Diabetes Typ 3c und Enzym-Ersatztherapie nach Krebs
Wenn Ihre Bauchspeicheldrüse bei einer Operation ganz oder teilweise entfernt wird, bekommen Sie einen Diabetes Typ 3c. Diese Form heisst auch pankreopriver Diabetes. Vielleicht brauchen Sie zusätzlich eine Ersatztherapie mit Enzymen. Lesen Sie mehr dazu, wie Diabetes Typ 3c erkannt und behandelt wird und wie Sie Enzyme einnehmen.
Was ist Diabetes Typ 3c nach Krebs?
Nach einer Krebsoperation an der Bauchspeicheldrüse fehlt Ihnen ein Teil oder die ganze Bauchspeicheldrüse. Sie produziert deshalb kein Insulin oder nicht genügend Insulin. Ohne genügend Insulin werden Sie zuckerkrank.
Das bedeutet, dass der Körper den Zucker im Blut nicht richtig regulieren kann. Dadurch bleibt der Blutzucker zu hoch, was auf Dauer Organe und Gefässe schädigt.
Medizinisch heisst das: Sie haben Diabetes Typ 3c.
Manchmal hört die Bauchspeicheldrüse schon vor der Operation auf, genügend Insulin zu produzieren. Der Tumor hat dann die Bauchspeicheldrüse so geschädigt, dass sie nicht mehr genügend Insulin produziert.
Welche anderen Formen von Diabetes gibt es?
Es gibt mehrere Formen von Diabetes. Viele Menschen sagen auch Zuckerkrankheit. Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 sind die bekanntesten Formen.
Typ 1 ist Diabetes, der oft im Jugendalter auftritt. Die Bauchspeicheldrüse funktioniert nicht mehr oder nicht mehr richtig. Sie produziert nicht mehr genügend Insulin.
Typ 2 ist Diabetes, der normalerweise im Alter auftritt. Die Bauchspeicheldrüse funktioniert normal, aber die Zellen im Körper sind nicht mehr empfindlich genug für Insulin.
Was ist das Besondere an Diabetes Typ 3c bei Krebs der Bauchspeicheldrüse?
Diese Form des Diabetes unterscheidet sich von den anderen Formen, weil die Ursache ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse ist.
Dieser Diabetes tritt in zwei Fällen auf:
wenn der Tumor in der Bauchspeicheldrüse grösser wird
wenn Ihnen ein Teil oder die ganze Bauchspeicheldrüse herausoperiert wurde
Manchmal haben Sie schon Diabetes, bevor Sie die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen. Der Diabetes ist dann ein Zeichen für die Krebserkrankung.
Das ist schwer zu erkennen für die Ärztin oder den Arzt. Deshalb gibt es teilweise Fehldiagnosen. Sie erhalten zum Beispiel zuerst die Diagnose Diabetes Typ 2. Später finden die Fachpersonen einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse. Dann war es Diabetes Typ 3c.
Wie sicher habe ich Diabetes Typ 3c nach der Operation an der Bauchspeicheldrüse?
Wenn die Chirurgin oder der Chirurg die ganze Bauchspeicheldrüse entfernt, dann haben Sie sicher Diabetes Typ 3c.
Wenn die Chirurgin oder der Chirurg einen Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt, haben Sie vielleicht Diabetes Typ 3c. In diesem Fall kommt es auf Folgendes an:
Welchen Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt die Chirurgin oder der Chirurg?
Wie gut arbeitet die Bauchspeicheldrüse nach der Operation?
Die medizinische Forschung sagt, dass nur ein Teil der Menschen Diabetes Typ 3c entwickelt. Es kommt darauf an, welchen Teil der Bauchspeicheldrüse das medizinische Team entfernt. Zudem ist es möglich, dass Sie erst nach einiger Zeit, sogar noch nach Jahren Diabetes Typ 3c bekommen.
Wie bekomme ich die Diagnose Diabetes Typ 3c?
Die Ärztinnen und Ärzte haben verschiedene Möglichkeiten, die Erkrankung bei Ihnen festzustellen.
Wurde Ihnen die ganze Bauchspeicheldrüse entfernt? Dann wissen die Ärztinnen und Ärzte bereits, dass Sie Diabetes Typ 3c haben. Sie brauchen keine weiteren Untersuchungen.
Wurde Ihnen nur ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt? Dann messen die Ärztinnen und Ärzte verschiedene Werte in Ihrem Blut:
C-Peptid-Wert: C-Peptid ist ein Protein, das bei der Insulin-Herstellung entsteht. Ein niedriger Wert bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Insulin produziert.
HbA1c-Wert: Dieser Wert misst, ob der Zuckerspiegel im Blut schon länger zu hoch ist.
Plasma-Glukose-Wert (nüchtern oder zufällig): Dieser Wert misst, ob der Zucker aktuell zu hoch ist.
Die Ärztinnen und Ärzte messen vielleicht weitere Werte. Oder sie messen nur einige dieser Werte bei Ihnen. Fragen Sie nach, wenn Sie mehr darüber wissen wollen.
Auf welche Symptome muss ich achten?
Wird die Bauchspeicheldrüse nur teilweise entfernt, kann Diabetes Typ 3c auch später auftreten. Deshalb sollten Sie Ihre Blutzuckerwerte regelmässig kontrollieren lassen.
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn folgende Symptome auftreten:
starker Durst
häufiges Wasserlassen
Gewichtsverlust
Müdigkeit
Sehstörungen
Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen
Wie wird Diabetes Typ 3c behandelt?
Ärztinnen und Ärzte behandeln Diabetes Typ 3c mit den gleichen Medikamenten wie die anderen Diabetes-Formen:
Sie erhalten Insulin. Diesen Wirkstoff spritzen Sie sich mit sogenannten Pens selbst. Oder Sie erhalten eine Insulin-Pumpe.
Oder sie erhalten Tabletten mit dem Wirkstoff Metformin.
Die Behandlungen sind die gleichen wie für andere Diabetes-Formen. Eventuell reagiert Ihr Körper anders auf die Diabetes-Behandlung als bei Betroffenen mit Typ 1 oder Typ 2.
Wenn Ihre Bauchspeicheldrüse ganz entfernt wurde, fehlt Ihnen neben Insulin auch das Hormon Glukagon. Deshalb ist die Gefahr einer Unterzuckerung grösser als bei den anderen Diabetes-Formen. Im Notfall können Sie Glukagon als Nasenspray oder als Spritze anwenden.
Sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin und Ihrem Arzt. Sie können zusammen die Behandlung immer wieder anpassen.
Wie funktioniert die Glukose-Messung mit Sensor?
Die Glukose-Messung mit Sensor (oder CGM) ermöglicht Ihnen, den Verlauf Ihrer Zuckerwerte im Blut dauerhaft zu messen. Beispielsweise über eine App auf dem Smartphone sehen Sie aktuelle Zuckerwerte und den Verlauf der Werte bis jetzt. Sie bekommen eine Warnmeldung, wenn Ihr Zuckerspiegel zu hoch oder zu niedrig ist. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann die Daten einsehen und auswerten:
Sie befestigen den Sensor auf dem Oberarm. Er ist wasserfest, Sie können damit duschen, baden oder schwimmen.
Sie kalibrieren das Gerät oder die App regelmässig. Das heisst, Sie bestimmen durch Stechen in den Finger und ein Messgerät mit Teststreifen den Zuckerwert. Dann geben Sie den Wert in die App oder das Lesegerät des Sensors ein.
Der Sensor bleibt dort für 7 bis 14 Tage. Dann ersetzen Sie den Sensor durch einen neuen.
Sie möchten keinen Sensor? Dann messen Sie mehrmals täglich über Stechen in einen Finger und ein Messgerät mit Teststreifen.
Sprechen Sie mit Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt für Diabetologie, welche Methode für Sie die beste ist.
Bezahlt die Krankenkasse die Glukose-Messung mit Sensor?
Die obligatorische Krankenkasse bezahlt die Glukose-Messung mit Sensor, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen sagen, welche Bedingungen das sind und ob Sie diese erfüllen.
Für die Kostenübernahme muss eine Fachärztin oder ein Facharzt für Diabetologie einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Das ist eine sogenannte Kostengutsprache. Dann entscheidet die Krankenkasse, ob sie die Kosten übernimmt.
Was ist eine Enzym-Ersatztherapie?
Bei einer Enzym-Ersatztherapie nehmen Sie Enzyme zum Essen ein. Da Ihre Bauchspeicheldrüse keine Enzyme oder nicht mehr genug Enzyme produziert, ersetzen Sie diese durch ein Medikament. Das Medikament bekommen Sie als Kapseln mit Mikrofilm-Tabletten oder als Mikropellets.
Die Bauchspeicheldrüse produziert verschiedene Enzyme. Diese Enzyme sind sehr wichtig, damit Ihr Darm den Nahrungsbrei verwertet. Zum Beispiel hilft das Enzym Lipase dabei, dass Fett im Darm zerlegt wird. Der Körper nimmt das zerlegte Fett über die Darmwände auf.
Nach einer ganzen oder teilweisen operativen Entfernung produziert die Bauchspeicheldrüse keine oder nicht mehr genug Enzyme. Deshalb müssen Sie diese ersetzen.
Das Medikament enthält eine Kombination mehrerer Enzyme. Der Wirkstoff heisst Pankreatin. Es stammt aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen.
Worauf muss ich achten bei der Einnahme der Enzym-Ersatztherapie?
Sie nehmen die Kapseln mit jedem Essen oder Snack oder spätestens direkt danach ein.
Sie haben Schwierigkeiten, die Kapseln zu schlucken? Lesen Sie die Beilage des Medikaments. Oft gibt der Hersteller auf der Beilage Tipps, wie Sie die Enzyme besser einnehmen können.
Wie dosiere ich die Enzyme?
Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, mit welcher Dosis Sie starten sollen. Besprechen Sie, wie Sie die Dosis erhöhen, wenn die Enzyme nicht genug helfen.
Sie nehmen pro Tag höchstens eine Dosis von 10 000 Lipase-Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht ein.
Das bedeutet: Wenn Sie zum Beispiel 90 Kilogramm wiegen, dann nehmen Sie pro Tag höchstens 900'000 Lipase-Einheiten.
Es ist wichtig, dass Sie genügend Enzyme nehmen und dass Sie die Enzyme zu jeder Mahlzeit nehmen.
Wenn Sie für eine Mahlzeit Insulin spritzen, aber versehentlich keine Enzyme nehmen, nimmt Ihr Körper die Kohlenhydrate nicht auf. Dann droht eine schwere Unterzuckerung.
Erhalte ich eine Ernährungsberatung?
Bei einer Diabetes-Erkrankung haben Sie Anrecht auf eine Ernährungsberatung. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn die Ärztin oder der Arzt sie verordnet und wenn die Beratung von einer ausgebildeten Person gemacht wird.
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Aktualisiert im Dezember 2025
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