Dr. Eva Brack, Sie sind Oberärztin auf der Kinderonkologie am Inselspital Bern. Weshalb setzen Sie sich für Kinder mit Krebs ein?
Dr. Eva Brack: Ich arbeite als Ärztin für krebskranke Kinder, weil mich ihr Schicksal und das ihrer Familien tief berühren. Es ist eine schwere Zeit voller Angst, Sorgen und Hoffnung. Ich möchte helfen, diese Zeit etwas sicherer und planbarer zu machen.
Was motiviert Sie persönlich an Ihrer Arbeit, auch als Forscherin?
Viele Kinder sterben noch immer an Krebs oder leiden ein Leben lang unter den Folgen. Das macht mich traurig und wütend. Gleichzeitig fasziniert mich die Forschung: Wie entsteht Krebs? Wie können wir ihn besser behandeln und Therapien sicherer machen? Ich sehe täglich, wie schnell eine Infektion während der Chemotherapie gefährlich wird. Manchmal zählt jede Stunde. Deshalb nutzen wir neue, alltagstaugliche Technologien, zum Beispiel ein System zur automatischen Temperaturüberwachung. So können wir früher eingreifen, Familien im Alltag besser unterstützen und Komplikationen verringern.
Das heisst, Fieber kann während einer Chemotherapie rasch lebensbedrohlich werden?
Ja, denn die Chemotherapie schwächt das Immunsystem und senkt die sogenannten neutrophilen Granulozyten. Diese sind für die Abwehr von Bakterien sehr wichtig. Fieber über 39°C ist häufig ein Zeichen einer beginnenden Sepsis. Das ist eine Blutvergiftung durch Bakterien, die zu Organversagen führen kann. Fieber ist oft das erste und manchmal einzige Warnzeichen. Daher ist Fieber bei diesen Kindern ein Notfall! Sie müssen sofort ins Krankenhaus und Antibiotika erhalten. Werden Kinder rechtzeitig behandelt, sterben heute weniger als vier von 100 Kindern an dieser Komplikation. Früher waren es über 50.


