Dr. Christina Schröder, Sie sind Oberärztin an der Klinik für Radio-Onkologie am Kantonsspital Winterthur. Was motiviert Sie, für Menschen mit Krebs zu forschen?
Dr. Christina Schröder: Ich setze mich für Krebsbetroffene ein, weil ich ihre Behandlung verbessern und ihre Lebensqualität stärken möchte. In der Radio-Onkologie fasziniert mich besonders das Zusammenwirken aus moderner Technik, biologischem Wissen und klinischer Praxis. Es ermöglicht, Therapien wirksamer, gezielter und besser auf den einzelnen Menschen abzustimmen.
Sie forschen gezielt zu Prostatakrebs. Benötigt jeder Mann nach einer Prostata-Operation noch eine Strahlentherapie?
Früher bekam fast jeder Mann mit höherem Risiko nach der Operation eine Strahlentherapie. Heute schaut man zuerst den sogenannten PSA-Wert im Blut an. Die Prostata bildet dieses prostata-spezifische Antigen, kurz PSA. Wenn die Prostata entfernt wurde, sollte das PSA nicht nachweisbar sein. Wenn dieser Wert wieder ansteigt, heisst das, dass noch Tumorzellen da sind, und dann wird bestrahlt. Mit diesem Vorgehen braucht heute nur noch etwa die Hälfte der Männer eine Bestrahlung, die man früher vorsorglich behandelt hätte.
Wie läuft eine Bestrahlung heute ab und was bedeutet das für den Alltag der Betroffenen?
In einem Gespräch erklären wir, warum die Bestrahlung nötig ist, wie sie abläuft und welche Nebenwirkungen möglich sind. Anschliessend planen wir die Behandlung mit einem CT (Computertomographie, eine spezielle Röntgenuntersuchung) und manchmal auch mit einem MRI (Magnetresonanztomographie, eine Untersuchung mit Magnetfeldern). So können wir das Zielgebiet genau bestimmen und den Bestrahlungsplan erstellen. Die Therapie erfolgt meist einmal täglich, fünf Tage die Woche, über vier bis sechs Wochen ambulant. Die meisten Patienten können ihren Alltag weitgehend normal weiterführen, müssen aber täglich zum Bestrahlungstermin fahren, was Zeit, Aufwand und Kosten bedeutet.
Ihr Forschungsansatz setzt auf deutlich weniger Behandlungstermine. Warum kann «weniger» genauso gut oder sogar besser sein?
In unserem von der Krebsliga Schweiz unterstützten Forschungsprojekt prüfen wir, ob Männer nach einer Prostata-Operation auch mit einer kürzeren Strahlentherapie sicher sowie wirksam und ohne Nachteil behandelt werden können. Höhere Strahlendosen pro Sitzung treffen Prostatakrebszellen stärker als gesundes Gewebe in Darm oder Blase. Dieses Prinzip bewährt sich bereits in der Praxis, etwa bei der Strahlentherapie der Prostata ohne Operation oder zunehmend auch bei Brustkrebs. Möglich machen das auch grosse technische Fortschritte wie die stereotaktische Strahlentherapie, mit der sich hohe Dosen sehr präzise auf das Zielgebiet richten lassen.


