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KrebsligaKrebs vorbeugenPrävention und FrüherkennungNichtrauchenRauchstopplinieInterview zur RauchstopplinieRauchstopplinie

«Wir arbeiten mit jeder Person sehr individuell»

Der Preis des Rauchens ist hoch: schnellere Alterung, verminderte Lebenserwartung und ein hohes Risiko für Lungenkrebs. Allein in der Schweiz sterben pro Jahr rund 9500 Personen wegen Tabakkonsum. Wieso greifen viele Menschen dennoch regelmässig zur Zigarette? Und wie gelingt es, den Tabak ein für allemal aus dem Alltag zu verbannen? Catherine Abbühl, seit 13 Jahren Leiterin der Rauchstopplinie, weiss Rat.

Schätzungen zufolge geht rund ein Drittel aller Krebserkrankungen auf das Konto von Tabakrauch zurück. Wieso gibt es überhaupt noch Rauchende?

Catherine Abbühl: Es sind vor allem junge Leute, die mit Rauchen beginnen. Die Tabakindustrie peilt mit ihrer Werbung genau diese Zielgruppe an und sichert sich so langjährige Kunden. Kommt hinzu: Jugendlichen sind mit den Gefahren des Konsums noch wenig vertraut – zum Teil wissen sie schlichtweg nicht, dass man sehr schnell abhängig wird. Auch setzten sie sich kaum mit gesundheitlichen Spätfolgen des Rauchens auseinander.

Was ist die grösste Veränderung seit dem ersten Telefonanruf im Jahr 2005?
Am Anfang war unsere Nummer nur vereinzelt auf der Verpackung von Zigaretten zu finden. Ab dem Jahr 2010 wurde 0848 000 181 auf jedem Päckchen abgedruckt, die Zahl der Anrufe bei der Rauchstopplinie stieg dadurch markant. Damals riefen auch verärgerte Leute an, die sich an den Abschreckbildern störten. Das ist heute definitiv nicht mehr der Fall. Niemand fragt mehr nach Sinn und Zweck eines Rauchstopps. Rauchen ist nicht mehr die Norm und auch Rauchende selber sehen ihren Konsum viel kritischer.

Welches sind die häufigsten Motive, dass sich jemand zum Rauchstopp entschliesst?
Auf den ersten beiden Plätzen rangieren die Gesundheit und die Kosten. Einige stellen fest, dass sie nicht mehr gut atmen können, häufig husten oder sportliche Aktivitäten schlichtweg nicht mehr möglich sind. Es gibt auch viele, die sich in ihrer Sucht gefangen fühlen. Andere wiederum gelangen zur Einsicht, dass die gesundheitlichen Risiken zu gross sind. Auch an den gelben Zähnen oder am Geruch, der sich an den Kleidern festsetzt, stören sich viele. Und dann sind da noch all jene, die von ihrem Arzt an uns weitergeleitet werden. Teils handelt es sich um stark abhängige Raucher mit sehr hohem Konsum.

Wer meldet sich bei der Rauchstopplinie?
Die Anrufenden stammen aus allen sozialen Schichten und Alterskategorien; da sind Jugendliche, Studierende, Erwerbstätige, IV-Bezüger oder Senioren mit den unterschiedlichsten Vorerkrankungen und Biografien. Wir sind für alle da und erreichen wirklich sehr viele Bevölkerungsgruppen, weil unser Angebot gratis und fundiert ist, wir gut erreichbar sind und die Beratungen auf zehn Sprachen anbieten.

Ein starker Raucher wählt die Nummer 0848 000 181. Er will den ersten Schritt machen. Was erwartet ihn bei einem solchen Anruf?
Wir stellen zuerst Fragen zum Rauchverhalten, zum Tabakkonsum, aber auch zur Motivation für einen Rauchstopp. Dann prüfen wir, wie stark die Abhängigkeit vom Nikotin und von den Gewohnheiten ist. Als nächstes planen wir den Rauchstopp von Grund auf und besprechen Strategien in Bezug auf mögliche Rückfallszenarien; manche Leute greifen in ganz bestimmten Situationen zur Zigarette, etwa bei starkem Stress. Diese Risiken gilt es zu benennen. Wenn die Person in den nächsten 30 Tagen aufhören möchte, begleiten wir sie relativ eng mit mehreren Gesprächen.

Was geschieht, wenn jemand subito mit dem Rauchstopp loslegen möchte?
Dann nutzen wir diesen Schwung. Wir klären aber auch, wie realistisch dieses Tempo ist. Manchmal ist etwas Vorbereitung nicht schlecht, um nochmals nachzudenken oder allenfalls Medikamente wie Nikotinpflaster zu besorgen. Medikamentöse Unterstützung empfiehlt sich vor allem bei starker Abhängigkeit. Betroffene können sich dann stärker auf die Verhaltensänderung konzentrieren.

Wie viele Beratungen braucht es durchschnittlich, damit der Rauchstopp gelingt?
Aufgrund unserer Daten zeigt sich: Ein guter Wirkungszusammenhang ist belegt bei fünf Gesprächen. Aber das ist kein fixer Wert. Manche Menschen brauchen mehr, andere weniger. Das Coaching ist auf drei Monate begrenzt. Darüber informieren wir die Klienten, damit wir die Zeit von Beginn an optimal nutzen können.  

Gibt es Tipps, die sich bei allen bewähren?
Wir arbeiten mit jeder Person sehr individuell und mit ihren jeweiligen Ressourcen. Für jemanden kann Meditation eine gute Alternative zum Rauchen darstellen, für den nächsten Sport, Atemtechniken, ein Musikinstrument oder soziale Kontakt. Oft reaktivieren unsere Klienten auch alte Hobbys.

Die «Zigipause» ist für viele Rauchende meist ein fester Bestandteil ihres Tages und auch ein Ort, um kurz innezuhalten oder sich mit andern auszutauschen. Welche Alternativen gibt es, um diese klaffenden Lücken zu füllen?
Pausen sind nach wie vor möglich und wichtig. Es lässt sich auch ohne Zigarette tief durchatmen und entspannen. Methoden gegen ein plötzliches starkes Verlangen nach einer Zigarette gibt es zahlreiche. So kann man zum Beispiel jene Hand, die normalerweise die Zigarette hält, aufs Herz legen und sich für jeden Finger einen Grund überlegen, wieso einem der Rauchstopp am Herzen liegt. Die «Raucherhand» und der Geist sind dann erst einmal beschäftigt und abgelenkt.

Wie gross sind die Chancen für Rauchende, mithilfe der engmaschigen Begleitung, wie sie die Rauchstopplinie bietet, vom Rauchen wegzukommen?
Rund einem Drittel gelingt der Stopp, das zeigen unsere Auswertungen. Jene, die auch Folgegespräche in Anspruch nehmen, haben die bessere Chancen auf Erfolg. Nationale telefonische Rauchstoppangebote gibt es auf der ganzen Welt, es gibt dazu viele Daten, die die hohe Wirksamkeit dieser so genannten Quitlines belegen. Die Beratungen folgen einer klaren Struktur, sind aber dennoch sehr individuell und niederschwellig.

Wie reagieren Sie, wenn Ihnen jemand von einem Rückfall beichtet?
Rückfälle sind immer möglich. Wir reagieren in solchen Situationen mit viel Verständnis, analysieren aber mit dem Anrufenden auch gleich, wieso es zu einem Rückfall gekommen ist. Ziel ist es zu erkennen, dass ein altes Muster wieder Überhand gewonnen hat. Vor allem in einer Stresssituation wird eine über Jahre praktizierte Methode, also der Griff zur Zigarette, manchmal wieder aktiviert. Hier geht es darum, neue Techniken zum Umgang mit Stress zu entwickeln. Interessant ist auch, dass Rauchende oft gestresster sind als Nichtrauchende. Wenn sie aufhören, weicht der Stress fast automatisch.

Was sind Ihre letzten zwei Sätze, bevor Sie sich von jemandem aus einer mehrmonatigen Beratung verabschieden?
Ich gratuliere natürlich zum Erfolg. Für mich ist es jedes Mal eine grosse Freude sehen zu dürfen, wieviel sich nach einem Rauchstopp zum Positiven verändern kann; wie sich die Stimmung hebt und wie unsere Klientinnen und Klienten ihre körperlichen Ressourcen wiederentdecken. Mit vielen Leuten bespreche ich noch, wie ihre drei Tipps für kritische Phasen aussehen könnten. Wir erstellen dann eine Art Erste-Hilfe-Karten. Wichtig ist es auch, beim Rauchstopp zu bleiben und sich nicht gelegentlich einige Zigaretten zu gönnen. Das funktioniert nicht. Ein Zug kann reichen, um die Sucht zu reaktivieren und wieder bei Null starten zu müssen.

Catherine Abbühl

Catherine Abbühl hat ursprünglich Rechtswissenschaften und Heilpädagogik studiert und später zahlreiche Aus-und Weiterbildungen im Bereich Gesundheitsförderung und Tabakprävention absolviert.  Sie war viele Jahre im Bereich schulischer und betrieblicher Gesundheitsförderung sowie in der Tabakentwöhnung tätig. Früh begann sie Rauchentwöhnungskurse zu geben und Einzeltherapien durchzuführen.

2006 stiess sie zur Rauchstopplinie und übernahm im Jahr 2007 eine leitende Funktion. 14 Jahre nach Stellenantritt sagt Catherine Abbühl: «Ich bin nach wie vor von der Methode begeistert, wie sie bei der Rauchstopplinie zum Tragen kommt. Die Beratungen via Telefon sind intensiv und hochwirksam – innert kurzer Zeit lassen sich wirklich gute Ergebnisse erzielen.» Catherine Abbühl hat selber nie geraucht, war aber als Kind Passivrauch ausgesetzt. «Meine Grossmutter hat mir schon als kleines Kind nahegelegt, gar nie mit Rauchen zu beginnen. Diesen Rat habe ich bis heute beherzigt», sagt die 60-Jährige.