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Forschung

«Es macht mich traurig, dass immer noch so viele Kinder an Krebs sterben»

12. Januar 2026

Kinderkrebs ist selten. Doch für betroffene Familien bricht eine Welt zusammen. Die Kinderärztin Eva Brack will mit ihrer Studie Fieber unter Chemotherapien früher entdecken und damit Komplikationen verringern.

Eva Brack untersucht Fieber bei Kindern während Chemotherapien.

Dr. Eva Brack, Sie sind Oberärztin auf der Kinderonkologie am Inselspital Bern. Weshalb setzen Sie sich für Kinder mit Krebs ein?  
Dr. Eva Brack
: Ich arbeite als Ärztin für krebskranke Kinder, weil mich ihr Schicksal und das ihrer Familien tief berühren. Es ist eine schwere Zeit voller Angst, Sorgen und Hoffnung. Ich möchte helfen, diese Zeit etwas sicherer und planbarer zu machen. 

Was motiviert Sie persönlich an Ihrer Arbeit, auch als Forscherin?  
Viele Kinder sterben noch immer an Krebs oder leiden ein Leben lang unter den Folgen. Das macht mich traurig und wütend. Gleichzeitig fasziniert mich die Forschung: Wie entsteht Krebs? Wie können wir ihn besser behandeln und Therapien sicherer machen? Ich sehe täglich, wie schnell eine Infektion während der Chemotherapie gefährlich wird. Manchmal zählt jede Stunde. Deshalb nutzen wir neue, alltagstaugliche Technologien, zum Beispiel ein System zur automatischen Temperaturüberwachung. So können wir früher eingreifen, Familien im Alltag besser unterstützen und Komplikationen verringern. 

Das heisst, Fieber kann während einer Chemotherapie rasch lebensbedrohlich werden?  
Ja, denn die Chemotherapie schwächt das Immunsystem und senkt die sogenannten neutrophilen Granulozyten. Diese sind für die Abwehr von Bakterien sehr wichtig. Fieber über 39°C ist häufig ein Zeichen einer beginnenden Sepsis. Das ist eine Blutvergiftung durch Bakterien, die zu Organversagen führen kann. Fieber ist oft das erste und manchmal einzige Warnzeichen. Daher ist Fieber bei diesen Kindern ein Notfall! Sie müssen sofort ins Krankenhaus und Antibiotika erhalten. Werden Kinder rechtzeitig behandelt, sterben heute weniger als vier von 100 Kindern an dieser Komplikation. Früher waren es über 50. 

Dank der Studie können wir früher eingreifen, Familien im Alltag besser unterstützen und Leben retten.

Eva Brack
Oberärztin Kinderonkologie, Inselspital Bern

Wie genau funktioniert Ihre Forschung zur Temperaturüberwachung? 
Wir untersuchen, ob ständiges Fiebermessen mit automatischen Alarmen bei Kindern unter Chemotherapie das Fieber früher erkennt. Wir verwenden ein kleines, tragbares Gerät, das fortlaufend die Körpertemperatur des Kindes misst. Zusätzlich analysieren wir, wie sich Vitaldaten wie Blutdruck, Herzfrequenz oder Atmung vor dem Fieber verändern. Ein zweites tragbares Gerät erfasst diese Daten. Ich bin sehr dankbar, dass Spenden an die Krebsliga Schweiz jetzt auch unser Forschungsprojekt möglich machen. 
 
Welche Kinder nehmen an der Studie teil? 
Die Studie untersucht krebskranke Kinder und Jugendliche zwischen einem Monat und 18 Jahren. Diese erhalten eine starke Chemotherapie, die das Knochenmark schwächt und das Immunsystem stark beeinträchtigt. Bei Fieberalarm messen die Eltern die Temperatur im Ohr nach. Übersteigt diese einen Wert von meist 38,5 Grad, muss das Kind sofort in die Notaufnahme. Dort erhält es Antibiotika über eine Infusion. 

Besonders bei kleinen Patientinnen und Patienten: Fieber während einer Chemotherapie kann schnell lebensgefährlich werden.

Verkürzen solche Fieberalarme auch die Antibiotika-Dauer?  
Genau das erhoffen wir uns. Wir prüfen aber auch, ob die Methode sicher und wirksam ist und von Familien akzeptiert wird. Zusätzlich vergleichen wir verschiedene Arten der Temperaturmessung und suchen nach Mustern, die frühzeitig auf lebensbedrohliche Infektionen hinweisen. Funktioniert unsere Methode, sind kleine, tragbare Geräte mit automatischem Fieberalarm vielleicht bald Alltag. Das ermöglicht eine frühere Erkennung, verkürzt Spitalaufenthalte, entlastet Familien und bietet mehr Sicherheit. Das wäre ein grosser Schritt für unsere kleinen Patientinnen und Patienten.

 

Kinderkrebs in Kürze 

  • Krebs bei Kindern und Jugendlichen (0–15 Jahre) ist sehr selten. In der Schweiz bekommen pro Jahr etwa 250 Kinder unter 15 Jahren die Diagnose Krebs. Insgesamt macht Kinderkrebs weniger als 1 % aller Krebsfälle aus. 
  • Kindliche Tumoren sind vielfältig und in viele kleine Gruppen aufgeteilt, deshalb gibt es nur wenige Fälle pro Art. Das macht die Entwicklung neuer Therapien schwer und zeigt, wie wichtig gemeinsame Studien an mehreren Kliniken sind. 
  • Die häufigsten Krebsarten bei kleinen Kindern sind Leukämien, Hirntumoren und Neuroblastome. Bei Jugendlichen kommen Keimzelltumoren und Sarkome dazu. 
  • Die Heilungschancen sind heute gut: Mehr als 80 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen überleben fünf Jahre nach der Diagnose. 

 

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