Was sich weltweit abzeichnet, zeigt sich auch in der Schweiz: Immer mehr Menschen unter 50 Jahren erkranken an Darmkrebs. Auch bei Brustkrebs steigt die Anzahl der Frauen, die vor 50 eine Diagnose erhalten. Trotz intensiver Forschung ist die genaue Ursache dieses Anstiegs noch nicht geklärt. In absoluten Zahlen bleiben die Fälle bei den unter 50-Jährigen in der Schweiz jedoch tief. Aber in der Öffentlichkeit wird die Frage lauter: Sollte die Früherkennung bereits vor dem 50. Lebensjahr beginnen?
Nutzen und Grenzen der Früherkennung
Ein früherer Start der Früherkennungsprogramme klingt zunächst logisch: Wer eine Krankheit früher entdeckt, kann sie besser behandeln. Mehrere Fachgesellschaften fordern genau das. Für Brustkrebs schlagen Fachärztinnen ein Screening ab 45 Jahren vor. Doch ob der Nutzen einer tieferen Altersgrenze die Nachteile tatsächlich überwiegt, ist für die Allgemeinbevölkerung bisher ungenügend erforscht. Denn jede Untersuchung bringt abgesehen von den Kosten auch mögliche Nachteile mit sich, zum Beispiel unnötige Folgeuntersuchungen oder die psychische Belastung durch einen unklaren Befund. Deshalb empfehlen auch die meisten europäischen Länder weiterhin einen Beginn ab 50 Jahren.
Auch die Krebsliga fokussiert sich darauf, dass alle Menschen zwischen 50 und 74 Jahren Zugang zu qualitätsgesicherten und franchisebefreiten Früherkennungsprogrammen haben.
Denn in dieser Altersgruppe ist die Evidenz für den Nutzen solcher Programme bei Brust- und Darmkrebs am grössten. Aktuell ist dies für Brustkrebs erst in 18 Kantonen und bei Darmkrebs in 15 Kantonen der Fall.
Entscheidend bleiben Risiko und Symptome
Früherkennungsprogramme richten sich an gesunde Menschen ohne Symptome. Anders sieht es bei Menschen mit erhöhtem Risiko aus: Wer in der Familie beispielsweise viele Darm- oder Brustkrebsfälle hat, sollte die Früherkennung individuell mit der Ärztin oder dem Arzt planen. Häufig beginnen die Abklärungen früher und erfolgen mit anderen Untersuchungsmethoden.
Zudem müssen Warnsymptome ernster genommen werden. Blut im Stuhl, anhaltende Bauchschmerzen, ein tastbarer Knoten in der Brust oder ungewöhnliche Veränderungen werden bei jüngeren Menschen oft zu lange als harmlos abgetan – mit der Folge, dass sich die Diagnose verzögert und der Krebs erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Wer Beschwerden bemerkt, sollte damit (unabhängig vom Alter) zur Ärztin oder zum Arzt gehen.
Die Krebsliga verfolgt die Forschung zum Screeningalter und unterstützt entsprechende Projekte.Sobald die Evidenz deutlicher ist, wird sie sich für eine Altersanpassungen einsetzen. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist die Anhebung der Altersgrenze von 69 auf 74 Jahre bei der Darmkrebsvorsorge: Vergangenes Jahr reichte die Krebsliga mit anderen Organisationen einen Antrag bei den zuständigen Behörden ein. Seither ist die Untersuchung bis zum 75. Altersjahr von der Grundversicherung gedeckt und im Rahmen von Programmen franchisebefreit.



