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Mit Stift und Pinsel durch eine schwierige Zeit

Malen, Skizzieren und Zeichnen sind Emilia Boeschotens grosse Leidenschaften. Sie halfen der Bernerin durch ihre Krebserkrankungen. Aber auch Gespräche mit dem Krebstelefon waren sehr hilfreich. Ein Blick zurück und nach vorne.

Emilia erklimmt in ihrer Freizeit auch leidenschaftlich gerne Berge.

«Das bin ich im Mal-Atelier», sagt Emilia Boeschoten mit leuchtenden Augen. Dabei zeigt sie auf Fotos, auf denen sie als Vierjährige mit Pinsel vor einer Wand zu sehen ist. Die heute 28-Jährige kann sich noch sehr gut an die hohen, farbverschmierten Mauern des Ateliers erinnern. «Wir durften nicht nur auf kleine A4- oder A5-Blätter malen, sondern auch an der Wand auf Papier im Posterformat. Das war so toll!», schwärmt die Bernerin mit niederländischem Vater und amerikanischer Mutter. Emilias Eltern hatten ihre Tochter in dieses Atelier geschickt, weil sie ein Wildfang gewesen sei: unruhig, ungestüm und laut. «Und ich hatte oft auch eine Wut in mir», fügt sie an und zuckt mit den Schultern. Warum, wisse sie nicht. «Es tat mir jedenfalls sehr gut, dass ich mich mehrmals pro Woche mit Farben austoben konnte.» Die Malkurse besuchte Emilia bis zum Ende der Kindergartenzeit. Entstand dadurch bei ihr die Leidenschaft fürs Malen? «Kann sein», meint sie, «wobei ich auch zu Hause ständig malte. Vor allem im Garten unter unserem Apfelbaum. Mit einem Goldstift oder Wasserfarben.»
 

Plötzlich Krebs

Emilia sitzt am Pult vor dem Fenster ihres WG-Zimmers. Mit schwarzer Tinte skizziert die Primarlehrerin feine Striche aufs Papier. «Ich ziehe mich gerne nach der Arbeit hierher zurück und male. Manchmal höre ich auch Musik dazu», erzählt sie mit ruhiger Stimme. Von Hektik, Hyperaktivität oder gar Gehässigkeit keine Spur. Emilia, die in ihrer Freizeit auch leidenschaftlich gerne Berge erklimmt, wirkt besonnen und ausgeglichen. «Durch das Malen, Skizzieren und Zeichnen kann ich meinen Kopf leeren und den Gedanken freien Lauf lassen. Es ist ein Ventil.»

  • Emilias Sujet für die Weihnachtskarte der Krebsliga. 
  • © Emilia Boeschoten 
  • © Emilia Boeschoten 
  • © Emilia Boeschoten 
  • © Emilia Boeschoten 
  • © Emilia Boeschoten 
  • © Emilia Boeschoten 
  • © Emilia Boeschoten 

«Durch Malen und Zeichnen kann ich meinen Kopf leeren und den Gedanken freien Lauf lassen. Es ist ein Ventil.»

2018 erkrankte Emilia, die zuvor nie ernsthafte gesundheitliche Probleme gehabt hatte, an Krebs. Sie vermutete zunächst, das über längere Zeit wiederkehrende hohe Fieber sei auf die Kinder in der Schule zurückzuführen, da dort vermehrt Krankheitsfälle aufgetreten waren. Doch nach mehreren Untersuchungen erhielt sie die Schockdiagnose Krebs. «Es war eine sehr schwierige Phase. Auch, weil ich vermehrt in der Schule fehlte.» Nach fast drei Jahren ist die Krebsbehandlung beendet. Emilia versucht, damit abzuschliessen, aber dann kehrt der Krebs zurück. «Das war ein Schlag ins Gesicht!» Glücklicherweise entdeckten die Ärzte den bösartigen Tumor in der Brust frühzeitig. «Dafür bin ich sehr dankbar. Und auch für die gute Versorgung, die wir in der Schweiz haben.»

Das Krebstelefon half – Malen auch

Ihre Krebserkrankungen hing Emilia nicht an die grosse Glocke, nur die engsten Freunde und ihre Familie wussten davon und unterstützten sie. «Mitleid will ich keines. Mitgefühl ist in Ordnung», so Emilia bestimmt. Sie sei sich dessen bewusst, dass es kein Rezept gebe, wie man sich zu verhalten habe, wenn jemand schwer krank ist. «Das ist eine Gratwanderung. Jeder Mensch ist anders gestrickt. Gewisse wollen über ihre Erkrankung reden, andere gar nicht.» Emilia hatte das Verlangen, in einem anonymen Rahmen über ihre Situation zu sprechen und rief deshalb beim Krebstelefon der Krebsliga an. «Es tut gut, eine Anlaufstelle ausserhalb der Familie und des Freundeskreises zu haben. Ich empfehle das Krebstelefon auch Angehörigen und Nahestehenden. Viele wissen nicht, dass es dieses Angebot überhaupt gibt.» Zudem las Emilia verschiedene Informations-Broschüren der Krebsliga.

Während der Brustkrebserkrankung entdeckte Emilia das Malen wieder vermehrt für sich. Im Gymnasium mit dem Schwerpunktfach Musik, war es jahrelang in den Hintergrund gerückt, denn lange stand bei ihr Klavierspielen an erster Stelle. «Malen, Skizzieren und Zeichnen halfen mir, Stimmungen und Gefühle auf eine andere Art zu verarbeiten», fasst sie zusammen. «Manchmal fehlten mir die Worte, um mich auszudrücken. Oder ich hatte keine Lust, über die Misere zu sprechen.» So liess Emilia ihre Bilder für sie sprechen. «Diese wortlose Kommunikation war befreiend», ergänzt sie.

«Manchmal fehlten mir die Worte, um mich auszudrücken. Oder ich hatte keine Lust, über die Misere zu sprechen.»

Emilia Boeschoten in ihrem WG-Zimmer.

Auch die Spenderinnen und Spender der Krebsliga Schweiz sind im vergangenen Dezember in den Genuss eines Bildes von Emilia gekommen – denn sie hat die Weihnachtskarten 2022 gemalt. «Es berührt mich sehr, dass ich die Karten gestalten durfte. Ich möchte damit Menschen mit Krebs eine Freude machen und ihnen Mut spenden, damit sie die Hoffnung nie aufgeben», sagt Emilia.
 

Blick nach vorne

An ihre Krebserkrankungen versucht Emilia so wenig wie möglich zu denken. Nur wenn eine Kontrolle im Spital ansteht, ist das Thema wieder präsent. «Ich weiss nie, was mich bei einer Untersuchung erwartet. Diese Ungewissheit ist nicht angenehm», sagt sie. Da die Behandlungen abgeschlossen sind, kann sich Emilia ganz auf ihren Master in Schulischer Heilpädagogik an der Pädagogischen Hochschule PHBern konzentrieren. Sie könnte sich gut vorstellen, eines Tages als Mal-Therapeutin zu arbeiten. «Eine solche Aufgabe fände ich toll. Denn ich bin zwar Lehrerin, aber ich mag Bewertungen und Benotungen nicht – ein Widerspruch, ich weiss…», sagt Emilia, lacht und skizziert ihre Zeichnung fertig.

Text: Christian Franzoso; Foto: Gaëtan Bally

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