Bei Blasenkrebs bekommen Sie meistens mehrere Therapien miteinander oder nacheinander. Die häufigsten sind: Instillationen, Operation, Medikamente und Strahlentherapie. Erfahren Sie mehr zum Ablauf dieser Therapien und was die Nebenwirkungen sind.
Ist der Blasenkrebs nicht-muskelinvasiv, bekommen Sie als Behandlung meistens Instillationen oder eine Operation über die Harnröhre. Wächst der Tumor weiter oder ist er muskel-invasiv, wird Ihnen meistens die Blase bestrahlt oder in einer Operation entfernt. Zusätzlich bekommen Sie Krebsmedikamente.
Was ist eine Instillation?
Eine Instillation ist eine Blasenspülung mit Medikamenten. Dabei spült Ihnen die Urologin oder der Urologe flüssige Medikamente über einen Katheter direkt in die Blase. Dann entfernt sie oder er den Katheter wieder.
Während 1 bis 2 Stunden dürfen Sie die Blase nicht entleeren, damit die Medikamente wirken. Danach gehen Sie auf die Toilette. Vielleicht müssen Sie den Urin in einem Behälter sammeln, damit ihn Fachleute im Labor untersuchen können.
Manchmal sind weitere Instillationen über mehrere Wochen nötig. Das kann sein, wenn Sie ein höheres Rückfallrisiko haben.
Zytostatika gehören zur Chemotherapie. Sie schädigen Zellen oder hemmen das Wachstum. Die erste Instillation erhalten Sie meistens gleich nach der TUR-B.
Danach kann die Blase gereizt oder entzündet sein. Vielleicht haben Sie vorübergehend etwas Blut im Urin. Für mindestens zwei Wochen müssen Sie beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzen.
Diese Therapie ist eine Immuntherapie. Der Impfstoff BCG enthält abgeschwächte Tuberkel-Bazillen. Tuberkel-Bazillen sind stäbchenförmige Bakterien. Sie führen zu einer Entzündung in der Blase. Ist die Blase entzündet, reagiert das Immunsystem: Es erkennt die Krebszellen und zerstört sie.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
eine gereizte Blase,
Fieber,
fieberähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Müdigkeit oder Gliederschmerzen.
Für mindestens eine Woche müssen Sie beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzen.
Operation über die Harnröhre (TUR-B)
TUR-B ist die Abkürzung für transurethrale Resektion von Blasengewebe. Bei der TUR-B operiert die Urologin oder der Urologe über die Harnröhre.
Sie bekommen eine Narkose. Dann führt die Urologin oder der Urologe das Instrument mit Videokamera und Lichtquelle in die Blase ein. Mit einer Elektroschlinge entfernt die Fachperson den Tumor. Am Bildschirm überwacht sie die Operation.
Manchmal spült die Urologin oder der Urologe Ihre Blase anschliessend mit einer Chemotherapie-Lösung. Die Flüssigkeit zerstört zurückgebliebene Krebszellen.
Nach dem Eingriff bekommen Sie für 2 bis 3 Tage einen Blasenkatheter. Das ist ein Schlauch in der Blase, der Ihren Urin ableitet. So heilt die Wunde besser.
Das ist die sogenannte Nachresektion. Dann wiederholt die Urologin oder der Urologe die TUR-B nach einigen Wochen. Die Fachperson entfernt ein zweites Mal Gewebe an der gleichen Stelle. Damit stellt sie sicher, dass der ganze Tumor entfernt wurde.
Lassen sich Krebszellen nachweisen, wiederholt die Urologin oder der Urologe die Nachresektion. Ist der Krebs in die Blasenmuskulatur eingewachsen? Dann sind weitere Massnahmen nötig.
Manchmal blutet es während der Operation. Dann dauert die Operation länger. Ganz selten verletzt die Urologin oder der Urologe die Blasenwand oder Gewebe in der Nähe. Solche Verletzungen heilen in der Regel von selbst. Wenn nicht, ist eine weitere Operation nötig.
Manchmal verursachen die Nachblutungen ein Blutgerinnsel. Dieses Gerinnsel kann den Blasenkatheter verstopfen. Dann muss die Blase gespült oder das Gerinnsel operiert werden.
Wann muss die Blase entfernt werden?
Betroffenen wird die Blase entfernt, wenn der Tumor muskelinvasiv wächst. In der Fachsprache heisst diese Operation Zystektomie.
Bei einer Zystektomie entfernt die Urologin oder der Urologe die ganze Blase. Zusätzlich entfernt sie oder er die Lymphknoten im Becken.
Manchmal muss die Urologin oder der Urologe weitere Organe entfernen. Das hängt davon ab, wie gross der Tumor ist und ob er sich ausgebreitet hat.
Eine Zystektomie ist eine grosse Operation und dauert mehrere Stunden. Sie bekommen dafür eine Vollnarkose und müssen 2 bis 3 Wochen im Spital bleiben. Danach dauert es einige Wochen, bis Sie sich körperlich wieder fit fühlen.
Bei Männern: Die Urologin oder der Urologe entfernt meistens die Prostata mit den Samenbläschen. Vielleicht entfernt sie oder er zusätzlich die Harnröhre oder Teile davon.
Bei Frauen: Die Urologin oder der der Urologe entfernt neben der Blase meistens die Gebärmutter. Vielleicht entfernt sie oder er zusätzlich die Harnröhre oder den vorderen Teil der Vagina. Manchmal auch die Eierstöcke und die Eileiter.
Wurden Ihnen Lymphknoten entfernt oder Lymphbahnen durchtrennt? Dann kann die Lymphflüssigkeit vorübergehend nicht mehr so gut abfliessen. Ist sie stark gestaut, bekommen Sie Schwellungen. Das sind die sogenannten Lymphödeme. Nach einer Operation bei Blasenkrebs passiert das häufig in den Beinen.
Bei einer Strahlentherapie oder Radiotherapie wird der Tumor mit energiereichen Strahlen behandelt. Das schädigt Krebszellen, sodass diese absterben.
Die Strahlentherapie kann eine Alternative sein zur Entfernung der Blase. Die Strahlen stillen zudem Blutungen und lindern Schmerzen.
Eine Maschine namens Linearbeschleuniger schickt die Strahlen von aussen durch Ihre Haut. Dafür gehen Sie in ein Spital oder eine Praxis für Strahlentherapie.
Fachleute machen eine Computer-Tomografie von der Region, die bestrahlt werden soll. Das kann ein Tumor, ein Lymphknoten oder eine Metastase sein. Diese Untersuchung dauert etwa 30 Minuten. Vielleicht markieren sie das Bestrahlungsfeld. Danach können Sie wieder nach Hause gehen.
In den nächsten Tagen erstellen Fachleute einen Bestrahlungsplan am Computer und programmieren die Maschine.
Eine Strahlentherapie dauert meist mehrere Wochen. Sie bekommen die gesamte Strahlenmenge nicht auf einmal, sondern verteilt auf mehrere Sitzungen. Die Sitzungen sind meistens von Montag bis Freitag. Eine einzelne Sitzung dauert nur wenige Minuten und ist nicht schmerzhaft. Nach jeder Sitzung dürfen Sie wieder nach Hause.
Die Nebenwirkungen hängen davon ab, welche Körperstelle bestrahlt wird und welche Strahlenmenge Sie bekommen.
Folgende Nebenwirkungen sind häufig bei einer Strahlentherapie der Blase oder des Beckens:
Die Blase ist gereizt oder entzündet.
Sie haben Beschwerden beim Wasserlösen.
Der Darm ist gereizt. Vielleicht haben Sie Durchfall.
Die Haut oder Schleimhaut im bestrahlten Bereich ist trocken oder gerötet.
Bei muskelinvasivem Blasenkrebs kombiniert die Urologin oder der Urologe die Strahlentherapie meistens mit einer Chemotherapie. Diese Therapie heisst Radiochemotherapie.
Zuerst erhalten Sie Chemotherapie-Medikamente, welche die Krebszellen empfindlicher für Strahlen machen. Dann bekommen Sie eine Strahlentherapie.
Die Wirkung einer Radiochemotherapie ist besser als die Wirkung einer alleinigen Chemo- oder Strahlentherapie. Dafür sind auch die Nebenwirkungen stärker.
Bei gewissen Formen von muskelinvasivem Blasenkrebs kann die Radiochemotherapie so wirksam sein wie eine Operation.
Der Vorteil einer Radiochemotherapie ist, dass Sie Ihre Blase behalten können. Dafür muss die Blase vor Beginn der Therapie jedoch gut funktionieren. Und die Zellen des Tumors müssen bestimmte Eigenschaften aufweisen.
Manchmal sind nach der Therapie noch Krebszellen in der Blase. Dann müssen Sie vielleicht trotzdem operiert werden.
Chemotherapie bei Blasenkrebs
Eine Chemotherapie wird abgekürzt als Chemo bezeichnet. Die Medikamente verhindern, dass Krebszellen sich teilen und vermehren. Dadurch werden sie zerstört. Die Chemotherapie schädigt auch gesunde, sich schnell teilende Zellen. Deshalb bekommen Sie Nebenwirkungen.
Bei muskelinvasivem Blasenkrebs bekommen Sie die Chemotherapie meistens vor der Operation oder Strahlentherapie. Manchmal auch in Kombination mit einer Immuntherapie. Oder Sie bekommen die Chemo in Kombination mit einer Strahlentherapie anstelle einer Operation.
Sie bekommen die Medikamente über eine Infusion in die Vene. Diese Infusion erhalten Sie meistens ambulant. Dabei bleiben Sie einige Stunden im Spital oder in der Praxis und gehen danach wieder nach Hause.
Die Chemotherapie dauert vor der Operation 9 bis 12 Wochhen. Ist der Krebs fortgeschritten, kann sie auch länger dauern. Sie besteht aus Zyklen. Ein Zyklus hat eine bestimmte Behandlungsdauer mit anschliessender Pause. In den Pausen können Sie sich erholen.
Häufige Nebenwirkungen sind:
Sie fühlen sich müde.
Vielleicht haben Sie Durchfall. Oder Ihnen ist übel und Sie müssen erbrechen.
Sie bekommen schneller eine Infektion als früher.
Die Schleimhäute sind trocken oder entzündet, beispielsweise im Mund.
Die Haare fallen aus.
Ihre Hände und Füsse kribbeln, sind taub oder schmerzen. Das ist die periphere Neuropathie.
Viele dieser Nebenwirkungen sind vorübergehend. Medikamente können sie lindern. Einige Nebenwirkungen dauern länger an oder bleiben bestehen. Haben Sie Fragen zu Nebenwirkungen? Wenden Sie sich an Ihr Behandlungsteam.
Ein gesundes Immunsystem erkennt Viren, Bakterien, Pilze oder Krebszellen und zerstört sie. Wenn eine Krebszelle einer gesunden Zelle ähnelt, erkennt das Immunsystem sie nicht immer.
Bei einer Immuntherapie helfen Medikamente dem Immunsystem, die Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Sie bekommen die Medikamente alle 2 bis 3 Wochen als Infusion.
Vielleicht bekommen Sie die Immuntherapie bereits vor der Operation, und zwar zusammen mit Chemotherapie-Medikamenten. Nach der Operation bekommen Sie vielleicht nur noch die Immuntherapie.
Ist der Blasenkrebs fortgeschritten, bekommen Sie die Immuntherapie meistens in Kombination mit einer Chemotherapie.
Eine Immuntherapie ist meistens gut verträglich. Einige Betroffene haben Entzündungen im Körper. Davon können alle Organe oder Gewebe betroffen sein.
Komplementärmedizin bedeutet ergänzende Behandlung. Sie verbessert Ihr Wohlbefinden und kann Nebenwirkungen erträglicher machen. Auf den Krebs hat sie aber keinen Einfluss.
Palliative Care meint die umfassende Betreuung von Menschen mit Krebs, der fortschreitet oder nicht heilbar ist.
Das Behandlungsteam versucht, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und lindert Ihre Beschwerden. Damit Sie so lange wie möglich eine gute Lebensqualität haben.
Palliative Care gibt es in verschiedenen Formen. Vielleicht können Sie zu Hause betreut werden, zum Beispiel durch einen mobilen Palliativdienst oder durch eine Onko-Spitex. Es gibt spezielle Palliativ-Abteilungen in Spitälern. Palliative Care gibt es im Hospiz oder im Pflegeheim.
Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung bei Blasenkrebs
Füllen Sie diese Dokumente rechtzeitig aus. Sie müssen beim Schreiben urteilsfähig sein. Damit sorgen Sie vor, wenn Sie einmal nicht mehr urteilsfähig sind. Sie können in folgenden Bereichen vorsorgen:
Gesundheit und Betreuung
Finanzen
Manchmal sind Menschen nicht mehr in der Lage, persönliche oder rechtlichen Dinge sowie die Finanzen zu regeln. Für diesen Fall bestimmen sie eine oder mehrere Vertretungspersonen. Diese Person übernimmt alle oder nur einzelne Angelegenheiten. Sie darf mit Ihrer Erlaubnis zum Beispiel Ihre Post öffnen. Oder sie darf Geld von Ihrem Bankkonto holen und damit Ihre Rechnungen bezahlen. Oder sie darf Verträge für Sie unterzeichnen.
Einen Vorsorgeauftrag müssen Sie handschriftlich verfassen. Ist dies nicht möglich, muss eine Urkundsperson das getippte Dokument beglaubigen.
Vielleicht sind Sie nicht mehr urteilsfähig oder können Ihre Wünsche nicht mehr mitteilen. Mit der Patientenverfügung darf das Behandlungsteam und ihre Familie medizinische Entscheidungen in Ihrem Sinne treffen.
Betroffene, Angehörige, weitere Interessierte und Fachpersonen können den Dienst unter der Woche per Telefon, E-Mail, Chat oder WhatsApp von 10 Uhr bis 18 Uhr erreichen.