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«Es gibt immer wieder eine Tür, die überraschend aufgehen kann.»

Mehrmals hätte Heidi Mani sterben können. Aber die Krebspatientin überlebte jedes Mal und verlor nie ihren Lebensmut. Auch nicht, als sie ihren Sohn verlor. Lesen Sie hier die eindrückliche Geschichte von Heidi Mani und zudem ein Interview mit ihrem Onkologen.

Heidi Mani spaziert gerne am Zürichsee.

Die Augen von Heidi Mani leuchten, sie strahlt über das ganze Gesicht. Der Schlauch, der den Sauerstofftank in ihrem Rucksack mit ihrer Nase verbindet, kann die Lebensfreude der quirligen 76-Jährigen nicht trüben. Obwohl die Zürcherin schwere Schicksalsschläge in ihrem Leben erleiden musste, konnte sie ihre positive Lebenseinstellung aufrechterhalten.

1967 ging Heidi Mani als Au-pair nach New York und beschloss, für immer in den USA zu bleiben. Sie lebte an verschiedenen Orten und wurde Mutter von Thomas und Marco. Thomas wurde dann mit 19 Jahren von einem Betrunkenen überfahren. «Das war ein grosser Schock. Ich habe für Thomas und vor allem für Marco weitergelebt», erzählt sie. Zu diesem Zeitpunkt beschloss Heidi Mani nach über 30 Jahren, mit dem Rauchen aufzuhören. Zuletzt hatte sie ein Päckchen pro Tag geraucht. «Ich wollte nicht, dass ich einen Lungentumor bekomme und dass Marco seine Mutter verliert.» Doch der Lungentumor kam trotzdem – 25 Jahre später. Ob der Krebs tatsächlich aufs Rauchen zurückzuführen sei, konnten die Ärzte jedoch nicht beantworten.

Nachdem bei Heidi Mani unheilbarer Lungenkrebs mit Ablegern im Gehirn diagnostiziert worden war, veränderte sich das Leben der ehemaligen Hostess noch einmal. Die amerikanischen Ärzte prognostizierten ihr eine Lebenserwartung von drei Monaten.

Rückkehr in die Schweiz

In den USA wurde das metastasierende Bronchialkarzinom mehrfach mit Chemotherapie und Bestrahlung behandelt, was sie jedoch nicht gut verträgt. «Im Gegenteil, der Lungentumor wuchs sogar weiter, und ich fühlte mich sehr krank», erinnert sich Heidi Mani. Nach dem Versagen der Chemotherapie unterziehen sie die Ärzte einer neuen Immuntherapie, die zu wirken scheint. Diese Therapien zielen mit verschiedenen Methoden darauf ab, die Verteidigungsstrategien von Krebszellen mit sogenannten T-Zellen zu durchbrechen. Durch die Behandlung erhält Heidi Mani unverhofft eine neue Perspektive, doch ihre Lebenserwartung beträgt immer noch nur wenige Monate. «Diese Prognose war schwierig für mich. Ich wollte nicht ersticken. Deshalb entschied ich mich, mit Exit in der Schweiz zu sterben», sagt sie. Die Wahlamerikanerin liess in New Jersey ihren Sohn Marco (43), seine Frau Katrina (49) und die Enkel Thomas (15) und Alexis (11) zurück und siedelt 2018 mit nur zwei Koffern in einer Nacht- und Nebelaktion nach Zürich um.

In der Schweiz führt das Onkozentrum Zürich die Immuntherapie erfolgreich weiter. «Wir konnten den Tumor fast vollständig auflösen», sagt der behandelnde Onkologe Dr. Ulf Petrausch. «Immuntherapien sind bei etwa 20 Prozent der Krebspatienten erfolgreich, aber die Nebenwirkungen können heftig sein», so Petrausch weiter. Heidi Mani bleibt zwar davon verschont, doch dort, wo sich der Tumor in der Lunge befand, entsteht nach der Therapie eine infektiöse Höhle. Die Folgen sind lebensbedrohlich wie bei einer schweren Lungenentzündung – Heidi Manis Genesung scheint nun erst recht sehr unwahrscheinlich. Sohn Marco fliegt aus den USA ein, um sich von seiner todkranken Mutter, die auf der Palliativstation des Universitätsspital Zürich liegt, zu verabschieden. Allerdings besteht ein letzter Funken Hoffnung in einer drastischen Lösung: «Wir mussten den ganze rechten Lungenflügel herausoperieren. So konnten wir Heidi Mani vor dem Tod retten», erzählt Ulf Petrausch.

Hoffnung trotz neuer Metastase

Die Immuntherapie wird 2020 gestoppt, da keine Krebsaktivität mehr nachweisbar ist. Doch im Sommer 2021 verspürte Heidi Mani über längere Zeit Schmerzen an der Operationsnarbe bei der rechten Achselhöhle. Dort hatte sich ausserhalb des Körpers eine faustgrosse Metastase gebildet. Heidi Mani landet erneut notfallmässig im Spital, wird zweimal operiert und muss sich nochmals einer Immuntherapie unterziehen. Danach scheint der Krebs abermals ruhig zu sein.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz hatte sich Heidi Mani auch bei der Krebsliga Zürich telefonisch über ihre Erkrankung informiert. Jetzt, da es ihr bessergeht, kann sie möglicherweise schon bald einer Selbsthilfegruppe mit Lungenkrebsbetroffenen beitreten. Die Krebsliga vermittelte ihr den Kontakt zur Selbsthilfe Zürich und einer Gruppe, welche sich im Aufbau befindet.  

Heidi Mani schlitterte mehrmals knapp am Tod vorbei und sie verlor einen Sohn. Mit ihrer Geschichte möchte sie anderen Menschen Mut machen und sie motivieren, positiv zu bleiben, auch wenn ihr bewusst ist, dass jeder Fall anders gelagert ist. Es sei wichtig, dass sich Schwerkranke auf neue Therapieformen einlassen. «Denn es gibt immer wieder eine Tür, die überraschend aufgehen kann. Man muss aber auch loslassen können, wenn es nicht mehr weiter geht.»

Text: Christian Franzoso
Bild: zur Verfügung gestellt

«Es ist immer besser, nicht zu rauchen»

PD Dr. med. Ulf Petrausch

PD Dr. med. Ulf Petrausch ist Onkologe am OnkoZentrum Zürich. Er behandelt Heidi Mani seit ihrer Rückkehr aus den USA in die Schweiz.

Herr Petrausch, nachdem Frau Mani 25 Jahre lang nicht mehr geraucht hatte, wurde bei ihr ein Lungentumor diagnostiziert. Ist dieser Krebs aufs Rauchen zurückzuführen?
Dr. Ulf Petrausch: Vier von fünf Lungenkrebsen werden mit dem Rauchen assoziiert. Die allermeisten Fälle sind also aufs Rauchen zurückzuführen. Auch wenn jemand vor über 25 Jahren das Rauchen aufgegeben hat, ist das Risiko, einen Krebs zu entwickeln, immer noch fast viermal höher als bei einer Person, die nie geraucht hat. Fünf Jahre nach dem Rauchstopp ist das Risiko sogar zwölfmal höher.

Was macht der Zigarettenrauch mit der Lunge?
Dieser Rauch ist ein sehr komplexes Stoffgemisch. Es besteht aus etwa 4800 verschiedenen Substanzen, von denen die allermeisten giftig sind. Da ist zum einen das Nikotin, also die Substanz, die ins Gehirn geht und dazu führt, dass ein Abhängigkeitsverhältnis aufgebaut wird. Zum anderen gibt es zahlreiche Radikale. Diese extrem aggressiven Substanzen greifen Moleküle an und zerstören sie. Und schliesslich kommt Kohlenmonoxid hinzu - ein Gas, das im Blut die Sauerstoffverhältnisse verändert und somit auch die Durchblutung stört. Wir gehen davon aus, dass diese drei Gruppen, kombiniert mit einer Veränderung des Immunsystems, dazu führen, dass Krebs entsteht.

Kann sich eine Lunge nach einem Rauchstopp erholen?
Nur teilweise. Durch das Rauchen werden bestimmte Strukturen wie die Lungenbläschen zerstört. Dadurch ist der Gasaustausch beeinträchtigt, was wiederum dazu führt, dass die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid nicht mehr richtig funktionieren. Eine vollständige Regeneration ist nicht möglich. Hingegen kann sich die Verklebung der Lungenhärchen aufgrund des Teers zurückbilden. Fazit: Je länger jemand raucht, desto grösser wird der strukturelle Schaden an der Lunge.

Gibt es einen Unterschied zwischen wenig und viel Rauchen, was die gesundheitlichen Konsequenzen anbelangt?
Wir können unterscheiden zwischen schweren Rauchern, die mehr als 20 Zigaretten pro Tag rauchen, und leichteren Rauchern, die eine bis vier Zigaretten rauchen. Im Vergleich mit nichtrauchenden Menschen ist das Risiko für die schweren Raucher, an Lungenkrebs zu erkranken, 23-mal höher. Bei leichten Rauchern drei- bis fünfmal.

Das heisst also, idealerweise raucht man gar nicht?
Ja! Es ist immer besser, nicht zu rauchen. Denn es gibt keine Grenze, die wir ziehen können, um zu sagen: Wenn jemand nur zwei Zigaretten täglich raucht, lässt sich Krebs vermeiden. Oder: Ab der fünften Zigarette wird die Krebsgefahr grösser. Das Risiko, mit Tabakkonsum die Lunge zu schädigen und damit Krebs auszulösen, besteht immer – egal, wie viel eine Person raucht.

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