Nie hätte ich damit gerechnet, dass Krebs ausgerechnet mich trifft. Und erst recht nicht damit, was danach noch alles auf mich zukommen würde: ein chirurgischer Eingriff im oberen Lungenteil nach einem Lungenkollaps, zwei gebrochene Rippen nach einer Lungenentzündung mit starkem Husten und weitere gesundheitliche Probleme. Aber ich bin noch da und ziehe meine Kinder gross. Das ist das Wichtigste.
Mein erster Reflex nach der Diagnose war: Jetzt musst du kämpfen. Der psychische Zusammenbruch kam später. Ich glaube, man muss den Schmerz zulassen und nicht verdrängen, damit es wieder besser werden kann. Meine Tochter sagte mir immer wieder: «Die Mama ist stark.» Das Buch «L’anno del girasole pallido» («Das Jahr der blassen Sonnenblume») hat unserer Familie geholfen, über Krebs zu sprechen. Und den Kindern hat es etwas die Angst genommen, auch wenn sie noch zu klein waren, um wirklich alles zu verstehen.
Seit der Diagnose ist die Sicherheit weg. Ich habe gelernt, dass innert einer Sekunde alles anders sein kann. Dank meiner Kinder habe ich viel Kraft entwickelt, sie sind mein grösster Antrieb. Was auch hilft: Trotz meiner gesundheitlichen Probleme bin ich ein fröhlicher Mensch.
Die Krankheit hat aber auch Spuren in meiner Familie hinterlassen. Der Papa meiner Kinder sah sich nicht mehr in der Lage, mich durch all meine Höhen und Tiefen zu begleiten. Umso wichtiger war mein Umfeld. Umarmungen und viele Anrufe zeigten mir, dass ich nicht allein bin. Eine grosse Hilfe war zudem die Sozialberaterin der Krebsliga: Micaela ist mein Engel. Sie stand und steht mir emotional und bei administrativen Fragen zur Seite.
Oft denke ich an die anderen zwei Krebsmamas, die im Kampagnenfilm der Krebsliga mitwirken. Auch wenn wir unterschiedliche Geschichten mit Brustkrebs haben, sind wir doch irgendwie verbunden. Ich wünsche Nadja und Céline und ihren Familien das Beste!
Aufgezeichnet von Pia Schüpbach



