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KrebsligaForschung«Bei Prostatakrebs ist manchmal weniger mehr»
ProstatakrebsForschung

«Bei Prostatakrebs ist manchmal weniger mehr»

04. Mai 2026

In der Prostatakrebs-Forschung könnten moderne Strahlentherapien kürzere Behandlungen, weniger Spitaltermine und mehr Lebensqualität ermöglichen.

Dr. Christina Schröder: «Die meisten Patienten können ihren Alltag weitgehend normal weiterführen, müssen aber täglich zum Bestrahlungstermin fahren.»

Dr. Christina Schröder, Sie sind Oberärztin an der Klinik für Radio-Onkologie am Kantonsspital Winterthur. Was motiviert Sie, für Menschen mit Krebs zu forschen?  
Dr. Christina Schröder: Ich setze mich für Krebsbetroffene ein, weil ich ihre Behandlung verbessern und ihre Lebensqualität stärken möchte. In der Radio-Onkologie fasziniert mich besonders das Zusammenwirken aus moderner Technik, biologischem Wissen und klinischer Praxis. Es ermöglicht, Therapien wirksamer, gezielter und besser auf den einzelnen Menschen abzustimmen. 

Sie forschen gezielt zu Prostatakrebs. Benötigt jeder Mann nach einer Prostata-Operation noch eine Strahlentherapie? 
Früher bekam fast jeder Mann mit höherem Risiko nach der Operation eine Strahlentherapie. Heute schaut man zuerst den sogenannten PSA-Wert im Blut an. Die Prostata bildet dieses prostata-spezifische Antigen, kurz PSA. Wenn die Prostata entfernt wurde, sollte das PSA nicht nachweisbar sein. Wenn dieser Wert wieder ansteigt, heisst das, dass noch Tumorzellen da sind, und dann wird bestrahlt. Mit diesem Vorgehen braucht heute nur noch etwa die Hälfte der Männer eine Bestrahlung, die man früher vorsorglich behandelt hätte. 

Wie läuft eine Bestrahlung heute ab und was bedeutet das für den Alltag der Betroffenen? 
In einem Gespräch erklären wir, warum die Bestrahlung nötig ist, wie sie abläuft und welche Nebenwirkungen möglich sind. Anschliessend planen wir die Behandlung mit einem CT (Computertomographie, eine spezielle Röntgenuntersuchung) und manchmal auch mit einem MRI (Magnetresonanztomographie, eine Untersuchung mit Magnetfeldern). So können wir das Zielgebiet genau bestimmen und den Bestrahlungsplan erstellen. Die Therapie erfolgt meist einmal täglich, fünf Tage die Woche, über vier bis sechs Wochen ambulant. Die meisten Patienten können ihren Alltag weitgehend normal weiterführen, müssen aber täglich zum Bestrahlungstermin fahren, was Zeit, Aufwand und Kosten bedeutet. 

Ihr Forschungsansatz setzt auf deutlich weniger Behandlungstermine. Warum kann «weniger» genauso gut oder sogar besser sein? 
In unserem von der Krebsliga Schweiz unterstützten Forschungsprojekt prüfen wir, ob Männer nach einer Prostata-Operation auch mit einer kürzeren Strahlentherapie sicher sowie wirksam und ohne Nachteil behandelt werden können. Höhere Strahlendosen pro Sitzung treffen Prostatakrebszellen stärker als gesundes Gewebe in Darm oder Blase. Dieses Prinzip bewährt sich bereits in der Praxis, etwa bei der Strahlentherapie der Prostata ohne Operation oder zunehmend auch bei Brustkrebs. Möglich machen das auch grosse technische Fortschritte wie die stereotaktische Strahlentherapie, mit der sich hohe Dosen sehr präzise auf das Zielgebiet richten lassen. 

Dr. Christina Schröder vor Bestrahlungsgerät am Kantonsspital Winterthur

Gibt es auch Risiken oder Bedenken bei einer so kurzen, intensiven Behandlung? 
Jede Radiotherapie hat einen Beipackzettel, kann also Nebenwirkungen haben. Nach heutigem Wissen führen kürzere Behandlungen aber nicht zu deutlich mehr Nebenwirkungen als längere Therapien. Der Unterschied liegt vor allem im Zeitpunkt: Bei einer mehrwöchigen Bestrahlung treten Beschwerden oft während der Behandlung auf, bei der kurzen Therapie meist erst ein bis zwei Wochen danach. Wichtig ist, die Patienten gut aufzuklären. 

Was würde es für die betroffenen Männer bedeuten, wenn sich die kurze Strahlentherapie bewährt? 
Für die Patienten bedeutet es eine kürzere Behandlungszeit, weniger Spitaltermine und geringere Belastung. Die Männer können dieses Kapitel eher abschliessen, auch wenn Nachkontrollen nötig sind. Gerade bei älteren Männern mit langsam wachsendem Prostatakrebs könnten wir die Therapie noch besser auf persönliche Ziele abstimmen – die beste Lösung heisst manchmal «weniger ist mehr». 

Gut zu wissen

Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Die kastaniengrosse Drüse liegt unterhalb der Harnblase und umschliesst den oberen Teil der Harnröhre. Sie stellt den grössten Teil der Samenflüssigkeit her, hilft dabei, die Blase zu verschliessen, und bildet das prostata-spezifische Antigen (PSA).  

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in der Schweiz. Jedes Jahr erkranken etwa 8300 Männer daran. Die Krankheit tritt meist im höheren Alter auf, häufig ab 70 Jahren. Eine sichere Möglichkeit zur Vorbeugung ist bisher nicht bekannt. Die Behandlung richtet sich nach dem Risiko: Langsam wachsende Tumoren werden oft nur kontrolliert, aggressivere mit einer Operation oder Strahlentherapie behandelt, manchmal zusätzlich mit einer Hormontherapie.

Mehr Informationen zu Prostatakrebs

 

Interview: Danica Gröhlich

 

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