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«Der Glaube an mich selbst und der Mut, etwas zu wagen – das hat mich weitergebracht»

Zum heutigen Frauentag fragten wir zwei Kaderfrauen der Krebsliga Schweiz: «Wie steinig war Ihr Weg nach oben?» CEO Daniela de la Cruz und Geschäftsleitungsmitglied Mirjam Weber erzählen offen und ungeschminkt, warum der Glaube an sich selbst matchentscheidend ist. Weshalb Mütter die besten Vorbilder sein können. Und was Mut mit Karriere zu tun hat.

Daniela de la Cruz und Mirjam Weber

Weibliche CEOs sind in der Schweiz noch immer eine Seltenheit. Daniela de la Cruz, mussten Sie mehr leisten und mehr kämpfen als Ihre Kollegen?
Daniela de la Cruz: Nein, ich musste nicht kämpfen. Ich hatte das Glück, stets wertvolle Mentorinnen und Mentoren zu finden, die mich als Mensch und Fachperson unterstützten. Es waren drei Dinge, die mich weitergebracht haben: Erstens, ein Umfeld, das an mich glaubt. Zweitens, der Glaube an mich selbst und die Bereitschaft zu lernen. Und drittens, der Mut, etwas zu wagen, selbst wenn es ein Risiko darstellt.

«Mich haben drei Dinge weitergebracht: Erstens, ein Umfeld, das an mich glaubt. Zweitens, der Glaube an mich selbst und die Bereitschaft zu lernen. Und drittens, der Mut, etwas zu wagen, selbst wenn es ein Risiko darstellt.»

– Daniela de la Cruz
   

Sie machten Karriere im Gesundheitswesen. Wie erging es dort anderen Frauen?
Daniela de la Cruz: Frauen konnten bis zu einer gewissen Kaderstufe mit ihren Kollegen problemlos mithalten – und könnten es nach meiner Meinung auch noch weiter. Doch danach wurde es schwieriger. Ich habe Kolleginnen erlebt, die sich den nächsten Schritt nicht mehr zutrauten und sich fragten: «Bin ich wirklich fähig genug? Werde ich den Erwartungen genügen?» Sie wagten oft nicht, sich zu sagen: «Natürlich kann ich das! Ich habe die nötigen Fähigkeiten, eine klare Haltung und das Herz auf dem rechten Fleck!» Selbstreflexion ist wichtig. Doch man darf sich dabei nicht einfach auflösen.

Woher kommt Ihr Mut, Ihre Offenheit und Ihr Selbstvertrauen?
Daniela de la Cruz: Das hat sich entwickelt wie so vieles andere. Auch ich machte gute und schlechte Erfahrungen. Entscheidend ist, welche Schlüsse man daraus zieht und ob es gelingt, daraus zu lernen. Geholfen hat mir zudem, dass ich mein Handeln immer wieder mit anderen Personen reflektiert habe und dadurch eine andere Perspektive einnehmen und neue Einsichten gewinnen konnte.

Mirjam Weber, Sie führen den Bereich Vorsorge, Betreuung und Nachsorge der Krebsliga Schweiz mit 34 Mitarbeitenden. Wie steinig war Ihr Weg nach oben?
Mirjam Weber: Auch ich hatte nicht mit vielen Hindernissen zu kämpfen. Das habe ich glücklichen Zufällen, bewussten Entscheidungen im Berufs- und Familienleben sowie Investitionen in meine Weiterbildung zu verdanken. Hilfreich ist, sich etwas zuzutrauen und, an sich zu glauben. Wenn man das auch ausstrahlt, hat dies nichts mit Härte oder Arroganz zu tun, sondern mit Selbstvertrauen.

«Meine Mutter hat mich zu grosser Selbstständigkeit erzogen und zu mir gesagt: Du kannst im Leben alles erreichen, doch du musst dafür auch etwas tun. Das hat mich darin bestärkt, nicht auf Wunder zu warten, sondern selbstwirksam zu handeln.»

Mirjam Weber
   

Konnten auch Sie auf Vorbilder oder Mentorinnen zählen?
Mirjam Weber: Ich hatte verschiedene Mentorinnen und Mentoren. Doch das erste grosse Vorbild war meine Mutter. Sie hat immer sehr gerne gearbeitet und zuhause mit grosser Begeisterung davon erzählt. Für mich hatten Erwerbsarbeit und Herausforderungen deshalb schon früh eine positive Bedeutung. Meine Mutter hat mich zu grosser Selbstständigkeit erzogen und zu mir gesagt: «Du kannst im Leben alles erreichen, doch du musst dafür auch etwas tun.» Das hat mich darin bestärkt, nicht auf Wunder zu warten oder auf Menschen, die mir die Tür öffnen, sondern selbstwirksam zu handeln.

Wollten Sie schon als junge Frau Karriere machen?
Mirjam Weber: Ich habe keine genaue Karriereplanung gemacht. Ich wollte aber eine Arbeit, die mir Spass macht und mir am Herzen liegt. Das war mein Treiber. Gleichzeitig habe ich immer gerne Verantwortung übernommen und mir Arbeitsstellen gesucht, die mir Gestaltungsspielraum boten. Mit der Zeit merkte ich, dass mich die Führung reizt, das «gemeinsame Wirken», und beschloss bewusst, mir dazu das nötige Wissen anzueignen und einen Master in Management und Leadership zu machen.

Und was war als Kind Ihr Traumberuf, Daniela de la Cruz? Chefin?
Daniela de la Cruz: (lacht) Nein! Ich wollte zuerst Kinderkrankenschwester werden, danach Hotelfachfrau und wurde schliesslich Physiotherapeutin. In die erste Führungsposition bin ich hineingerutscht. Ich habe mich damals gefragt: «Was muss ich in meinen Werkzeugkoffer stecken, damit ich in der Lage bin, Führungsverantwortung zu übernehmen?» Dieses Werkzeug habe ich mir dann Schritt für Schritt erarbeitet. 

«Ich habe mich gefragt: Was muss ich in meinen Werkzeugkoffer stecken, damit ich in der Lage bin, Führungsverantwortung zu übernehmen? Dieses Werkzeug habe ich mir dann Schritt für Schritt erarbeitet.»

– Daniela de la Cruz
   

Was braucht es, damit es in Zukunft mehr Frauen bis nach oben schaffen und die Gleichstellung von Frauen und Männern Realität wird?
Mirjam Weber: Vorbilder sind zentral. Wenn junge Frauen im Alltag und in den Medien erleben, dass es Führungsfrauen bis in die obersten Etagen gibt und darüber niemand mehr erstaunt ist, dürfte sich schon einiges verändern. Nötig ist aber auch, dass sich Frauen die Führung zutrauen und diese übernehmen. Bei Quoten bin ich vorsichtig. Ich war nie eine Quotenfrau und möchte auch nie eine sein. Ich möchte als Mensch und als Fachperson für einen Job ausgewählt werden und nicht, weil ich eine Frau bin.

Daniela de la Cruz: Als Arbeitgeberin kann man vieles ohne Quoten verändern. Wichtig ist, dass jene, die Führungspersonen rekrutieren, ein gemeinsames Verständnis davon haben, welche Fähigkeiten eine Person mitbringen soll, was für eine Persönlichkeit und welches Profil sie suchen und wie sie damit umgehen wollen, wenn sich mehrheitlich Männer oder Frauen bewerben.

Hand aufs Herz: Wie sieht es mit Frauenpower in der Krebsliga Schweiz aus?
Daniela de la Cruz: Wir haben glücklicherweise sehr viele Bewerbungen von fähigen Frauen. Bei uns arbeiten fast 70 Prozent Frauen, auf Kaderstufe sind es 50 Prozent. Eine diskriminierungsfreie Vergütung haben wir im letztjährigen Audit attestiert bekommen, was mich sehr freut. Denn der Krebsliga ist wichtig: Wir wollen die Funktion entschädigen – unabhängig vom Geschlecht.

«Einer jungen Frau würde ich raten: Fordere dich genügend. Gib dich nicht mit dem zufrieden, was dir in den Schoss fällt. Und nimm Herausforderungen, die zuerst vielleicht schwierig wirken, freudig in Angriff.»

– Mirjam Weber
    

Was raten Sie einer jungen Frau, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn steht?  
Daniela de la Cruz: Ich erlebe heute eine Jugend, die recht selbstsicher ist und auf Augenhöhe diskutiert. Das muss man als Vorgesetzte unbedingt zulassen und fördern. Die heutige Arbeitswelt ist auf Mitarbeitende angewiesen, die sich mit dem Unternehmen und seinem Zweck identifizieren. Jungen Frauen und Männern gebe ich deshalb gerne mit, dass sie vor Entscheidungen nicht zurückschrecken, sondern sie reflektiert treffen sollen. Und wenn eine Entscheidung mal falsch war, sollen sie ehrlich mit sich sein, herausfinden, was nicht funktioniert hat und weshalb es nicht gestimmt hat, und weitergehen.  

Mirjam Weber: Ich würde dieser jungen Frau sagen: «Fordere dich genügend. Gib dich nicht mit dem zufrieden, was dir in den Schoss fällt. Und nimm Herausforderungen, die zuerst vielleicht schwierig wirken, freudig in Angriff.» Ein zentrales Thema ist auch die Kinderfrage. Ich habe selber Kinder und weiss, wie wichtig es ist, sich früh ganz bewusst zu fragen: Wie will ich arbeiten, wenn ich Kinder habe? Ich sehe immer wieder, dass Frauen ins Familienleben schlittern und zugunsten ihres Partners ihr Pensum reduzieren, obwohl sie ihren Beruf unglaublich gerne ausüben. Klar ist: Als voll berufstätige Mutter musst du mit viel Gegenwind und Skepsis rechnen und damit umgehen können. Mein Partner wird zum Beispiel nie gefragt, wie er mit Kindern seinen 100 Prozent-Job manage – ich hingegen schon. Fragen zur Organisation des Familien- und Berufslebens dürfen selbstverständlich gestellt werden, auch vom Arbeitgeber. Das hat mit aufrichtigem Interesse zu tun. Aber die Fragen sollten sich an Väter wie an Mütter richten.

Interview: Barbara Lauber