Viele Menschen sind verunsichert, wenn in der Familie mehrere Personen an Krebs erkrankt sind. Oft kursieren Halbwahrheiten oder Mythen, die mehr verunsichern als helfen. In unserem neuen Beitrag beleuchten wir Mythen rund um die genetische Veranlagung.
Mythos 1: «Krebs ist vor allem erblich.»
Nur ein kleiner Teil aller Krebserkrankungen ist tatsächlich durch eine vererbte Genveränderung bedingt. Schätzungen liegen bei etwa 5–10%. Der Grossteil der Tumoren entsteht durch Veränderungen im Erbgut, die sich im Laufe des Lebens entwickeln, zum Beispiel durch Alterungsprozesse, Umwelteinflüsse oder zufällig.
Mythos 2: «In meiner Familie hatte niemand Krebs, also bin ich sicher.»
Auch ohne bekannte Krebsfälle in der Familie kann man an Krebs erkranken. Häufiger als Gene spielen andere Faktoren eine Rolle. Dazu zählen Rauchen, Ernährung, Bewegung, Alkohol oder bestimmte Infektionen.
Mythos 3: «Krebs überspringt eine Generation.»
Wird eine bestimmte Genmutation weitergegeben, erbt sie ein Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %.Sie überspringt also keine Generation. Erbt ein Kind die Mutation nicht, kann es sie auch nicht an seine eigenen Kinder weitergeben.
Mythos 4: «Genetische Veranlagung bedeutet: Ich bekomme sicher Krebs.»
Eine genetische Veranlagung erhöht das Risiko für eine Erkrankung, heisst aber nicht, dass man sie auf jeden Fall bekommt. Massnahmen zur Vorbeugung und Früherkennung sind bei erblichem Risiko besonders wichtig. Ein risikoarmer Lebensstil ist mit oder ohne Veranlagung empfehlenswert.
Mythos 5: «Wenn mehrere in der Familie Krebs haben, ist es automatisch erblich.»
Krebs kommt insgesamt häufig vor. Deshalb kann es in einer Familie manchmal mehrere Fälle geben, ohne dass eine Vererbung dahintersteckt – zum Beispiel durch Zufall oder durch gemeinsame Lebensgewohnheiten. Erst wenn bestimmte Hinweise vorliegen, wie frühes Erkrankungsalter, seltene Krebsarten oder mehrere betroffene Generationen, spricht man von einem Verdacht auf ein erbliches Tumorsyndrom.
Wann sollte ich mich beraten lassen?
Informieren Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, wenn in Ihrer Familie zum Beispiel eine bestimmte Krebsart mehrfach, sehr früh oder über mehrere Generationen hinweg auftritt. Gemeinsam können Sie besprechen, ob eine genetische Beratung sinnvoll ist. In einer genetischen Beratung wird gemeinsam geprüft, ob tatsächlich ein erhöhtes Risiko vorliegt, ob ein Gentest gemacht werden sollte und welche Vorsorge- oder Überwachungsmassnahmen sinnvoll sind.
Beitrag von Anna Zahno, Fachberaterin KrebsInfo


