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KrebsligaForschungGeförderte ForschungsprojekteImmuntherapien: Nebenwirkungen besser verstehen

Immuntherapien: Nebenwirkungen besser verstehen

Die Immuntherapie gilt als Quantensprung in der Krebsbehandlung. Es gibt allerdings eine Kehrseite der Medaille: Immer wieder kämpfen Patienten mit teils heftigen autoimmunen Nebenwirkungen. Ein von der Krebsliga unterstütztes Forschungsprojekt untersucht, welche zellulären Vorgänge hierfür verantwortlich sind.

Es hört sich fast wie ein Märchen an. Schauplatz sind aber nicht Wälder mit Feen, Drachen und obskuren Gestalten, sondern Spitäler mit Fachpersonal, das gegen einen listigen, mitunter unbeugsamen Gesellen kämpft: den Krebs. Doch schön der Reihe nach. Seit über 100 Jahren verfolgen Forschende bei der Krebsbekämpfung eine auf den ersten Blick ebenso einfache wie bestechende Idee: Das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte des Patienten sollen so stark aktiviert werden, dass die gesunden Zellen die Krebszellen erkennen und zerstören. 
Die Anfänge der modernen Immuntherapie sind jedoch lange nicht von Erfolg gekrönt, denn Krebszellen können sich verstecken und die Aktivität der ihnen gefährlich werdenden weissen Blutkörperchen unterdrücken. Der Durchbruch in der Forschung gelingt erst dank der Entdeckung, dass Tumorzellen oft Kontrollposten (engl. Checkpoints) auf den weissen Blutkörperchen nutzen, die normalerweise eine überschiessende Reaktion des Immunsystems (sogenannte Autoimmunreaktionen) gegen körpereigene, gesunde Zellen verhindern. Im Jahr 2011 schliesslich ist es soweit: In den USA kommt die erste Immuntherapie auf den Markt. Damit beginnt ein neues Kapitel in der Krebsbehandlung, die bis dahin aus Chemotherapeutika, Operationen und Bestrahlungen bestand. 

Viel Hoffnung – viele Fragen
Doch lassen wir den Fachspezialisten selbst zu Wort kommen: «Die Immuntherapie kann das Körpersystem so trimmen, dass die weissen Blutkörperchen in den Tumor wandern und die Krebszellen in der Folge zerstören», sagt Professor Lukas Flatz, Forschungsgruppenleiter am Kantonsspital St. Gallen. Heute gilt als unbestritten: Diese neue Generation von Therapien hat die Prognosen für viele Patienten mit Krebs deutlich verbessert. Zum einen gibt es bei verschiedensten Tumorerkrankungen hohe Ansprechraten, sogar bei solchen, die sich vorher resistent gegen eine Behandlung zeigten. Zum andern hält ihre Wirkung oft dauerhaft an. 
Die Hoffnung, der Mensch könne dereinst Krebs besiegen oder zu einer chronischen Krankheit machen, hat mit der Einführung der Immuntherapie neue Nahrung erhalten. «War Krebs früher noch ein Todesurteil, kann man heute in gewissen Fällen dank der Immuntherapie von einer Heilung der Krebserkrankung sprechen», hält der Ostschweizer Forscher fest. Selbst bei Patienten mit früher sehr schlechter Prognose sei ein fast «normales» Leben manchmal wieder möglich. Auch die Anwendungsbereiche haben sich in den letzten Jahren rasant ausgeweitet: Konzentrierte sich die Immuntherapie in den Anfängen auf den schwarzen Hautkrebs (Melanom), ist sie heute bei über zehn Krebsarten Standard. 

Zwei ungelöste Probleme
Eine Therapie wie aus dem Märchen, wären da nicht die teils heftigen Nebenwirkungen. Verglichen mit herkömmlichen Chemotherapien, die Übelkeit und Erbrechen auslösen und häufig negative Auswirkungen auf das Knochenmark haben, ist die Immuntherapie laut Lukas Flatz zwar insgesamt deutlich besser verträglich. Doch durch die Aktivierung des Immunsystems sind in einigen Fällen lebensbedrohliche autoimmune Nebenwirkungen möglich. 
«Eine solche Entzündungsreaktion kann jedes Organ treffen», erklärt der Forscher, der als praktizierender Dermatologe am Kantonsspital in St. Gallen in direktem Kontakt mit den Patienten steht. Heftige Nebenwirkungen machen mitunter eine Therapiepause, einen kompletten Stopp oder den Einsatz eines immundämpfenden Medikaments erforderlich.
Doch wieso reagieren manche Patienten kaum und andere derartig heftig? Lukas Flatz will dieser überlebenswichtigen Frage auf den Grund gehen. In einem von der Krebsliga finanzierten Projekt untersucht er derzeit, wieso in gewissen Fällen bei der Immuntherapie gesunde Organe des Körpers wie Darm, Lunge oder die Haut attackiert werden (s. Kasten). 

Ziel in Sicht?
Das zweite, noch nicht gelöste Problem der Immuntherapeutika ist ihr Preis. Da diese Medikamente vorerst auf unbestimmte Zeit verabreicht werden und die Kosten einer einzigen Infusion bereits bei mehreren Tausend Franken liegen, klettert der jährliche Gesamtbetrag pro Patient schnell einmal auf 100'000 Franken. «Die Risiken und die hohen Kosten der Behandlung sind weitere Gründe, weshalb wir die genauen Mechanismen der Immuntherapien möglichst rasch durchleuchten müssen. Nur so lässt sich verlässlich feststellen, welche Patienten von dieser aufwändigen, aber vielversprechenden Therapie am meisten profitieren», hält Lukas Flatz fest.

Interview: Tanja Aebli

Prof. Dr. med. Lukas Flatz

Prof. Dr. med. Lukas Flatz, untersucht in einem von der Krebsliga unterstützten Projekt, wieso die Immuntherapie manchmal heftige Nebenreaktionen auslöst. 

Sie möchten Lukas Flatz über die Schulter schauen? Ein Kurzfilm nimmt Sie direkt mit ins Labor: www.krebsliga.ch/forschunglive

«Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren – Was tun bei Nebenwirkungen?». Die Broschüre kann gratis bestellt oder heruntergeladen werden unter: https://shop.krebsliga.ch/broschueren-infomaterial/leben-mit-krebs/therapien/immuntherapie-mit-checkpoint-inhibitoren

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