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Kinder ohne Tabak
KrebsligaKinder ohne Tabak – JA am 13.FebruarKinder ohne Tabak: Gezielter Schutz dank WerbeeinschränkungenKinder ohne Tabak – JA am 13.Februar

Kinder ohne Tabak: Gezielter Schutz dank Werbeeinschränkungen

Am 13. Februar kommt die Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» an die Urne. Mirjam Weber, Leiterin Beratung, Angebote & Bildung und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Krebsliga Schweiz, erklärt, wieso es ein Ja dringend braucht.

Mirjam Weber, Leiterin Beratung, Angebote & Bildung, Krebsliga Schweiz

Warum engagiert sich die Krebsliga in diesem Abstimmungskampf?
Mirjam Weber:
Der gesundheitliche Preis beim Rauchen ist hoch. Zu hoch. Hier in der Krebsliga sehen wir Tag für Tag, mit welchen Folgen ehemalige Raucherinnen und Raucher konfrontiert sind. Darunter sind Schicksale, die man niemandem wünscht. Und es ist umso tragischer, weil sich ein Teil dieser Krebsfälle verhindern liesse. Um nur einige Zahlen zu nennen: Rund 80 Prozent der Lungenkrebsfälle gehen auf Tabakkonsum zurück. Doch nicht nur Krebs ist ein Problem; in der Schweiz werden jährlich ungefähr 9500 Sterbefälle dem Rauchen zugeschrieben. Das sind die traurigen Fakten. Die Abstimmung zur Initiative „Kinder ohne Tabak“ eröffnet jetzt die Chance, die Weichen richtig zu stellen. Und hier engagiert sich die Krebsliga an vorderster Front.

Was genau sieht die Initiative vor?
Ziel der Initiative ist es, dass Kinder und Jugendliche gar nicht erst mit Rauchen beginnen. Deshalb muss Werbung für Tabakprodukte, die Kinder und Jugendliche erreicht, eingedämmt werden. Werbung wirkt; gerade in der Phase der Identitätsbildung sind Minderjährige dafür sehr empfänglich. Und Erfahrungen aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen, dass Werbeeinschränkungen zu weniger Tabakkonsum führen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Die Tabakindustrie ihrerseits gibt an, sich gar nicht an Kinder zu Jugendliche zu wenden.
Das ist effektiv nicht auf den ersten Blick so klar ersichtlich. Aber Tabakkonzerne peilen mit Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring ganz gezielt junge Menschen an, beispielsweise mit Inseraten auf „People-Seiten“ in Gratiszeitungen oder an Konzerten, Partys, Open-Airs und Festivals. Sie sichern sich als Sponsoren Einfluss und Aufmerksamkeit. Die jugendlichen Besucherinnen und Besucher erleben die Firmen als Kulturförderer und Wohltäter und erhalten ein positives Bild eines gesundheitsschädigenden Produkts. Das ist besonders problematisch.

 

«Werbung wirkt; gerade in der Phase der Identitätsbildung sind Minderjährige dafür sehr empfänglich.»

 

Wie sieht es auf den digitalen Kanälen aus?
Ich bin selber Mutter, meine Kinder sind zwischen sieben und 14 Jahre alt. Ich erlebe die heutigen Kinder und Jugendlichen als sehr neugierig, aktiv und informiert. Die digitale Welt hat durchaus ihre guten Seiten. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass auf den Social-Media-Kanälen und mit dem allzeit möglichen Zugriff aufs Netz eine Flut von Information und Werbung ziemlich ungefiltert an die Jugendlichen herangetragen wird. Hier kann ich als Mutter meine Kinder kaum selber schützen. Und gerade die Werbung für Tabakprodukte und E-Zigaretten ist meines Erachtens besonders problematisch: Sie gaukelt ein cooles, freies, buntes Leben vor – mit Zigarette notabene.

Wieso soll just die Tabakwerbung stärker reguliert werden?
Beim Tabak sind die gesundheitsschädigenden Auswirkungen besonders fatal. Hinzu kommt: Jugendliche können die Langzeitfolgen beim Rauchen selber noch nicht abschätzen. Und sie sind besonders empfänglich für die Bilder und Versprechungen, mit denen die Tabakwerbung sie umgarnt. In der Adoleszenz ist die Suche nach Rollenmodellen und Lebensentwürfen normal und wichtig – aber es macht für solche Inhalte vulnerabel. Mit klaren Regelungen bei der Werbung für Tabakprodukte schieben wir dieser Entwicklung einen Riegel.

 

«Mit klaren Regelungen bei der Werbung für Tabakprodukte schieben wir dieser Entwicklung einen Riegel.»

 

Wie sicher ist die Annahme, dass Werbeeinschränkungen bei Jugendlichen effektiv zu weniger Tabakkonsum führen?
Studien zeigen, dass zwischen der Häufigkeit, mit der Kinder und Jugendliche der Werbung und Promotion für Tabakprodukte ausgesetzt sind, und der Häufigkeit, mit der sie mit Tabakprodukten experimentieren, ein klarer Zusammenhang besteht. Was wir heute auch wissen: Wer bis zum 21. Lebensjahr nicht zur Zigarette greift, wird dies mit grosser Wahrscheinlichkeit das ganze Leben nicht tun. Fakt ist aber: Die Mehrheit der Raucherinnen und Raucher beginnt vor dem 18. Lebensjahr mit dem Tabakkonsum. Wird das Rauchen zur Sucht, ist es schwierig, dieser später wieder zu entrinnen. Diesem Risiko sollten wir Minderjährige nicht aussetzen.

Für die Tabakindustrie stehen grosse wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel.
In der Tat. Sie stehen aber in keinem Verhältnis zu den Kosten, die die Gesellschaft wegen Tabakkonsum zu tragen hat. Diese belaufen sich auf fast fünf Milliarden Franken, einerseits durch direkte Gesundheitskosten und andererseits wegen Produktionsausfällen aufgrund von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und vorzeitigen Todesfällen. Das ist ein X-faches der Summe, die der Werbewirtschaft und den Veranstaltern durch konsequentere Werberichtlinien entgehen würden!

Wieso ist die derzeitige gesetzliche Regelung bezüglich Jugendschutz ungenügend?
Bei der Umsetzung wirksamer Massnahmen zur Tabakprävention ist die Schweiz im europa- und weltweiten Vergleich ein trauriges Schlusslicht. Bundesrat und Parlament haben sich unverständlicherweise gegen einen wirkungsvollen Jugendschutz im neuen Tabakproduktegesetz ausgesprochen. Es lässt genau diejenige Werbung zu, die Kinder und Jugendliche erreicht und sie so in den Tabakkonsum führt. Deshalb kann nun das Stimmvolk den Schutz von Kindern Jugendlichen auf Verfassungsebene verankern. Dies sind wir der heranwachsenden Generation schuldig.

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