Noch ist es keine intensive Pflege, aber ich erledige für sie viele kleine Dinge: waschen, Grosseinkäufe machen, aufräumen oder sie erinnern, an die Sonne zu gehen oder jemanden anzurufen, weil ihr das so guttut. Kürzlich geriet sie wegen einer Zugverspätung von Freunden völlig aus dem Konzept. Solche Situationen regle ich dann.
Mein Mami hat ihre Beerdigung selbst geplant. Sie möchte selbstbestimmt gehen. Bei allen Terminen war ich dabei. Manchmal musste ich ihr sagen, geh mal etwas runter vom Gaspedal, damit ich auch noch atmen kann. Doch es tröstet mich zu wissen, dass alles so sein wird, wie sie es sich wünscht.
Ich musste lernen, auch auf mich zu achten. Wenn alles erledigt ist, gehe ich in die Natur oder lese, um Kraft zu tanken. Mein Leben war nicht immer einfach, das hat mich geprägt. Jetzt will ich voll im Jetzt und für meine Liebsten da sein. Vielleicht habe ich wegen meiner Ferien weniger Geld, aber die Zeit mit meinem Mami ist so viel wichtiger.
Die Situation ist traurig, das lässt sich nicht schönreden. Ich wünsche meinem Mami viele kleine, schöne Momente – und dass ich bei ihr sein kann, wenn sie geht. Und für meinen Sohn, meinen Mann und mich wünsche ich, dass wir gut durch diese Zeit kommen und das Leben wieder leichter wird.»
Aufgezeichnet von Pia Schüpbach