Gemäss der kürzlich publizierten Studie lebten Ende 2025 rund 495'000 Personen (5,5% der Bevölkerung) in der Schweiz, die aktuell oder in der Vergangenheit an Krebs erkrankt sind. Bei Männern ist Prostatakrebs die häufigste Diagnose (40% aller Betroffenen), bei Frauen Brustkrebs (44%). Rund die Hälfte der Betroffenen ist über 70 Jahre alt.
Fast doppelt so viele Krebsbetroffene wie noch vor 20 Jahren
Innerhalb von zwei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Menschen mit einer Krebsdiagnose damit fast verdoppelt. «Die Gründe für diese Anstiege sind vielfältig. Die Zunahme ist zum einen auf bessere Überlebenschancen durch Fortschritte bei der Früherkennung, Diagnose und Behandlung von Krebs zurückzuführen. Zum anderen wächst die Bevölkerung und wird älter, wodurch mehr Menschen an Krebs erkranken», erklärt Dr. med. Katharina Staehelin, Direktorin der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) und Mitautorin der Studie. Am stärksten gestiegen ist die Anzahl Frauen mit Lungenkrebs und die Anzahl Männer mit schwarzem Hautkrebs. Bei Darm-, Prostata- und Gebärmutterkörperkrebs zeigt sich der stärkste Anstieg bereits bei den unter 50-Jährigen.
Die grosse Mehrheit sind Langzeitüberlebende – viele kämpfen mit Spätfolgen von Krebs
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung nach Zeit seit der Diagnose: 64% der Männer und 71% der Frauen mit einer Krebsdiagnose leben bereits seit über fünf Jahren mit ihrer Erkrankung. Cancer Survivors gelten medizinisch oft als geheilt oder stabil – viele von ihnen kämpfen jedoch weiterhin mit den Folgen ihrer Erkrankung: körperliche Langzeitfolgen, psychische Belastungen, soziale Ausgrenzung und Einsamkeit oder finanzielle Einbussen gehören für einen erheblichen Teil von ihnen zum Alltag.
Aktuell Versorgung deckt steigenden Bedarf an koordinierte Nachsorge nicht
Die Krebsliga reagiert auf diesen wachsenden Bedarf bereits heute mit konkreten Angeboten. Gemeinsam mit weiteren Partnern lancierte sie beispielsweise in den Regionen Winterthur und Tessin das Pilotprojekt «myOncompass»: Krebsbetroffene beantworten in einer App einen Fragebogen zu ihrer aktuellen Belastungssituation. Auf Wunsch begleitet sie anschliessend eine erfahrene Fachperson, die gemeinsam mit ihnen die nächsten Schritte festlegt und passende Angebote vermittelt – kostenlos und unabhängig davon, ob die Belastung körperlicher, psychischer, sozialer oder finanzieller Natur ist. Gleichzeitig hilft die App dabei, die Übersicht zu behalten.
«Dieses Pilotprojekt zeigt, was koordinierte Nachsorge leisten kann. Aber es reicht angesichts der Grössenordnung der Betroffenenzahlen bei Weitem nicht aus», sagt Mirjam Lämmle, CEO der Krebsliga Schweiz. Auch die Autor:innen der Studie betonen: «Mit der steigenden Zahl von Langzeit-Krebsüberlebenden wächst auch der Bedarf an langfristiger medizinischer Betreuung, Nachsorge, Rehabilitation und psychosozialer Unterstützung».
Forderungen für eine koordinierte, flächendeckende und datenbasierte Versorgung
Die Krebsliga Schweiz ermutigt deshalb Politik, Behörden und Gesundheitswesen, die Ergebnisse als Handlungsauftrag zu verstehen. Sie fordert als Reaktion auf diese Studie folgendes:
- Umsetzung konkreter Massnahmen aus dem Nationalen Krebsplan: Im neuen Nationalen Krebsplan setzt sich die Krebsliga federführend für eine koordinierte Versorgung von Cancer Survivors ein. Dazu gehören schweizweit koordinierte, qualitätsgesicherte Screenings, mit denen Betroffene mit erhöhtem Unterstützungsbedarf auch Jahre nach Therapieabschluss frühzeitig identifiziert werden können. Ein individueller Survivorship Care Plan stellt anschliessend sicher, dass sie die passende Unterstützung erhalten.
- Flächendeckender Zugang zu Angeboten für Cancer Survivors: Programme wie myOncompass zur psychosozialen Betreuung, Onco-Rehabilitation und Langzeitnachsorge dürfen nicht Einzelinitiativen weniger Organisationen, Spitäler und Kantone bleiben, sondern müssen für Betroffene in der Schweiz gleichermassen zugänglich sein.
- Regelmässige Prävalenzschätzungen als Planungsgrundlage: Regelmässige, aktuelle Schätzungen der Krebsprävalenz sollten systematisch für die Versorgungsplanung genutzt werden, damit Entwicklungen frühzeitig erkannt und Angebote gezielt ausgebaut werden können.
Weitere Informationen
- Zur Studie
- Zahlen zu Krebs in der Schweiz
- Angebote für Cancer Survivors:


