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KrebsligaÜber KrebsLeben mit & nach KrebsDanny: «Ich will ein Superpapi sein!»
Leben und KrebsMeine Geschichte

Danny: «Ich will ein Superpapi sein!»

29. April 2026

Danny erhielt viel Fanpost als Snowboarder, Motocrosser und Töffbauer. Heute freut sich der Berner am meisten über die Briefchen seiner Tochter. Das ist die Geschichte eines Vaters, der nach Hodenkrebs sein Leben umkrempelt – dank und für Charlie (7).

Danny und seine Tochter – ein Dreamteam

Text: Pia Schüpbach, Fotos: Sophie Frei, ZVG

Die Siebenjährige schleppt ihre Zuckerwatte-Maschine in die Nähe der Steckdose. «Welche Sorte möchtet ihr?», fragt sie den Besuch. Das Zuhause der beiden ist ein kleiner Spielplatz, gebaut von Danny. Im Innern des Häuschens nahe bei Bern führt neben der Treppe auch eine Rutschbahn in den unteren Stock. Auf dem eingebauten Zwischenstock aus Holz und Metall lädt ein Sofa zum Lümmeln ein. Darunter eine gestreifte Hängematte und eine weitere Matte mit vielen Kissen. Danny lacht. «Kein Wunder, haben wir häufig andere Kinder zu Besuch.»

Die Beziehung zwischen Vater und Tochter ist eng. Um Charlie wegen seiner Narbe am Bauch zu beruhigen, hat er sich ein Tattoo stechen lassen. Das Bild zeigt, wie «Peppa Wutz» einen Krebs aus dem Wasser zieht. «Dann», sagt Danny, «hat Charlie verstanden, dass die Narbe etwas Gutes hat.»

Als ihr Papa die Diagnose Hodenkrebs erhält, ist Charlie zwei Monate alt. Monatelang googelt Danny nach möglichen Ursachen für seinen vergrösserten Hoden und gibt sich mit der Erklärung Leistenbruch zufrieden. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl. Schamgefühle hindern ihn zuerst, zu seiner Ärztin zu gehen. Als er sich überwindet, hört er die Worte, die niemand hören will: «Sie haben Krebs.» Danny erinnert sich, wie er vor einer Voliere steht und unter Tränen seine Mutter anruft. Das zweite Telefonat führt er mit einem Freund, der Hodenkrebs durchgemacht und überstanden hat. Das mindert die Angst etwas.

 

«Sie ist das Beste, was mir passiert ist»

Aber Danny macht harte Zeiten durch. Am Abend geht er weinend ins Bett, am Morgen steht er weinend wieder auf. Bis er irgendwann findet: «So geht es nicht weiter, du hast ein Leben. Und du hast Charlie.» Zwar war es nie sein Plan, Kinder zu haben. Das ändert sich mit dem ersten Schrei seiner Tochter: «Sie ist das Beste, was mir passiert ist.»

Dannys Verlauf ist ungewöhnlich. Nach neun Monaten kommt sein Krebs zurück. Erneut steht eine hochdosierte Chemotherapie an. Danny erinnert sich an die Worte seines Vaters nach einem Armbruch: «Das beginnt sofort zu heilen.» So sieht Danny auch die Chemo als etwas Positives. Sie muss sein, weil sie heilt. Doch er kämpft mit Sehschwäche, Gleichgewichtsstörungen, er verliert Zähne. Und die Haare. Es schüttelt ihn durch.

 

Glatze statt Chruseli

Danny baut sich selbst auf. «Ich stellte mir vor, wie es erst für eine Frau sein muss, alle Haare zu verlieren, wenn sie zuvor eine Mähne hatte», und sagt sich: «Danny, hör uf gränne wegen der paar Härchen.» Er hofft auf Chruseli nach der Chemo. Stattdessen wachsen nur etwas dunklere Haare nach. Danny rasiert sich den Schädel. Seither gehört die Glatze zu ihm wie die Tattoos auf dem ganzen Körper.

Täglich gibt es kleine Lichtblicke im Spital, wenn Charlie mit ihrer Mutter zu Besuch kommt und die kleine Familie zusammen frühstückt. Danach saust Danny mit Charlie im Chemowägeli durch die Gänge. «Das fand sie so lustig.»

Nach drei Monaten Chemo ist Danny nudelfertig. Dazu kommt kurz darauf die Trennung von seiner Partnerin und wenige Wochen später zeigt eine Untersuchung, dass sich ein Lymphknoten im Bauch vergrössert hat. Um kein Risiko einzugehen, stellt sich Danny der komplizierten Operation.

Auf dem Gipfel: Danny war ein umjubelter Star im Motocross. Hier bei einer Bike-Show in Barcelona sechs Monate vor der Krebsdiagnose. Am Boden: Die hochdosierte Chemotherapie verlangte Danny alles ab.

Vom Motocrosser zum Chopper-Bauer

Es ist das zweite Mal im Leben, dass sich Danny umorientieren muss. Ein paar Jahre vor der Diagnose steht Danny als Snowboarder und BMX-Fahrer im Rampenlicht, im Freestyle-Motocrosser gehört er gar zur Weltspitze. Bis zu einem fatalen Sturz bei einem acht Meter hohen Sprung mit dem Töff. Der 49. Knochenbruch ist einer zu viel, Dannys Fuss «nur noch Mus», seine Karriere zu Ende. Tagsüber arbeitet Danny nun im Lackiergeschäft seines Vaters, in der Nacht restauriert er in seiner kleinen Garage in Bern Oldtimer-Motorräder. Er schafft es unter die weltbesten Chopper-Bauer, tritt bei Kurt Aeschbacher in dessen Sendung «Aeschbacher» auf und wird in der Szene ein Star. Sein Ruf reicht bis nach Japan und in die USA.

Danny bei einem Rennen in Valence

Auf der Fensterbank steht noch ein einziger Pokal, alle anderen hat er entsorgt – er hatte schlichtweg zu viele davon. «Ich glaube, da bin ich Dritter geworden an der WM der Töffbauer.» Auf der anderen Seite zieren Töffhelme die Fensterbank, an der Wand hängen Motocross-Trikots, Surfbretter und dazwischen Zeichnungen von Charlie.

«Ich war es immer gewohnt, eine Entourage um mich herum zu haben, die alles managt», erzählt Danny. Nach seiner Krebsdiagnose spürt er: «Am Ende des Tages ist jede und jeder allein, kein Team kann helfen.» Danny tankt Kraft aus sich selbst. Und aus Charlie. «Ich war immer ein Stehaufmännchen, aber meine Tochter hat dafür gesorgt, dass mein Wille unbändig war, alles zu schaffen und bis heute gesund zu leben.» Er krempelt sein Leben radikal um.

 

Vom Geniesser zum Asketen

Das muss er auch. Denn die Chemo hat Spuren hinterlassen. Weil das Gefühl in den Fingerspitzen fehlt, hat Danny mehr Mühe, Töffs zu bauen. Auch das Gleichgewicht des einstigen Extremsportlers ist nicht mehr das Gleiche. «Darum trainiere ich so viel Jiu-Jitsu auf der Matte, so kann ich einigermassen sicher wieder Töff fahren.» Danny stellt seine Ernährung um, verzichtet auf Alkohol. Fürs Training muss er nicht einmal ins Fitnessstudio. Denn sein Zuhause ist auch eine kleine Sporthalle. Im unteren Stock des Hauses liegen Hanteln neben einem Balancetrainer, ein Boxsack baumelt mitten im Raum und an der Stahlkonstruktion hängt ein Schlingentrainer. An die eine Wand hat er Klettergriffe montiert. Wie fit Danny ist, spürt auch sein Töchterchen. Im Nu hebt er ihre 28 Kilo hoch und schwingt Charlie fürs Titelbild dieser Ausgabe über die Schultern.

Seit fünf Jahren arbeitet Danny an einer Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Mit den Jugendlichen schweisst er Silberschmuck, repariert Velos, unterrichtet aber auch Schulfächer oder macht eine 1:1-Betreuung. «Es ist manchmal sehr anstrengend, gibt mir aber auch viel.»

 

Glücklich abseits des Rampenlichts

Sein Leben ist heute viel ruhiger. «Das Rampenlicht fehlt mir überhaupt nicht.» Lieber trainiert er eine Kindergruppe im Jiu-Jitsu, statt mit seinen Sponsoren an einer Rennpiste zu stehen.

Jeweils die halbe Woche lebt Charlie bei ihm. Seit vier Jahren ist Danny Single und hält den Kreis seiner Freunde bewusst klein. «Ich habe keine Lust auf Drama und Gossip.» Hat er «Danny-Zeit», steht er um 7 Uhr auf, trainiert, fährt Töff oder Snowboard. Am liebsten ist ihm indes «Charlie-Zeit». Mit ihr lebt er «total im Moment». Schon in seiner Zeit als Extremsportler hat er gelernt: Ein Fehler und alles ist vorbei.

Dannys Alltag scheint unspektakulär. Mal Rambazamba zu Hause mit Charlies Freundinnen, mal ein Marienkäferchen retten oder mal einen Cervelat bräteln am Feuer. Danny hat erlebt, dass nichts selbstverständlich ist und der Krebs jederzeit zurückkehren kann. «Darum generiere ich besondere Momente für Charlie. Ich will ein Superpapi sein. Und bin ich mal nicht mehr da, hat Charlie hoffentlich viele schöne Erinnerungen.»

Neue Kampagne: Danny ist eines der Aushängeschilder

«Papi, warum bist du eigentlich auf all diesen Bildern zu sehen», fragt Charlie. Danny antwortet: «Weil ich möchte, dass die Menschen über Krebs reden.» Der 51-Jährige zeigt sein Gesicht bei der Kampagne der Krebsliga, die am Weltkrebstag (4. Februar) startete. «Okay, dann zähle ich alle Plakate mit deinem Foto», antwortet Charlie. Und fügt an: «Ich müsste doch auch auf einem Plakat sein mit meinem verletzten Finger.»
Danny geht mit seiner Geschichte offen um, weil er hofft, anderen damit zu helfen. Er verkörpert das Sujet Krebskämpfer. Die Kampagne bildet Gefühle und Rollen ab – wie Kraft, Wut, Würde oder Hoffnung. Das Ziel: Nähe und Vertrauen zu schaffen sowie die Krebsliga als empathische und verlässliche Organisation sichtbar zu machen.

krebsliga.ch/awareness

Hodenkrebs: Verständliche Infos auf 76 Seiten

Hodenkrebs ist eine seltene Krebsart. Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 470 Männer an Hodenkrebs. Hodenkrebs macht etwa zwei Prozent aller Krebskrankheiten bei Männern aus. Bei Männern unter 40 Jahren ist sie allerdings die häufigste Krebsart. Hodenkrebs wird in einem frühen und auch in einem späteren Krankheitsstadium bei der überwiegenden Mehrzahl der Betroffenen geheilt. Mitten im Leben stellen sich plötzlich viele Fragen. Antworten liefert die Broschüre:

https://krebsliga.ch/hodenkrebs-shop

 

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