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Sollen bei einer Entfernung der Prostata auch die Lymphknoten entnommen werden?

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs werden standardmässig nebst Prostata und Samenbläschen teilweise auch die Beckenlymphknoten entfernt. Ob dies aber auch wirklich einen Vorteil birgt, ist wissenschaftlich umstritten – denn in bis zu 50 Prozent der Fälle leiden die Betroffenen an Komplikationen. Gemeinsam mit der SAKK bringen die Urologen Cyrill Rentsch, George Thalmann und Richard Cathomas mit ihrer Studie Licht ins Dunkel.

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PD Dr. Cyrill Rentsch

Bei Männern mit aggressiven Formen von Prostatakrebs sollen Urologinnen und Urologen nicht nur die Prostata, sondern auch die Beckenlymphknoten entfernen. So steht es in denwichtigsten urologischen Behandlungsrichtlinien geschrieben. Diese Entfernung und Untersuchung der Lymphknoten erhöht das Wissen über die Ausdehnung des Krebsleidens. Ob die Entfernung der Beckenlymphknoten aber auch einen Überlebensvorteil bringt, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. In bis zu 50 Prozent der Fälle leiden die Betroffenen nach Entfernen der Lymphknoten unter vorübergehenden Komplikationen, wie Wassereinlagerungen in den Beinen, Infekten im Becken und selten kommt es zur Verletzung von Gefässen und Nerven im Bereich der Lymphknoten.

«Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Empfehlung so in die Richtlinie gelangt ist», meint Urologe Cyrill Rentsch vom Universitätsspital Basel. Deshalb hat er zusammen mit George Thalmann vom Inselspital Bern, Richard Cathomas vom Kantonsspital Graubünden und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) eine Studie lanciert (SAKK 09/18): Sie wollen untersuchen, ob die Entfernung der Beckenlymphknoten den Patienten nützt. «Die urologische Gemeinschaft ist diesbezüglich gespalten, ein Teil glaubt an einen Nutzen, die anderen nicht. Nun ist es Zeit, endlich Klarheit zu schaffen», ist Rentsch überzeugt.

Die Studie hat im Sommer 2019 begonnen. Insgesamt möchten die Forschenden über 900 Prostatakrebspatienten mit mittlerem und hohem Rückfallrisiko (dem so genannten Krebsrezidivrisiko gemäss d’Amico-Klassifikation) einschliessen. Bei allen Studienteilnehmern führen die Urologinnen und Urologen eine radikale Prostatektomie durch, sie entfernen also die Prostata und die Samenbläschen. Bei der einen Hälfte entfernen sie zusätzlich die Beckenlymphknoten. Bei der anderen Hälfte der Patienten lassen sie die Beckenlymphknoten unberührt. Die Forschenden wollen so untersuchen, ob die Entfernung der Beckenlymphknoten hilft, Rückfälle zu vermeiden und das Überleben der Männer zu verlängern.

Bei Brustkrebs ist die wissenschaftliche Evidenz zur Entfernung von Lymphknoten seit vielen Jahren vorhanden. Bei Prostatakrebs hingegen brauchte es mehrere Versuche die entsprechende Studie zu lancieren. «Solche Forschung bietet kaum wirtschaftlichen Anreiz, die Finanzierung war deshalb anspruchsvoll», erklärt Rentsch. Die aktuelle Studie wird nun von der Krebsliga Schweiz und anderen Organisationen wie der SAKK und der «Rising Tide Foundation» finanziell unterstützt. «Es ist grossartig, dass in der Schweiz solche Studien möglich gemacht werden», lobt Rentsch. Für die Patienten sei dies sehr wichtig.

Seine Überzeugung wurde durch die Reaktionen aus dem Umfeld bestärkt. Viele Urologinnen und Urologen der grossen Schweizer Spitäler haben Interesse, an der Studie teilzunehmen. Erweist sich die Entfernung der Beckenlymphknoten als nützlich, so profitieren in Zukunft alle Patienten von einem Überlebensvorteil. Tritt das Gegenteil ein, so kann man den Patienten in Zukunft wahrscheinlich die Entfernung der Beckenlymphknoten und unnötige Komplikationen ersparen. Bis Klarheit herrscht, dauert es allerdings noch gut sieben Jahre. Dann sollen die ersten Studienresultate vorliegen.