-Preis 2014 geht an Mohamed Bentires-Alj

Die Krebsliga Schweiz hat den Pharmazeuten Mohamed Bentires-Alj vom Friedrich-Miescher-Institut für biomedizinische Forschung (FMI) in Basel mit dem Robert-Wenner-Preis 2014 ausgezeichnet. Der Forscher wird für seine Arbeiten geehrt, die zu einem besseren Verständnis der molekularen Vorgänge in Brustkrebszellen beitragen.

Der in Casablanca geborene und an der Universität Liège in Belgien und der Harvard Medical School in den Vereinigten Staaten ausgebildete Forscher wurde für seine in der Schweiz erzielten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Brustkrebsforschung geehrt. So hat er mit seinem Team am Friedrich-Miescher-Institut für biomedizinische Forschung in Basel etwa gezeigt, welche Brustkrebsstammzellen Metastasen bilden oder wie Brustkrebszellen der Therapie entgleiten.


Zahlreiche klinisch relevante Ergebnisse

Die Forschungsgruppe des Preisträgers verwendet genetisch veränderte Mäuse und dreidimensionale Kulturen von menschlichen Zellen, um dem Wechselspiel zwischen gesundem Brustgewebe und den Krebszellen auf die Spur zu kommen. Zu den zahlreichen klinisch relevanten Ergebnissen von Bentires-Aljs Forschungsarbeiten gehört die Identifikation eines bestimmten Eiweisses namens SHP2, das Brustkrebsstammzellen dazu verleitet, Metastasen zu bilden. Gelingt es in Zukunft, dieses Eiweiss zu blockieren – mehrere Pharmaunternehmen suchen schon gezielt nach SHP2-Inhibitoren –, verfügt die Medizin vielleicht erstmals auch über einen Ansatz, der die Metastasierung verhindert.

Eine andere wichtige Erkenntnis aus Bentires-Aljs Forschungslabor ist die Aufschlüsselung eines Mechanismus der Therapieresistenz von dreifach-negativem Brustkrebs. Die Zellen dieser besonders aggressiven und therapeutisch schwer zugänglichen Form parieren den Angriff neuer Wirkstoffe, indem sie auf andere komplementäre Signalwege ausweichen. Um diese Art von Brustkrebs zu bekämpfen, müssen vielleicht mehrere Medikamente gleichzeitig verabreicht werden, die nicht nur den zellulären Hauptsignalweg, sondern gleichzeitig auch die Nebensignalwege abklemmen. Ob sich diese Strategie bewährt, wird sich bald zeigen: Eine auf Bentires-Aljs Einsichten basierende klinische Studie ist am Universitätsspital Basel in Vorbereitung.


Hervorragender Netzwerker

Doch Bentires-Alj erzielt nicht nur in seinem Forschungslabor eindrückliche Resultate. Er ist auch massgeblich an der europäischen Vernetzung von Brustkrebsforschenden beteiligt. Das von ihm präsidierte «European Network for Breast Development and Cancer labs» hat seit 2009 schon sieben jährliche Treffen organisiert, auf dem sich Forschende austauschen und neue Zusammenarbeiten lancieren können. Zudem hat Bentires-Alj auch auf regionaler Ebene ein Netzwerk mitbegründet: Das Basel Breast Consortium (www.BaselBC.org) hat zum Ziel, Projekte zur interdisziplinären Grundlagen-, klinischen und translationalen Forschung zu fördern.