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Isabel: Irgendwo ist immer ein Licht

Seit über zwei Jahren lebt Isabel mit Darmkrebs. Die 57-Jährige beschönigt ihre Krankheit nicht, lässt sich aber nicht davon unterkriegen. Anderen Betroffenen spricht sie Mut zu: «Man kann immer noch viel Schönes erleben.»

«Solange ich atme, kämpfe ich»

Isabels Geschichte zeichneten wir Anfang 2024 auf. Ende März 2024 ist Isabel von uns gegangen.

Isabels Händedruck ist fest, viel fester als es der zierlichen Frau zuzutrauen wäre. Sie sieht aus, als käme sie von einem Morgenspaziergang. Erfrischt, munter. Und vermeintlich gesund. «Auch meine Ärzte sagen, man sähe mir nichts an», erzählt Isabel lachend in ihrem Zuhause in Hunzenschwil AG.  

Doch Isabel ist schwerkrank. Im November 2021 erhielt sie die Diagnose Dickdarmkrebs, heute hat sie zusätzlich Metastasen auf der Leber, Wasser zwischen Rippen- und Lungenfell. Die letzte Chemotherapie liegt zwei Tage zurück. Trotz Schmerzen wollte die 57-Jährige das Interview nicht absagen. Zu wichtig ist ihr die Botschaft zum Tag der Kranken vom 3. März: «Zuversicht stärken!» 
 

«Solange ich atme, kämpfe ich» 

«Das ist genau mein Thema.» Klar, die Krebsdiagnose war ein Schock und nach einigen Jahren mit Blutarmut, Darmkrämpfen und nach mehreren Darmspiegelungen ohne Befund hätte sie diese Diagnose nicht erwartet. Sorgen machte sie sich vor allem um die anderen, um ihre Eltern und ihren Mann Hampi. Für sie war sofort klar: «Solange ich atme, kämpfe ich. Ich nehme jeden Tag, wie er ist und mache das, was ich machen kann.» Das möchte sie anderen Betroffenen mitgeben. «Manche Menschen sehen in einer Krebsdiagnose das Todesurteil und geben auf. Aber man kann trotzdem noch Schönes erleben.» Sie trotzt Krebs mit einer positiven Einstellung und auch alternativen Heilmethoden.  

So vieles der Krebs genommen hat, zumindest etwas hat er ihr geschenkt: eine neue Freiheit. «Ich muss nichts mehr. Eigentlich nicht mal gesund werden.» Zuvor war die Tierheilpraktikerin mit ihrer rollenden Beratungsstelle rund um die Uhr für die Ratsuchenden da. Auch abends oder am Wochenende. Das wurde ihr selbst manchmal zu viel. Dieser Druck ist nun weg. 

Ihre Resilienz, also die Kraft, schwierige Situationen zu überstehen, sieht sie in ihrem «Stieregrind». Ihr Motto: «Nicht mit mir.» Gleichzeitig möchte Isabel nichts beschönigen. Sie will kein Opfer sein, aber zwischendurch sei sie es doch. «Dann hadere, fluche, weine ich.» Wenn die Schmerzen kaum zu ertragen sind und sie das Leben vor der Krankheit vermisst, fokussiert sie ein «Licht am Ende des Tunnels». Es leuchte mal heller, mal weniger, der Zugang dazu sei mal verwinkelter, mal weniger. Aber er sei da. Das Glück sucht sie im Kleinen: «Es bringt mir nichts, von einer Wanderung auf die Rigi zu träumen, wenn ich schon beim Aufstehen vom Sofa ins Japsen komme. Doch ein Spaziergang um den Block ist besser als keiner.» 
 

Sinnstiftende Aufgabe als Peer 

Isabel engagierte sich eine Zeitlang als Peer auf derPeer-Plattform der Krebsliga Schweiz. Dort können sich Betroffene oder Angehörige mit Menschen austauschen, welche das Gleiche durchmachen. Diese Aufgabe gab Isabel viel. So konnte sie eine Frau mit Darmkrebs begleiten und ihr Zuversicht schenken. Isabel hingegen macht vieles mit sich selbst aus. «Ich rufe nicht meine beste Freundin an und sage, ich muss jetzt reden.» Sie hat ihren eigenen Weg gefunden. Zum Beispiel, indem sie regelmässig bloggt (isabelmitkrebs.ch) oder über ihr erstes halbes Jahr mit der Erkrankung schrieb: «Isabel mit Krebs. Ein steiniger Weg». Seit Februar 2023 ist ihr Buch unter diesem Titel im Handel erhältlich. Damit hofft sie, anderen Betroffenen Mut zu machen. 

Das neue Jahr hat traurig begonnen. Im Januar ist Leo gestorben – ihre 13-jährige Bulldogge. «Leo war zuletzt noch langsamer als ich beim Spazieren», erzählt sie. Der Begleiter fehlt. Doch Isabel wäre nicht Isabel, wenn sie der Situation nichts Gutes abgewinnen könnte: Zuletzt musste sie alle zwei Stunden nach Leo sehen, was das Jonglieren mit all den Therapieterminen zusätzlich erschwerte. In der Wohnung erinnern Fotos und eine Bulldogge aus Leder an Leo, seine Asche ruht auf dem Büchergestell in einem Totenkopf-Glas. «Da war mal Whisky drin», sagt Isabel und lacht. 

Zu Leos Verlust kam die dritte Absage an die Kostengutsprache für ein Medikament, in das sie viel Hoffnung gesteckt hatte. Zudem waren die Schmerzen so heftig wie nie zuvor. «Als würde mir jemand ein Messer in den Bauch rammen. Und ich fühle mich ständig, als hätte ich viel zu viel gegessen, weil die Leber geschwollen ist.» Heute geht es ihr so, dass sie sich wieder «als Mensch fühlt», dass sie «wieder denken kann und nicht nur weinen, weil diese Schmerzen so abartig sind». 
 

Pläne schmieden 

Isabels Rezept dagegen: Pläne schmieden. Hampi und sie haben beim Reisebüro Ferien in Auftrag gegeben. «Wahrscheinlich geht es im Mai nach Gran Canaria.» Die Sonne drückt durch den Hunzenschwiler Nebel. «Das wird ein guter Tag», sagt Isabel. «Heute Nachmittag schwinge ich mich aufs E-Bike.» Es werden wohl 20 Minuten nach Suhr und 20 Minuten zurück statt wie früher Stunden im Sattel. «Aber das ist doch immerhin etwas.» 

Text:  Pia Schüpbach Fotos: Sophie Frei (März 2024)

Krebsliga – Wie die Darmkrebsbetroffene Isabel ihre Zuversicht behält
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