Fürs aspect-Foto holt Mirjam ihre Malutensilien hervor: akkurat in zwei Boxen gesteckte Stifte. Fast ihr ganzer linker Unterarm ist noch von der Operationswunde gezeichnet, und auch Arm und Hand muss die Linkshänderin immer wieder trainieren. So beginnt sie neben der Ergotherapie zu malen und zu schreiben. Daraus entstehen nach den ersten zaghaften Kritzeleien ihre Mutmacher-Karten für Kinder im Spital. «Zuerst habe ich für meine Kinder Karten gestaltet mit ihren Lieblingstieren und einem Spruch.» Später liefert sie einem Luzerner Arzt als Geschenk 350 liebevoll gestaltete Kärtli mit Mutbotschaften. «Ich finde es schön, dass mein Malen so einen Sinn hat.»
Regelmässig schickt Mirjam WhatsApp-Nachrichten an ihre Liebsten, damit alle wissen, wie es ihr geht. Ihre Geschichte mit dem Krebs macht sie sichtbar – auf Papier, in Lettering und Zeichnungen, in Symbolen für ihre Lebensvision und Werte. «Das hat mir sehr geholfen bei der Verarbeitung.»
Schmerzen als Begleiter
Bis heute plagen Mirjam Schmerzen an Hals und Arm. «Es fühlt sich an, als würden Stromstösse durchzucken.» Sportarten wie Joggen kann sie deshalb nicht mehr ausüben. Stattdessen marschiert sie zügig durch die Wälder und Hügel rund um Netstal. Oft macht sie Halt bei einer Schlucht – für sie ein Kraftort. Nach wie vor kostet es sie viel Energie, den Alltag zu bewältigen. «Ich habe eine grosse innere Müdigkeit. Da reichen zwei Wochen Ferien am Meer nicht aus, um aufzutanken.»
Gleichzeitig sucht Mirjam in allem das Positive. «Heute ist ein guter Tag, um einen guten Tag zu haben.» Dieses Motto trägt sie durch dunklere Stunden. Mit der Diagnose hat sie sich verändert: Sie sagt, was sie denkt und was sie sich wünscht. «Und Jämmerlen ertrage ich kaum noch.» Stiller Begleiter bleibt das Gefühl, sich nicht mehr voll auf ihren eigenen Körper verlassen zu können.