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Sarah – Sport trotz Chemo

Eine Krebssportgruppe half Sarah Müller (38) während der Chemotherapie durch die dunkle Zeit. Sie fühlte sich ausgeliefert. Doch der Sport gab ihr das Gefühl, «sich stärken und etwas bewirken zu können». Langsam begann sie, ihrem Körper wieder zu vertrauen. Im Gespräch erzählt Sarah Müller ihre Geschichte. Und erklärt, welche 3 Regeln sie beim Sport beachtet hat.

Sarah Müller

Sarah Müller wollte nicht verzweifeln. Nicht in ein Loch fallen. Sich nicht gehen lassen. Deshalb nahm sie sich nach ihrer Brustkrebs-Diagnose vor, der Angst keinen Platz einzuräumen. «Unsere Kinder waren vier und sechs Jahre alt. Ich wollte weiterhin für sie da sein», erzählt sie. Sarah Müller ging ihre Krebsdiagnose deshalb so systematisch, so nüchtern und so vernünftig wie möglich an: Sie las Informationen zu Krebs, stellte den Onkologen viele Fragen, sprach mit Fachpersonen in der Nachbarschaft und sammelte so eifrig Wissen für ihren Alltag. «Das gab mir zu Beginn das Gefühl, die Kontrolle über meine Krankheit zu behalten.»

Dem Bauchgefühl vertrauen
Sarah Müller wusste, sie konnte ihrem Bauchgefühl vertrauen. Und das sagte: nicht grübeln! Ihr Gefühl hatte sie auch vor der Diagnose nicht im Stich gelassen. Damals etwa, als sie im März 2019 mit einem Ziehen in der Brust zuerst zur Gynäkologin und danach zum Hausarzt ging und beide nach dem Abtasten der Brust erklärten: Alles in Ordnung. Dies, obwohl sich für sie irgendetwas ganz verkehrt anfühlte. Oder als sie im Juli mit einem Knoten in der Brust die Stellvertreterin ihrer Gynäkologin aufsuchte und auch diese erklärte: Kein Grund zur Sorge. Sarah Müller liess nicht locker. Ein Glück. Denn als ihre Gynäkologin im September die Ultraschallbilder sah, ordnete sie sogleich eine Biopsie an. Zwei Tage später wusste Sarah Müller: Sie hatte Brustkrebs.

«Während der zweiten Chemo hatte ich das Gefühl: Jetzt verliere ich mich selber.»


Das Gefühl, sich selber zu verlieren
Nach der Operation folgte die erste Chemo. «Mir ging es ziemlich gut, so gut, dass ich im Januar 2020 sogar meine neue Arbeitsstelle antrat. Ich trank viel Wasser, schaute gut zu mir und ging regelmässig joggen», erzählt Sarah Müller. Die Tiefs kamen erst ab der zweiten Hälfte der Chemobehandlung. Diese fand wöchentlich statt. «Ich wurde dünnhäutig, ertrug kaum Menschen um mich herum und fühlte mich häufig leer, elend und erschöpft.» Wenn sie in den Spiegel sah, schaute ihr das «mondartige Gesicht einer Fremden» entgegen. «Ich hatte das Gefühl, jetzt verliere ich mich selber und bin nur noch eine menschliche Kreatur.»

Krebssportgruppe war ein Lichtblick
Sarah Müller brauchte während der Chemo «viel frische Luft und Abstand zur Krankheit». Sie ging deshalb häufig joggen und spazieren. Doch sie merkte, dass sie sich allmählich nach einer Begleitung beim Sport sehnte. Sie wusste, ihre Kräfte würden schwinden, und wollte nicht auf sich alleine gestellt sein. Gerettet hat sie eine Sportgruppe für Krebsbetroffene, die die ihr im Rahmen der Studie Caprice  am Inselspital Bern angeboten wurde. «Das war so wertvoll», sagt sie. «Ich fühlte mich während der Therapie meinem Schicksal ausgeliefert, ich musste alles auf mich zukommen lassen. Beim Radfahren, Unihockey oder Krafttraining hatte ich das Gefühl, selber etwas bewirken zu können. In diesen Momenten fühlte ich mich wohl in meinem Körper und ganz bei mir.»

«Beim Sport hatte ich das Gefühl, etwas bewirken zu können und fühlte mich wohl in meinem Körper.»


Nichts erklären, nichts beweisen
Sarah Müller trainierte in der Sportgruppe zweimal pro Woche 90 Minuten und wurde dabei von einer Physiotherapeutin begleitet. «Das Tolle war: Ich musste niemandem etwas erklären oder beweisen. Alle, ob alt oder jung, hatten Krebs. Und manchmal konnten wir sogar über unsere Krankheit lachen. Das tat gut.»

Der Sport gab Sarah Müller das Gefühl, ihrem Körper wieder vertrauen zu können. Sie merkte, sie konnte selber etwas dazu beitragen, dass die Nebenwirkungen der Therapie weniger schlimm ausfielen. Oder dass ihr Körper wieder kräftiger wurde. «Die Bewegung gab mir Mut und das Gefühl, trotz des vielen Wartens vorwärts zu kommen.»

«Die Bewegung hilft mir bis heute, immer wieder mein Gleichgewicht zu finden.»


Sich bewegen und Halt finden
Im Juni 2020 konnte Sarah Müller die Bestrahlung abschliessen. Seither erhält sie eine Antihormontherapie und geht wieder regelmässig im Wald joggen. «Daraus schöpfe ich Energie.» Die Bewegung draussen gab ihr auch Halt, als im Herbst 2020 alle Erlebnisse nochmals hochkamen und sie fürchtete, in eine Depression zu fallen. «Erst dann begann ich zu begreifen, was alles passiert war, und dachte darüber nach, was in meinem Leben wirklich zählt. Bewegung hilft mir bis heute, immer wieder mein Gleichgewicht zu finden.»

Sarah Müller - ihre 3 Regeln für sportliche Aktivitäten während der Chemotherapie
  1. Lass dich begleiten! Wenn du während der Chemotherapie Lust hast, dich weiterhin oder neu regelmässig zu bewegen, sprich dich unbedingt zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Lass dich beraten zu begleiteten Bewegungsprogrammen wie Sport-Rehabilitation (z.B. im Rahmen von Studien).
  2. Es geht um Bewegung, nicht um Leistung. Versuche zu spüren, was deinem Körper gut tut und wo seine Grenzen sind. Spaziergänge sind nicht weniger gesund, nur weil man sich langsam bewegt.
  3. Sorge für Verbindlichkeit und Regelmässigkeit – etwa mit einem Rehab-Gruppenkurs. So merkst du schon bald, wie sich die Bewegung positiv auf dein Wohlbefinden auswirkt. Ausserdem lernst du dort andere Betroffene kennen und hast die Möglichkeit, dich auszutauschen.