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«Ich war bei seinem letzten Atemzug dabei»

Vergangenen Oktober ist der Basler Autor, Verleger und Literaturaktivist Matthyas Jenny an den Folgen von Lungenkrebs gestorben. Ein Jahr später erzählt seine Tochter, die Schriftstellerin Zoë Jenny, erstmals ausführlich, wie sie diese schwierige Zeit als Angehörige erlebte und wie sie mit dem Verlust ihres Vaters zurechtkommt.

Zoë Jenny

Zoë Jenny, vor bald einem Jahr ist Ihr Vater gestorben. Wie geht es Ihnen heute? 
Ich habe den Tod meines Vaters noch nicht verarbeitet. Ich akzeptiere, dass er nicht mehr hier ist, aber ich vermisse ihn immer noch sehr. Mein Vater starb am 10. Oktober 2021, deswegen denke ich jeweils am zehnten eines jeden Monats sehr intensiv an ihn. Diese Tage sind besonders schmerzhaft. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich über diesen Verlust hinweg bin.

Ihr Vater starb an Lungenkrebs. Welche Symptome hatte er? 
Er war asymptomatisch und musste nie husten. Vor anderthalb Jahren fühlte er sich plötzlich sehr schwach und unwohl und landete notfallmässig im Universitätsspital Basel. Dort diagnostizierten die Ärzte zunächst einen Natriummangel und nach mehreren Untersuchungen auch einen sehr aggressiven Lungenkrebs. 

Wie konnten Sie Ihrem Vater beistehen? Sie leben ja mit Tochter und Lebenspartner in der Nähe von Wien. 
Zu Beginn telefonierten wir viel miteinander, während mein Bruder sich um ihn kümmerte. Nachdem mein Vater die Krebsdiagnose erhalten hatte, wollte er uns in Österreich noch besuchen – wegen der Immun- und Chemotherapien, denen er sich unterziehen musste, war er jedoch zu schwach.

Wie vertrug Ihr Vater die Therapien? 
Einerseits war ihm übel und er fühlte sich häufig sehr erschöpft, anderseits ging es ihm zeitweise wieder gut und er hatte keine Beschwerden. Beklagt hat er sich allerdings nie. Es war eine Gefühlsachterbahn für uns alle, ein Auf und Ab. Wir dachten und hofften, er würde es schaffen. 

Hinzu kam die Corona-Pandemie. 
Ja, die Situation war doppelt und dreifach verzwickt. Um von Wien nach Basel zu reisen, musste ich beim schweizerischen Gesundheitsamt eine Bewilligung einholen. Aber im Spital konnte ich ihn problemlos besuchen.

Hat Ihr Vater Hilfe beansprucht? 
Nein, denn er wollte so lange wie möglich selbstständig und selbstbestimmt leben. Das ging eine Zeit lang gut, er konnte selber einkaufen und den Haushalt alleine führen. Doch eines Tages erreichten wir ihn telefonisch nicht mehr und alarmierten deshalb die Polizei. Sie drang in seine Wohnung ein und fand ihn zusammengebrochen am Boden.

War das der Wendepunkt, an dem er realisierte, dass er Hilfe brauchte? 
Ja. Zuerst wurde er wieder ins Unispital Basel eingewiesen. Die Ärzte informierten mich, dass es für meinen Vater besser sei, wenn er in ein Hospiz eintrete, weil man nicht wisse, wie lange er noch leben würde. Ich musste ihm diese Information überbringen. Er sah schliesslich ein, dass dieser Schritt unvermeidlich war.

Wie lange lebte er noch im Hospiz?
Vier Wochen. Es war schrecklich mitanzusehen, wie mein Vater immer schwächer und abhängiger vom Pflegepersonal wurde. Am Ende konnte er nicht einmal mehr den Telefonhörer in der Hand halten, fast nicht mehr sprechen und atmen. Dass er sich 
nicht mehr ausdrücken konnte, war das Schlimmste. Ich war bei seinem letzten Atemzug dabei … und habe ihm Gedichte vorgelesen. Das schien mir in der Situation das einzig sinnvolle, vielleicht auch um mich selbst zu beruhigen. 

Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit? 
Nach so einer Erfahrung ist man ein anderer Mensch. Meine Weltanschauung hat sich verändert, da ich mir auch meiner eigenen Endlichkeit viel bewusster geworden bin.

Ihr Vater war ein starker Raucher. Auch in der Öffentlichkeit sah man den Autor und Verleger ständig mit Zigarette. 
Es gibt wohl fast keine Fotos von ihm ohne Zigarette. Hin und wieder versuchte er zwar, damit aufzuhören, doch im Prinzip rauchte er sein Leben lang. Dabei sagte er ständig, er paffe ja nur und inhaliere nicht. Nach einer langen Autofahrt kündigte jedes Mal eine Rauchwolke seine Ankunft an, sobald er die Autotür öffnete.

Haben Sie auch einmal geraucht? 
Ja, bis ich etwa 33 Jahre alt war. Mal mehr, mal weniger. Ich bin so aufgewachsen und kannte es wegen meines Vaters nicht anders. Beim Sport verspürte ich plötzlich Schmerzen auf der Lunge, da habe ich aufgehört. Ich wollte möglichst gesund sein und da passten Zigaretten nicht mehr in mein Leben. 

Hatten Sie versucht, Ihren Vater vom Rauchen abzubringen? 
Ich sagte ihm andauernd, er solle damit aufhören. Nach der Krebsdiagnose tat er es sofort. Vielleicht wäre er älter geworden, hätte er früher aufgehört. Es war scheusslich, wie er sterben musste. Die Hölle auf Erden. Ich rate darum allen Raucherinnen und Rauchern, damit aufzuhören – und zwar so schnell wie möglich.

Die Baslerin Zoë Jenny, 48, lebt mit ihrer Tochter Naomi aus erster Ehe und ihrem Lebenspartner Markus in Wienerwald in der Nähe von Wien. Im Frühling 2022 wurde ihr aktueller Roman «Der verschwundene Mond» veröffentlicht. 1997 erschien Jennys Erstlingswerk «Das Blütenstaubzimmer», das in 27 Sprachen übersetzt und zu einem internationalen Bestseller wurde.

 

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