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KrebsligaForschung«Worte können Halt geben»
BehandlungForschung

«Worte können Halt geben»

01. Oktober 2026

Eine Krebsdiagnose verändert alles. Umso wichtiger ist der Austausch. Wie gute Kommunikation Betroffenen, Angehörigen und dem Umfeld hilft.

Bild: ZVG, istockphoto.com

Warum ist Kommunikation bei Krebs so wichtig, Dr. Christoph Becker?

Dr. Christoph Becker: Eine Krebsdiagnose verändert das Leben von einem Moment auf den anderen. Die Gespräche mit ihren Ärztinnen und Ärzten bleiben vielen Betroffenen lange in Erinnerung. Gute Kommunikation macht die Krankheit nicht ungeschehen, sie hilft aber, die Situation zu verstehen, Ängste zu lindern und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Gerade in schwierigen Momenten kann das Gefühl, ernst genommen und gut begleitet zu werden, viel bewirken. Mich fasziniert, welchen Einfluss unsere Worte und unser Zuhören auf das Erleben von Betroffenen und ihren Angehörigen haben. Deshalb erforsche ich, wie Gespräche in der Krebsmedizin noch besser gelingen.

 

Wie spricht man über Krebs – ein Thema, das für viele noch immer tabu ist?

Am wichtigsten sind Ehrlichkeit und Offenheit, immer angepasst an die Bedürfnisse der betroffenen Person. Manche möchten möglichst viel wissen, andere lieber Schritt für Schritt mehr erfahren. Deshalb lohnt es sich, nachzufragen: Was weiss die Person bereits? Was möchte sie im Moment wissen? Genauso wichtig ist es, Raum für Gefühle zu geben und Emotionen anzusprechen – sei es Angst, Trauer oder Hoffnung.

 

Was hilft bei einem Arzttermin?

Viele Patientinnen und Patienten profitieren davon, ihre Fragen vor dem Termin aufzuschreiben. Ärztinnen und Ärzte wiederum sollten Informationen verständlich und in kleinen Abschnitten erklären und immer wieder nachfragen, ob alles nachvollziehbar ist. Nach einer Diagnose bleibt oft nur ein Teil des Gesprächs in Erinnerung. Deshalb gilt: Nachfragen ist jederzeit erlaubt.

«Ich danke Ihnen von Herzen! Mit Ihrer Spende machen Sie auch meine Forschung möglich.»

Dr. Christoph Becker
Oberarzt, Abteilung für Medizinische Kommunikation / Psychosomatik, Universitätsspital Basel

Sollten Angehörige oder Nahestehende zu wichtigen Gesprächen mitkommen?

Ja, wenn die betroffene Person das wünscht. In belastenden Situationen geht vieles unter. Eine vertraute Begleitperson kann Sicherheit vermitteln, zuhören, Fragen stellen und sich an wichtige Informationen erinnern.

 

Wie spricht man mit dem Umfeld über eine Krebsdiagnose?

Jeder Mensch geht anders mit einer Krebsdiagnose um. Manche suchen sofort das Gespräch, andere brauchen zuerst Zeit für sich. Einen richtigen oder falschen Weg gibt es nicht. Offenheit kann jedoch vieles erleichtern: Wer weiss, was passiert, kann besser verstehen, unterstützen und den weiteren Weg mittragen.

 

Und wie erklärt man Kindern, dass Mami, Papi oder eine nahestehende Person Krebs hat?

Kinder merken meist schnell, dass etwas nicht stimmt. Deshalb empfehlen wir, offen und altersgerecht mit ihnen zu sprechen. Das schafft Vertrauen und hilft ihnen, die Situation einzuordnen. Wichtig ist, ehrlich zu sein, und Raum für Fragen zu lassen, aber auch für die Antwort: «Das wissen wir im Moment noch nicht.»

 

Wann ist es sinnvoll, Kinder zu Arztgesprächen mitzunehmen?

Das hängt von der Situation ab. Alter, Bedürfnisse des Kindes und Inhalt des Gesprächs sind dabei entscheidend. Ärztinnen und Ärzte sind heute zunehmend für solche Gespräche geschult, bei Bedarf unterstützen Fachpersonen, etwa aus der Psychoonkologie. Denn einfühlsame Worte können Halt geben, gerade in schwierigen Zeiten.

Interview: Danica Gröhlich

 

Gut informiert in schweren Zeiten

Eine Krebsdiagnose wirft viele Fragen auf. Dr. Christoph Becker und sein Team untersuchen in ihrem von der Krebsliga Schweiz unterstützten Forschungsprojekt, welche Informationen sich Betroffene wünschen, wie gut sie ihre Erkrankung verstehen und wie sich dieses Wissen auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Dafür werden Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige zweimal telefonisch befragt: kurz nach der Diagnose und einige Monate später. Die Erkenntnisse fliessen direkt in die Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten ein.

Weitere unterstützte Forschungsprojekte


Gut zu wissen

Gemeinsam mit der Krebsliga Schweiz führt die Abteilung für Medizinische Kommunikation am Universitätsspital Basel bereits heute Kommunikationstrainings durch. Diese sind in der Schweiz ein obligatorischer Bestandteil der Facharztausbildung in der Hämatologie und Onkologie.

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Betroffene, Angehörige, weitere Interessierte und Fachpersonen können den Dienst unter der Woche per Telefon, E-Mail, Chat oder WhatsApp von 10 Uhr bis 18 Uhr erreichen.

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