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KrebsligaAgendaWebinar: Prostatakrebs

Webinar: Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann. Unser Fachexperte PD Dr. med. Aurelius Omlin und Betroffene beantworten Ihre Fragen, im kostenlosen Webinar von KrebsInfo.

27.11.2025
17:00 Uhr
Online
Kategorie: Webinar
Zielgruppe: Öffentlichkeit

Aufzeichnung

Ausgewählte Fragen und Antworten aus dem Webinar Prostatakrebs

Fragen an Dr. med. Aurelius Omlin, spezialisiert für urogenitale Onkologie am Onkozentrum Zürich, und Kay, welcher sich freiwillig für Betroffene auf der Peer-Plattform der Krebsliga engagiert.

Frage: Ich habe Prostatakrebs mit Metastasen in der Wirbelsäule. Nach der Prostata-Operation im September 2024 bleibt mein PSA-Wert bei 4. Die letzte Kontrolle war im Oktober 2025. Ich hatte keine Nachbehandlung. Mein Arzt sagt, so ein Fall sei selten. Woran kann es liegen, dass der PSA-Wert nach der Entfernung der Prostata trotzdem erhöht bleibt? Die Nachuntersuchungen mit MRI und PET-Scan zeigen keine Tumoraktivität.

Dr. Omlin: Normalerweise sollte der PSA-Wert nach der Entfernung der Prostata sehr tief bei etwa bei 0,01 oder 0,02 liegen. PSA wird von ganz normalen Prostatadrüsenzellen gebildet und ist deshalb bei jedem gesunden Mann im Blut in kleiner Menge nachweisbar, nicht nur bei Krebszellen. Wenn der PSA-Wert nach der Operation erhöht bleibt, vermuten wir, dass irgendwo noch Krebszellen vorhanden sind. Dafür wird das sogenannte PSMA-PET-CT eingesetzt – ein sehr empfindliches Verfahren, das speziell für Prostatakrebs verwendet wird. Es kann Tumorherde schon bei einem PSA-Wert ab etwa 0,2 sichtbar machen, also deutlich früher als frühere Methoden wie Knochenszintigrafie oder MRI. In Ihrem Fall sieht man aber nichts im PSMA-PET, obwohl der PSA-Wert bei 4 liegt. Das ist ungewöhnlich und schwierig zu erklären. Wichtig ist, dass man den Wert weiterhin genau beobachtet. Wenn sich der PSA-Wert verdoppeln sollte – also etwa auf 7 oder 8 steigt –, würde man die Bildgebung wiederholen.
Es gibt auch noch andere, selten genutzte Verfahren, zum Beispiel das Cholin-PET. Eine aktive Behandlung würde man aber meist erst beginnen, wenn der PSA-Wert deutlich steigt oder schnell zunimmt – und das trotz negativer Bildgebung.

Frage: Bei mir wurde im Alter von 60 Jahren im April 2021 Prostatakrebs mit einem Gleason-Score von 9 festgestellt. Im August 2021 hatte ich eine Operation mit dem DaVinci-Roboter, die Prostata wurde vollständig entfernt. Im November 2021 zeigte ein PSMA-PET Metastasen in den Lymphknoten. Danach erhielt ich von Dezember 2021 bis Februar 2022 eine Hormontherapie und Bestrahlung. Die Hormontherapie wurde Ende 2022 beendet. In den Jahren 2023 und 2024 waren die PSA-Kontrollen unauffällig.
Anfang 2025 zeigte die Routinekontrolle wieder einen stark erhöhten PSA-Wert, und es wurden erneut Lymphknotenmetastasen gefunden. Im September 2025 erhielt ich wieder eine Bestrahlung und zusätzliche Hormontherapie. Ich fühle mich derzeit gut.
Wird dieser Trend anhalten, oder können sich die Zeiten ohne Behandlung künftig verlängern?

 

Dr. Omlin: Der Tumor war von Anfang an sehr aggressiv – das zeigt der Gleason-Score von 9. Diese Skala reicht von 6 (wenig aggressiv) bis 10 (sehr aggressiv). Das erklärt, warum der Krebs trotz Operation wieder aufgetreten ist.

Die Hormontherapie nach der ersten Behandlung war relativ kurz Jetzt, beim zweiten Rückfall mit Lymphknotenbefall, könnte man die Hormontherapie stärker und über einen längeren Zeitraum einsetzen. Eine englische Studie zeigt Vorteile, wenn die Hormontherapie 24 bis 36 Monate – also zwei bis drei Jahre – fortgeführt wird, kombiniert mit einer modernen zusätzlichen Hormontherapie wie Abirateron® und einer Bestrahlung.

Das wäre in dieser Situation eine mögliche Strategie, die man besprechen sollte. Sie bringt aber auch mehr Nebenwirkungen mit sich, da das Testosteron über längere Zeit unterdrückt wird und es danach eine Weile dauert, bis es sich wieder erholt. Manche Männer entscheiden sich trotzdem bewusst dafür, um für eine längere Zeit Ruhe zu haben und nicht alle paar Monate wieder eine neue Entscheidung treffen zu müssen. Es bleibt letztlich eine individuelle Entscheidung.

Dr. Omlin: Prostatakrebs kann eine genetische Komponente haben. Das bedeutet, es gibt bestimmte Erbfaktoren, die das Risiko erhöhen können, an Prostatakrebs zu erkranken. Wenn der Vater, Bruder oder andere nahe männliche Verwandte an Prostatakrebs erkrankt sind, kann das Risiko in der Familie erhöht sein. Trotzdem ist nicht jeder Fall von Prostatakrebs erblich bedingt – auch Umweltfaktoren und der Lebensstil spielen eine Rolle. Andere Krebserkrankungen in der Familie, wie Brust-, Eierstock- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, können ebenfalls auf ein erhöhtes Risiko hinweisen.

Zur zweiten Frage: Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten für genetische Tests.
Die erste Möglichkeit besteht darin, das Krebsgewebe selbst zu untersuchen, wenn bereits eine Krebserkrankung vorliegt. Damit will man die Biologie des Tumors auf genetischer Ebene besser verstehen – also welche Veränderungen in den Krebszellen vorkommen. Das kann helfen, gezieltere Therapien auszuwählen, weil es innerhalb derselben Gleason-Scores sehr unterschiedliche Krebsarten geben kann.

Die zweite Möglichkeit ist ein genetischer Test auf erbliche Veränderungen, also Veränderungen, die man von den Eltern geerbt haben könnte. Dafür braucht es eine spezielle genetische Beratung. Solche Tests werden im Blut durchgeführt, um zu sehen, ob es vererbbare Veränderungen gibt. Es braucht vor der Testung eine Kostengutsprache durch die Krankenkasse.

Beide Testarten liefern unterschiedliche, aber ergänzende Informationen. In der Behandlung von Brust- und Eierstockkrebs sind solche genetischen Untersuchungen schon seit vielen Jahren etabliert; in der Prostatakrebsbehandlung gewinnt dieses Thema jetzt ebenfalls zunehmend an Bedeutung.

Dr. Omlin: Bei Prostatakrebs in der Familie sollte die Vorsorge ab dem 45 Lebensjahr durchgeführt werden, ohne familiäre Belastung mit 50. Es gibt heute keine guten Argumente mehr gegen eine PSA-Vorsorge, es sei denn, es liegen schwere Nebenerkrankungen vor, die eine Prostatakrebsbehandlung, sollte ein solcher gefunden werden unmöglich machen. Der Vorteil mit regelmässigen PSA-Messungen (eine Serie von Werten ist immer hilfreich) ist, dass ein Prostatakrebs früh erkannt werden kann, der Nachteil: bei erhöhtem Wert braucht es neben einer Bestätigung nach 2-3 Wochen weitere Abklärungen und im Zweifelsfalle ein MRI der Prostata.

Frage: Ich bin 62 Jahre alt. Nach den letzten Untersuchungen wurde bei mir ein Gleason-Score von 7b festgestellt. Die zwei Krebsherde liegen so günstig, dass eine nerven- und muskelschonende Operation möglich wäre. Ich habe mich deshalb für eine radikale Prostatektomie mit der Da-Vinci-Roboter-Methode entschieden – nach dem Motto „weg ist weg“.

Je näher der Operationstermin rückt, desto mehr kommen die Zweifel. Ich frage mich ständig, ob ich richtig entschieden habe. Wäre eine Bestrahlung vielleicht doch besser gewesen? Ich hatte ursprünglich nur zwei Optionen: Operation oder Bestrahlung.
Mein Kopf sagt ja zur Operation – ich bin fit, der Tumor wurde früh entdeckt, mein Arzt ist sehr erfahren und ich habe Vertrauen. Trotzdem bin ich innerlich unruhig und zweifle immer wieder: Strahlen? Seeds? OP?
Was ist los mit mir – ist das normal? Wie gehen andere Männer in dieser Situation damit um?

Dr. Omlin: Sie beschreiben etwas, das viele Männer erleben. Diese Haltung „weg ist weg“ ist tatsächlich typisch für viele, die nach der Diagnose rasch einer Operation zustimmen. Ich sehe aber auch Männer, die sich im Nachhinein wünschen, sie hätten sich vorher noch besser über alle Optionen informiert.

Gerade in Fällen wie Ihrem kann es sinnvoll sein, zusätzlich ein Gespräch mit der Radioonkologie zu führen – also mit den Fachärzten für Strahlentherapie. In Zürich machen wir das oft so: Männer sprechen zuerst mit dem Urologen oder der Urologin und danach auch mit einem Radioonkologen. Erst wenn man beide Sichtweisen gehört hat, kann man wirklich abwägen.
Solange der PSA-Wert nicht besonders hoch ist, muss man sich selten sehr unter Zeitdruck entscheiden. Es darf und soll Raum geben für eine durchdachte Entscheidung.

Kay: Ich kann das gut nachvollziehen. Bei mir wurde ein Gleason-Score von 10 festgestellt – meine Prostata war komplett von Tumorgewebe durchsetzt. Auch ich habe über Strahlentherapie nachgedacht, aber bei mir lag die Prostata sehr nah am Enddarm. Dadurch hätte es ein hohes Risiko gegeben, dass die Strahlung meinen Darm stark schädigt – bis hin zu einem möglichen künstlichen Darmausgang.

Das wäre für mich ein grosser Einschnitt in die Lebensqualität gewesen. Deshalb habe ich mich bewusst für die Operation entschieden. Mir war wichtig, lieber eine bessere Lebensqualität zu behalten, auch wenn der Weg dadurch vielleicht schwieriger war. Diese Überlegungen waren für mich ausschlaggebend, gegen die Bestrahlung und für die radikale Prostatektomie.

Dr. Omlin: Das zeigt gut, wie individuell solche Entscheidungen sind. Oft gibt es mehrere Behandlungswege mit jeweils eigenen Vor- und Nachteilen. Es hilft, ehrlich zu überlegen, was einem persönlich wichtiger ist.

Bei einer Operation besteht ein grösseres Risiko für Inkontinenz oder Erektionsprobleme, wenn die Nerven in der Nähe der Prostata beschädigt werden. Bei einer Bestrahlung können ähnliche Probleme auch auftreten, allerdings oft erst einige Jahre später.
Bei jüngeren Männern empfehlen wir häufiger die Operation, besonders bei einem Gleason-Score 7b, der als mittlere Aggressivität gilt, und bei dem eine reine Überwachung meist nicht mehr empfohlen wird.
Ich sehe, dass Ihr Operationstermin schon bald ansteht – das macht die Entscheidung natürlich drängend, aber es bleibt ihr gutes Recht, sich vorab sicher zu fühlen.

Ein Argument, das manchmal für eine Operation bei jüngeren Männern spricht, ist, dass man danach – falls der PSA-Wert nicht auf null fällt – zur Not immer noch eine Bestrahlung anschliessen kann. Umgekehrt ist das schwieriger: Nach einer Bestrahlung ist eine spätere Operation meist kaum noch möglich.

Das Gewebe hat nämlich unter der Radiotherapie gelitten und es gibt erhöhte Raten an Nebenwirkungen vor allem Inkontinenz, aber auch Impotenz, Schmerzen. Die OP ist möglich, aber nur in geübten Händen. Das kann ebenfalls ein wichtiger Aspekt in der Entscheidungsfindung sein.

Krebsinfo Schweiz: Ja, das ist wirklich eine schwierige Entscheidung. Viele Männer fühlen sich hin- und hergerissen, so wie Sie es beschreiben. Wir empfehlen in solchen Fällen, zusätzlich mit einem Radioonkologen zu sprechen, selbst wenn bereits grosses Vertrauen in den Operateur besteht. So kann man alle Behandlungsoptionen besser verstehen und vergleichen.

Gefühlsmässige Schwankungen – mal sicher, mal unsicher – sind völlig normal. Diese Unsicherheit darf Platz haben.

Kay: Der Beginn war typisch: Ich konnte den Urin schlecht halten, musste ständig zur Toilette, hatte Schmerzen beim Wasserlassen und sass lange auf der Toilette. Schliesslich ging ich zum Urologen, der schnell ein Problem vermutete. Die Radiologie sah zunächst keinen Befund, aber der Tastbefund war auffällig. Eine Biopsie ergab dann einen Gleason-Score von 10.

Ich entschied mich zum Zeitpunkt der Diagnose im November vor 5 Jahren nach kurzer Bedenkzeit über Weihnachten für eine radikale Prostatektomie. Diese war nicht vollständig erfolgreich, deshalb folgten Chemotherapie und begleitend eine Hormonentzugstherapie. Später bekam ich zusätzlich Enzalutamid®, was für mich der entscheidende Durchbruch war. Mein PSA-Wert ist seit über 20 Monaten nicht nachweisbar.

Die Therapien haben meinen Körper stark belastet: Ich war extrem geschwächt, konnte kaum Treppen steigen und hatte viel Gewicht verloren. Mit der Zeit konnte ich meine körperliche Verfassung wieder deutlich verbessern, auch wenn sie nicht perfekt ist. Mit den Nebenwirkungen habe ich gelernt zu leben.

Ich habe meinem Krebs den Namen „George“ gegeben und sehe ihn auch als Auslöser für positive Veränderungen. Trotz Libidoverlust und Abstinenz von Sexualität, habe ich eine neue Qualität von Beziehungen zu Frauen entwickelt, weil Sexualität keine Rolle mehr spielt. Insgesamt versuche ich, sowohl die negativen als auch die positiven Seiten der Erkrankung zu sehen und die Veränderungen als offenen Prozess zu akzeptieren.

Kay: Die Krankheit war für mich eine Art Katharsis und hat mein Leben stark verändert. Viele Beziehungen haben sich gewandelt, einige konnte ich nicht durch die Erkrankung retten, und von einem Teil meiner Familie habe ich mich bewusst getrennt. Gleichzeitig habe ich viele neue Menschen kennengelernt, vor allem Patienten, Betroffene und andere, die ähnliche existentielle Krisen durchlebt haben.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass gerade diese Menschen bereit sind, meinen Weg wirklich mitzugehen. Es sind oft nicht die Personen, die mir früher am nächsten standen, sondern diejenigen, die selbst tiefe Brüche und Umbrüche erlebt haben. Die Beziehungen zu ihnen sind für mich zu einem wichtigen Rückgrat geworden.

Besonders bedeutend ist für mich, dass dort Verständnis und Offenheit für meine inneren Prozesse vorhanden sind. Diese Menschen kennen den Umgang mit Schmerz, mit dem Tod und mit der eigenen Endlichkeit. Erst in diesem Umfeld habe ich erlebt, dass ein wirklich tiefes Verständnis für meine Ängste, Emotionen und all das, was in mir passiert, möglich ist.

Kay: Die Angst ist immer da. Jeder PSA-Wert und jede Quartalsuntersuchung sind für mich ein kleines Martyrium. Schon nach der Blutentnahme bin ich in den Tagen bis zur Sprechstunde innerlich wie gelähmt und zu nichts zu gebrauchen. Obwohl meine aktuelle medizinische Situation sehr positiv ist, tauchen bei jedem Test tiefe Zweifel, Ängste und gedankliche Projektionen in die Zukunft auf: Was passiert mit mir, wie wird der Verlauf sein, wie geht es weiter?

Ein zentraler Schritt war, diese Gefühle zu akzeptieren, statt sie zu verdrängen, und gezielt Resilienzstrategien zu erlernen. Meditative Praxis hilft mir, innere Distanz zu den gedanklichen Schleifen aufzubauen und wieder etwas Mitte und Gleichgewicht zu finden. Sehr wichtig ist für mich auch der Kontakt zu anderen Betroffenen. Besonders wertvoll ist ein enger Freund, der fast zeitgleich eine andere Krebsdiagnose erhielt. Wir haben die Behandlungen parallel durchlaufen und uns gegenseitig viel Halt gegeben; ich nenne ihn heute meinen „Live-Copiloten“.

Von grosser Bedeutung war ausserdem die psychoonkologische Unterstützung. Durch die Vorerfahrung mit meinem an Prostatakrebs verstorbenen Vater war mir das mögliche Krankheitsende sehr präsent. Nach dem Misserfolg der Operation hatte ich sogar konkrete Suizidgedanken. Erst im zweiten Anlauf fand ich eine Therapeutin, mit der ich einen guten Draht hatte. Dort konnte ich offen über meine Emotionen sprechen, neue Perspektiven entwickeln und gemeinsam mit einer zeitlich begrenzten Einnahme von Antidepressiva aus der tiefen Depression herausfinden.

Kay: Für mich ist dabei das Wichtigste: “Wie kann ich als Mann lernen, mit meinen Gefühlen umzugehen?”

Angst hat einen starken Einfluss auf Gefühle. Es fällt vielen schwer, sich diese Angst einzugestehen. Man ist nicht mehr Herr der Lage, nicht mehr der Held, sondern Patient. Man gibt Kontrolle ab, trifft eine Therapieentscheidung und befindet sich dann im Behandlungssystem. Das bedeutet, sich in die Hände anderer zu begeben und zu vertrauen.

Die Antihormontherapie mit Testosteronentzug verstärkt dies, weil sie starke körperliche und seelische Veränderungen auslöst. Typisch sind Symptome wie in den Wechseljahren: Stimmungsschwankungen, grundloses Weinen, eine neue emotionale Tiefe. Dinge berühren einen plötzlich, zu denen man früher Abstand hatte.

Schwierig ist, diese Gefühle anzunehmen, statt sie zu bekämpfen. Besonders für Männer ist das herausfordernd, weil viele mit Sätzen wie „Ein Mann kennt keinen Schmerz“ erzogen wurden. Männliche Rollenbilder verbieten oft Angst und Verletzlichkeit. Heute zu erkennen: Gefühle zu haben und zu zeigen ist völlig in Ordnung. Die eigentliche Herausforderung ist, eine Sprache für diese Gefühle zu finden, die andere verstehen.

Kay: Spazierengehen und Bewegung helfen mir am meisten, mit innerer Unruhe umzugehen. In der Natur, etwa im Wald oder in den Bergen, finde ich besonders gut zur Ruhe. Dort erlebe ich mich als einen kleinen Teil eines grossen Ganzen und gewinne eine neue, heilsame Perspektive auf mein Dasein.

Ausserdem hilft mir eine Sichtweise aus meiner Lehre: Ich verstehe mich als Produkt meiner Eltern, meiner Erziehung und der Gesellschaft. Gleichzeitig lebe ich in den Menschen weiter, mit denen ich interagiert habe – in denen, die ich unterrichtet oder begleitet habe, in Freunden und Weggefährten. Diese Vorstellung von „Fortsetzung in anderen Menschen“ nimmt mir die Angst vor der Endlichkeit. Selbst wenn mein Leben endet, wirken meine Impulse, meine Inspiration und meine Unterstützung weiter. Das motiviert mich, trotz aller Handicaps meine Zeit zu nutzen, um andere positiv zu inspirieren.

Unsere Expert:innen und Peers

PD Dr. med. Aurelius Omlin

Aurelius Omlin
Medizinischer Onkologe, Chairman des Uroonkologischen Zentrums an der Klinik Hirslanden Zürich und spezialisiert für urogenitale Onkologie am Onkozentrum Zürich. 

Seine Ausbildung absolvierte er am Universitätsspital Bern, am Regionalspital Thun und am Kantonsspital St.Gallen. PD Dr. med. Aurelius Omlin absolvierte von 2010 bis 2013 ein klinisches Forschungsstipendium am Royal Marsden NHS Foundation Trust bei Professor Johann de Bono. Die Arbeit konzentrierte sich auf frühe klinische Studien und Behandlung von urogenitalen Tumoren. Seit Mai 2022 arbeitet Aurelius Omlin als Krebsspezialist am Onkozentrum Zürich.

Aurelius Omlin ist Mitglied der Schweizerischen Onkologiegesellschaft (SGMO), der European Society for Medical Oncology (ESMO), der American Society of Clinical Oncology (ASCO). Zusammen mit Prof Dr. Gillessen initiierte er 2015 die alle zwei Jahre stattfindende Advanced Prostate Cancer Consensus Conference (APCCC) in Lugano, welche sich der bestmöglichen Behandlung von Menschen mit fortgeschrittenem Prostatakrebs widmet und inzwischen international grosses Ansehen geniesst.

Kay

Kay hat die Diagnose Prostatakrebs im November 2020 bekommen. Mit Gleason Faktor 10 war der Krebs bereits weit vorangeschritten. Die Radikale Prostatektomie schien zuerst erfolgreich, jedoch zeigten sich bei der Nachuntersuchung, dass der Krebs doch bereits metastasiert hatte. Seither ist er als palliativ eingestuft. Kay hat eine neue Sicht auf das Leben gewonnen und konzentriere sich darauf, die Dinge auf seiner finalen Wunschliste anzugehen.

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