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«Meine Träume halten mich am Leben»

Profiseglerin Adriana Kostiw hat sich mit den Besten dieser Welt gemessen. Dann kam der Wettkampf gegen einen besonders zähen Gegner: den Krebs. Nach einer therapiebedingten Zwangspause segelt die Olympionikin für die Krebsliga Bern mit Krebsbetroffenen und schmiedet Pläne für die Zukunft.

Segel straffen, aufschliessen, bereit zum Halsen: Skipperin Adriana Kostiw zeigt Aline Milesi, wohin die Reise geht.

Sie haben im Jahr 2019 die Diagnose Krebs erhalten. Inwieweit beeinflusste dies Ihr Leben und Ihre Pläne?
Auf einen Schlag ist alles anders geworden. Von der ersten Sekunde an war mir klar, dass ich überleben wollte. Ein enger Kontakt mit der Natur war mir auch während der Therapie wichtig, selbst als mich die Chemotherapie total aus der Bahn warf. Ich wollte mich von der Diagnose nicht zu sehr vereinnahmen lassen; dem Krebs, den Arztkonsultationen und dem Spitalalltag nicht zu viel Platz überlassen. Dabei verlor ich mein Ziel, irgendwann wieder an Wettkämpfen teilnehmen zu können, nie aus den Augen. Das hat mir enorm geholfen, schwierige Zeiten zu überstehen. Es braucht eine starke Liebe und Passion für etwas, um zu überleben. Das ist manchmal schwer, doch unabhängig von Ort und Situation lässt sich fast immer etwas finden, das einen begeistert und antreibt – so meine feste Überzeugung. Ebenso wichtig ist Bewegung, draussen zu sein, etwas zu unternehmen. Denn gerade in der Natur zeigt sich, wie unglaublich schön und reich das Leben ist.

Was hat sich während der Therapie sonst noch als hilfreich erwiesen?
Im Spital ermunterte man mich schon früh, wieder aufs Boot zu gehen. Ein Rat, der sich ausbezahlt hat, sich aber nicht immer umsetzen liess. Nach der Chemotherapie ging es mir oft zwei bis drei Tage so schlecht, dass ich kaum laufen konnte und mich regelrecht durch den Tag schleppte. Lustigerweise erhielt ich von unerwarteter Seite Hilfe: Meine Katze stupste mich in diesen eher qualvollen Tagen so lange mit dem Kopf, bis ich aufstand und mit ihr nach draussen ging. So startete ich mit jeweils zehnminütigen Spaziergängen, wie es der Arzt angeordnet hatte. Meine Katze wich dabei nicht von meiner Seite und drängte mich Tag für Tag von Neuem, an die frische Luft zu gehen.

Mittlerweile haben Sie bereits mehrere Törns mit Krebsbetroffenen auf dem Thunersee durchgeführt. Wie kommt dieses Angebot an?
Wir sind zusammen auf dem See, im gleichen Boot, mit ähnlichen Erfahrungen – das ist eine ganz besondere Situation. Die meisten sind zu Beginn sehr ruhig und tragen aufgrund ihrer Erkrankung viele Sorgen mit sich. Mein Ziel ist es, dass alle an Bord schöne Momente erleben. Die Zeit auf dem Boot ist sehr intensiv: Da ist der Wind, da sind die Berge, die Wellen und die Manöver, die volle Aufmerksamkeit erfordern. Wir steuern ein Ziel an, kommen voran, tauschen uns aus. Die Gespräche drehen sich um alles Mögliche. Das Segeln macht immer etwas mit den Menschen. Die meisten Gesichter sind gelöst, wenn wir wieder an Land sind – viele lachen, sind glücklich.

Treffen Sie besondere Vorkehrungen für die Segeltörns mit Krebsbetroffenen?
Sicherheit ist mir ganz wichtig – wenn vulnerablere Menschen mit an Bord sind, noch mehr als sonst. Das Boot selbst prüfe ich bereits am Tag vor dem eigentlichen Törn. Doch auch bei einem plötzlichen Wetterumschwung lautet die Devise immer: Safety first. Beim Tempo mache ich ebenfalls Anpassungen und setze zum Beispiel kein zweites Segel, damit wir nicht zu schnell unterwegs sind. Einkalkulieren muss ich auch, dass einige vielleicht noch keine Segelerfahrungen haben, an bestimmten Körperstellen Schmerzen verspüren oder gesundheitlich stark angeschlagen sind. Wichtig ist mir, dass die Leute wieder Vertrauen in sich gewinnen. Vielleicht kämpft jemand mit muskulären Problemen in den Armen und es fehlt an der nötigen Kraft, um das Segel zu hissen. Womöglich reicht sie aber, um die Kurbel zu betätigen. Und Kommandos lassen sich sogar ganz ohne Muskelkraft erteilen. Kurz: Wir finden eigentlich immer eine Lösung.

Wenn der Wind dreht. Während des Segeltörns auf dem Thunersee wird klar, wie wichtig Teamwork und Kommunikation sind.

Sie segeln seit dem neunten Lebensjahr. Woher rührt diese Faszination?
Das Leben auf dem Boot ist extrem vielseitig: Man ist in der Natur und den natürlichen Kräften wie Wind und Wasser ausgesetzt. Es gilt, das Boot zu kontrollieren und zu manövrieren, mit den meteorologischen Voraussetzungen klarzukommen, die Logistik im Auge zu behalten, zu planen, zu koordinieren. Segeln ist ein äusserst komplexer Sport, bei dem alles aufeinander abgestimmt werden muss und der manchmal vollen Körpereinsatz erfordert. Auch das Reisen und der Kontakt mit anderen Kulturen faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Kommt hinzu: Manchmal bin ich solo, manchmal im Team unterwegs. Diese unterschiedlichen Herausforderungen habe ich in fast 40 Jahren auf See schätzen und lieben gelernt.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich versuche ganz intensiv das zu tun, was ich liebe: auf dem Wasser sein und segeln. Die Krebstherapie hat ihre Spuren hinterlassen; ich verfüge heute noch über ungefähr 60 Prozent meiner ursprünglichen Muskelkraft. Um Wettkämpfe zu bestreiten, reicht dies allemal. Ich möchte als Nächstes ein Projekt realisieren, von dem ich schon als 19-Jährige geträumt habe: die Teilnahme an einer Solo-Regatta um die Welt. Natürlich weiss ich nicht, ob der Krebs zurückkommen wird. Diesbezüglich gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Doch wenn ich am Segeln bin, denke ich nicht an diese Möglichkeit. Meine Träume halten mich am Leben.

Text: Tanja Aebli, Fotos: Rahel Krabichler

Hilfe für Betroffene und Nahestehende

Die 18 kantonalen und regionalen Krebsligen beraten und begleiten in allen Phasen der Krebserkrankung. Sie unterstützen bei der Organisation von Entlastung, beim Kontakt mit den  Sozialversicherungen und bei Bedarf auch finanziell. Weiter informieren sie rund um das Thema Krebs und veranstalten Workshops, Kurse, Seminare und Vorträge. Die Angebote sind meist kostenlos und richten sich an Krebsbetroffene, Nahestehende und Interessierte. Informieren Sie sich bei der Krebsliga in Ihrer Region:

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