Text: Pia Schüpbach, Fotos: Sophie Frei, ZVG
Die Siebenjährige schleppt ihre Zuckerwatte-Maschine in die Nähe der Steckdose. «Welche Sorte möchtet ihr?», fragt sie den Besuch. Das Zuhause der beiden ist ein kleiner Spielplatz, gebaut von Danny. Im Innern des Häuschens nahe bei Bern führt neben der Treppe auch eine Rutschbahn in den unteren Stock. Auf dem eingebauten Zwischenstock aus Holz und Metall lädt ein Sofa zum Lümmeln ein. Darunter eine gestreifte Hängematte und eine weitere Matte mit vielen Kissen. Danny lacht. «Kein Wunder, haben wir häufig andere Kinder zu Besuch.»
Die Beziehung zwischen Vater und Tochter ist eng. Um Charlie wegen seiner Narbe am Bauch zu beruhigen, hat er sich ein Tattoo stechen lassen. Das Bild zeigt, wie «Peppa Wutz» einen Krebs aus dem Wasser zieht. «Dann», sagt Danny, «hat Charlie verstanden, dass die Narbe etwas Gutes hat.»
Als ihr Papa die Diagnose Hodenkrebs erhält, ist Charlie zwei Monate alt. Monatelang googelt Danny nach möglichen Ursachen für seinen vergrösserten Hoden und gibt sich mit der Erklärung Leistenbruch zufrieden. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl. Schamgefühle hindern ihn zuerst, zu seiner Ärztin zu gehen. Als er sich überwindet, hört er die Worte, die niemand hören will: «Sie haben Krebs.» Danny erinnert sich, wie er vor einer Voliere steht und unter Tränen seine Mutter anruft. Das zweite Telefonat führt er mit einem Freund, der Hodenkrebs durchgemacht und überstanden hat. Das mindert die Angst etwas.
«Sie ist das Beste, was mir passiert ist»
Aber Danny macht harte Zeiten durch. Am Abend geht er weinend ins Bett, am Morgen steht er weinend wieder auf. Bis er irgendwann findet: «So geht es nicht weiter, du hast ein Leben. Und du hast Charlie.» Zwar war es nie sein Plan, Kinder zu haben. Das ändert sich mit dem ersten Schrei seiner Tochter: «Sie ist das Beste, was mir passiert ist.»
Dannys Verlauf ist ungewöhnlich. Nach neun Monaten kommt sein Krebs zurück. Erneut steht eine hochdosierte Chemotherapie an. Danny erinnert sich an die Worte seines Vaters nach einem Armbruch: «Das beginnt sofort zu heilen.» So sieht Danny auch die Chemo als etwas Positives. Sie muss sein, weil sie heilt. Doch er kämpft mit Sehschwäche, Gleichgewichtsstörungen, er verliert Zähne. Und die Haare. Es schüttelt ihn durch.
Glatze statt Chruseli
Danny baut sich selbst auf. «Ich stellte mir vor, wie es erst für eine Frau sein muss, alle Haare zu verlieren, wenn sie zuvor eine Mähne hatte», und sagt sich: «Danny, hör uf gränne wegen der paar Härchen.» Er hofft auf Chruseli nach der Chemo. Stattdessen wachsen nur etwas dunklere Haare nach. Danny rasiert sich den Schädel. Seither gehört die Glatze zu ihm wie die Tattoos auf dem ganzen Körper.
Täglich gibt es kleine Lichtblicke im Spital, wenn Charlie mit ihrer Mutter zu Besuch kommt und die kleine Familie zusammen frühstückt. Danach saust Danny mit Charlie im Chemowägeli durch die Gänge. «Das fand sie so lustig.»
Nach drei Monaten Chemo ist Danny nudelfertig. Dazu kommt kurz darauf die Trennung von seiner Partnerin und wenige Wochen später zeigt eine Untersuchung, dass sich ein Lymphknoten im Bauch vergrössert hat. Um kein Risiko einzugehen, stellt sich Danny der komplizierten Operation.


