Weshalb engagieren Sie sich in der Krebsprävention, Prof. Sara Rubinelli?
Prof. Sara Rubinelli: In meiner Arbeit sehe ich oft das gleiche Muster: Menschen bekommen Empfehlungen, setzen diese aber meist nicht um. Manche Krebserkrankungen lassen sich vorbeugen oder früher erkennen. Doch diese Möglichkeiten werden nicht immer genutzt. Mich hat interessiert, warum das so ist. Mit der Zeit wurde klar, dass die ausschlaggebende Lücke zwischen Information und Entscheidung liegt: Wie verstehen Menschen, was sie hören? Passt es in ihr Leben? Fühlen sie sich überhaupt in der Lage zu handeln? Hier entscheidet sich, ob Prävention gelingt oder scheitert.
Wissen wir denn genug über Krebsprävention?
Wir leben heute in einer Welt voller Gesundheitsinformationen. Wissenschaftliche Empfehlungen stehen neben persönlichen Geschichten, Medienberichten und manchmal auch falschen Aussagen. Wissen wird deshalb nicht einfach aufgenommen, sondern muss aktiv eingeordnet werden. Das braucht Zeit, Aufmerksamkeit und Vertrauen in die eigene Einschätzung. Es geht also weniger darum, wie viel Menschen wissen, sondern darum, unter welchen Bedingungen echtes Verständnis entsteht.
Dabei ist sicher auch die Kommunikation entscheidend.
Genau. Ob Wissen zu Handeln wird, entscheidet die Kommunikation. Sie erfolgt zum Beispiel über Social Media, Websites oder Kampagnen. Klare Sprache hilft, um viele unterschiedliche Menschen zu erreichen. Gleichzeitig sollte Kommunikation auch dabei unterstützen, Informationen besser einzuordnen: Was ist wichtig? Was ist verlässlich? Und was bedeutet das für mich persönlich?
Kennt die Bevölkerung die Gesundheitsempfehlungen?
Viele kennen die allgemeinen Empfehlungen, aber das heisst noch nicht, dass sie auch zur Vorsorge gehen. Zu wissen, dass es Untersuchungen gibt, ist etwas anderes, als zu verstehen, wann sie sinnvoll sind, warum sie wichtig sind und wie man sie erhält.



