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BrustkrebsLeben und KrebsMeine Geschichte

Nadja: «Ach, Detlef!»

05. Oktober 2026

Nadja (46) wohnt mit ihrer Familie dort, wo andere wandern. Auf dem Bergbauernhof ist viel los. Die vier Kinder vergnügen sich mit Ziegen, Hunden, Katzen und Hamstern. Doch seit fünf Jahren mischt auch «Detlef» mit: Nadjas Brustkrebs, der den Alltag mitprägt.

Die drei Zwergziegen halten Anna (li.), Leano und Nadja auf Trab.

Zwei Tage nach unserem Fotoshooting kommt das SMS: «Ha kei Metas.» Keine Metastasen. Heute Jubel, beim Fotoshooting für die Kampagne der Krebsliga Trubel. Und dazwischen Angst: Eine Bildgebung im Spital soll zeigen, ob sich Nadjas Krebs ruhig hält. «Kei Metas» – alles gut. 

Das Auf und Ab begleitet die vierfache Mutter seit fünf Jahren. Viel Leben, viel Lachen, viel Familienalltag. Doch Krebs funkt immer mal wieder dazwischen. Oder «Detlef», wie Nadjas Familie ihn nennt. «Wir wollten einen Namen, der in unseren Ohren etwas doof klingt und uns zum Lachen bringt. Natürlich haben wir auch darauf geachtet, dass wir niemanden kennen, der so heisst.»
 

«Ich habe mir mein Mamisein anders vorgestellt.»


Bei unserem Besuch steht Nadja der Gang ins Spital noch bevor. «Darum bin ich heute nicht nur wegen des Fototermins nervös», sagt sie.

Ein bisschen schief, etwas verwittert und voller Charme: Das Schindelhaus auf dem St. Margrethenberg SG wirkt einladend. Vor den Fenstern recken sich Blumen in allen Farben und Formen, hinter einer Scheibe drückt sich eine Kindernase platt. Neben der Haustür eine türkise Bank. Nadjas Bank. «Wenn ich erschöpft bin, setze ich mich hier hin.» Detlef ist es, der Nadja zu mehr Pausen zwingt als sie machen möchte.

Nadja mit den Malteserhunden Jimmy und Moana.

Dabei wirkt Nadja nicht wie eine Frau, die viele Pausen braucht. Sie lacht lauthals, ihre Bewegungen sind energisch, der Schritt zackig. Mit vier Kindern zwischen 6 und 15 Jahren ist immer etwas los: Alessia, Adriana, Leano und Anna sorgen für Action. Dazu kommen drei Zwergziegen, vier Hunde, fünf Haus- und noch mehr Stallkatzen, vier Goldhamster und die Vertragsrinder, die bei der Familie im Stall leben, wenn sie im Sommer nicht gerade auf der Alp sind. Während Nadja erzählt, wuselt Malteser Jimmy zwischen unseren Beinen durch. «Ach Jimmely», sagt sie lachend und hebt die kleinere Hündin Moana auf ihren Schoss. 

 

So engagiert wie möglich

Als wäre der Alltag auf dem Hof nicht genug, engagiert sich Nadja gerne beim Verein Ferienspass Sarganserland oder bei Festen in der Region. «Mir ist wichtig, den Kindern vorzuleben, dass man auch mal unentgeltlich hilft. Ohne ehrenamtliche Hilfe gäbe es viele Anlässe nicht.» Oft nimmt sie die älteste Tochter Alessia mit. Und sie spricht während der Helfereinsätze offen über die Folgen ihrer Erkrankung und fordert Pausen ein. «Meine Fatigue macht mich manchmal wütend. Ich hatte vor der Diagnose so viele Hummeln im Füdli. Jetzt sind sie nicht mehr da und ich vermisse sie sehr.»

Hinter dem Haus das Paradies. Der Blick fällt auf den Falknis und das Glegghorn. Auf der einen Schaukel fläzt Leano, auf der andern schwingt sich Adriana in die Höhe. Anna winkt aus dem Fenster des farbigen Hexenhäuschens und Alessia schneidet Zopf. Ein paar Meter entfernt weiden Luna, Willi und Maja, die Zwergziegen. 

Einladendes Zuhause: Nadja lebt mit ihrer Familie auf dem St. Margrethenberg SG.

Kürzere Zündschnur

Wegen Detlef schluckt Nadja viele Medikamente, ist in den Wechseljahren und muss regelmässig zu Kontrolluntersuchen. Da bibbern vor allem ihr Mann Christian und die älteste Tochter mit, denn Nadja ist Hochrisikopatientin: Ihr Krebs ist sehr aggressiv und schnellwachsend. «Als ich die Diagnose erhielt, hatte ich Angst, an Brustkrebs zu sterben. Jetzt habe ich Angst, dass der Krebs wieder zurückkommt.» Umso grösser ist jeweils die Erleichterung nach einer guten Nachricht aus dem Spital. Gleichzeitig hofft Nadja auf die Forschung und nimmt an einer Studie für ein neues Medikament teil. Ihr Tattoo auf dem Arm sagt es schwarz auf Haut: «No time to die!»

«Ich hatte vor der Diagnose so viele Hummeln im Füdli. Jetzt sind sie nicht mehr da und ich vermisse sie sehr.»

Die jüngeren Kinder machen sich weniger Sorgen. Für sie ist vor allem wichtig zu wissen, dass «die Mama nach den Kontrollen wieder nach Hause kommt». Dennoch bleibt Detlef auch für sie präsent. Sie haben erlebt, wie ihrer Mama während der Chemotherapie die Haare ausfielen, und kriegen mit, dass sie fast täglich ein Nachmittagsschläfchen braucht. Die zehnjährige Adriana sagt: «Detlef ist scheisse!» Das findet auch Nadja. «Er stiehlt mir wertvolle Zeit mit meinen Kindern. Ich habe mir mein Mamisein anders vorgestellt. Zudem ist meine Zündschnur kürzer als früher, das macht mich traurig.» 

 

Das Malen als Kraftquelle

Drinnen auf dem Küchentisch stapeln sich Kleider. Immer wieder entschuldigt sich Nadja für den Wäscheberg. «Ich habe nicht mehr alles erledigen können.» Alle zwei Wochen erhält sie Hilfe von einer Spitex im Haushalt. Nadja steigt in den oberen Stock und kommt mit Kisten zurück, es sind so viele, dass sie diese gerade noch tragen kann. In jeder lagern liebevoll gezeichnete Postkarten, viele mit Vogel- oder Schmetterlingsmotiv. Eine ihrer Kraftquellen ist das Malen. Farbkleckse und Farbspuren zieren das Tischblatt aus Holz. «Man darf ruhig sehen, dass Kreativsein meine Passion ist», sagt sie dazu. Nadja besucht in Sargans eine Kunsttherapie und malt, wann immer die Energie da ist. Für ihren eigenen Shop «Nadjas Bergstatt» entwirft sie Karten. Sie sucht ein paar heraus und schenkt der Fotocrew ein Set. 

Die Chemotherapie kostete Kraft und die Haare.

Vor der Zeit auf dem St. Margrethenberg hat Nadja in St. Gallen in einem Büro gearbeitet. Wegen ihres Mannes Christian zog es sie aufs Land. Manchmal vermisst sie das Stadtleben. Das vergeht aber schnell wieder, wenn sie sich «im Paradiesli» umsieht und ein paar Tiere um ihre Beine streichen.

 

Gemeinsam durch schwere Zeiten

Christian arbeitet 90 Prozent auswärts in einem Treuhandbüro und kümmert sich um die Tiere auf dem Hof. Während Nadjas Akuttherapie kam er an seine Grenzen. Die Angst um seine Frau und die zusätzlichen Aufgaben verlangten ihm viel ab. «Wenn uns Detlef etwas gelehrt hat, dann das: Möglichst das tun, was man liebt, und nichts aufschieben», sagt er. Heute schätzen Nadja und Christian gemeinsame Momente noch mehr.

Die Fotocrew packt ihre Sachen zusammen. Auf dem von Nadja gebauten Möbel beim Eingang liegt Lila, die Katze, die so alt ist, dass niemand ihr genaues Alter weiss. Von Lila zu Türkis sind es nur wenige Schritte: Das Bänkli ruft. Nadja, setzt sich darauf, schliesst die Augen und lehnt ihren Kopf an die Hausmauer. Schluss mit Trubel für heute – das letzte Foto ist im Kasten.

Wie beziehe ich die Kinder mit ein?

Erkrankt ein Elternteil an Krebs, bleibt oft weniger Zeit und Kraft für die Familie. Die Broschüre «Wenn Eltern an Krebs erkranken» unterstützt betroffene Eltern und andere Bezugspersonen im Umgang mit der veränderten Lebenssituation. Sie bietet Bewältigungsstrategien sowie Tipps für Gespräche mit Kindern. Die Broschüre zeigt auf, was in Ihrem Kind vorgeht, was es braucht und wie Sie es unterstützen können.

Wie mit Kindern über Krebs reden

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