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KrebsligaReflux: langanhaltende Beschwerden erhöhen Krebsrisiko

Reflux: langanhaltende Beschwerden erhöhen Krebsrisiko

20 bis 30 Prozent der Bevölkerung leiden unter Reflux. Bei leichten Fällen helfen einfache Massnahmen, um das Brennen in der Magengegend und andere Symptome zu lindern. Bei häufigen Beschwerden empfiehlt es sich jedoch, weitere Abklärungen zu treffen. Welche Folgen ein unbehandelter Reflux haben kann, erklärt Dr. med. Jörg Zehetner, Spezialist in Viszeralchirurgie in Bern, anlässlich der GERD Awareness-Woche.

Welches sind die klassischen Symptome bei Reflux?
Prof. Jörg Zehetner: Dazu gehören saures Aufstossen wie auch Sodbrennen – dieser brennende Schmerz in der Magengegend, der hinter das Brustbein und bis in Hals oder Rachen ausstrahlen kann. Reflux geht auf eine Schwäche des Schliessmuskels am Übergang der Speiseröhre zum Mageneingang zurück und ist oft gekoppelt mit einer starken Säureproduktion im Magen. Wenn der saure Magensaft nach oben fliesst, kann das vor allem in der Nacht störend sein und beim Schlafen einen Hustenreiz auslösen. Es gibt aber auch Patienten, die von weiteren Symptomen heimgesucht werden wie Heiserkeit oder Halskratzen.

Wie gut ist die Bevölkerung mit den Gefahren von Reflux vertraut?
Viele wissen über die Symptome Bescheid und kennen die Einsatzmöglichkeiten von Medikamenten. Wenig bekannt ist, dass langanhaltender, schwerer Reflux Schleimhautveränderungen und Krebs verursachen kann. Verschwinden die Beschwerden trotz der Einnahme von Medikamenten nicht, sollte man nicht einfach zuwarten, sondern rechtzeitig Hilfe suchen; je früher ein Speiseröhrenkarzinom entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. In der Schweiz erkranken jährlich 600 Personen daran, rund die Hälfte kann operiert werden.

Wenig bekannt ist, dass langanhaltender, schwerer Reflux Schleimhautveränderungen und Krebs verursachen kann.

Wer ist besonders gefährdet?
Von Reflux sind Männer wie Frauen gleichermassen betroffen. Speiseröhrenkrebs, der bei langjährigem Reflux auftreten kann, kommt bei Männern jedoch dreimal häufiger als bei Frauen vor. Reflux, Hernien und Speiseröhrenkrebs werden zudem familiär gehäuft beobachtet. Grundsätzlich kann Reflux aber in jedem Alter auftreten, sogar bei Neugeborenen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Übergewicht. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen und übermässiger Kaffeegenuss. Auch Stress kurbelt die Produktion von Magensäure an und begünstigt so Reflux.

Welches sind die wichtigsten Tipps für Menschen mit Reflux?
Der erste Schritt ist in der Regel eine Anpassung der Ernährung. Nahrungsmittel wie Knoblauch, Zwiebeln und Tomatensauce sollten vermieden werden. Auch Kaffee in rauen Mengen und dunkle Schokolade sind nicht zu empfehlen, weil sie den unteren Schliessmuskel der Speiseröhre öffnen können. Weiter ist es ratsam, das Abendessen möglichst früh einzunehmen, zumal Schlafen mit vollem Magen den Reflux verstärkt. Vielen hilft es überdies, das Kopfteil im Bett um rund 30 Grad zu heben. Auch ein Rauchstopp ist eine sinnvolle Massnahme.

Der erste Schritt ist in der Regel eine Anpassung der Ernährung.

Wann sollte ein Reflux vertieft abgeklärt bzw. behandelt werden?
Bei Menschen, die mehrmals in der Woche Reflux haben, können Medikamente zur Regulierung der Magensäure die Beschwerden zum Verschwinden bringen. Wer aber trotz der Einnahme von Medikamenten weiterhin mit Beschwerden kämpft, sollte einen Facharzt aufsuchen. Eine Magenspiegelung kann dann weitere Hinweise liefern, welche Massnahmen einzuleiten sind. Gerade bei refluxbedingten Schluckbeschwerden darf mit Abklärungen nicht zugewartet werden.

Welches sind die nächsten Schritte, wenn der Reflux erst einmal nachgewiesen ist?
Nebst der Magenspiegelung liefern die Säure- und Druckmessung der Speiseröhre weitere Hinweise zu Ursache und Ausmass eines Refluxes. Mittels eines Schluckröntgens lässt sich zudem prüfen, wie gut die Speiseröhre funktioniert. Die Therapie variiert je nach Befund. Wenn ein Reflux nachweisbar ist, die Speiseröhre aber normal aussieht, reicht eine medikamentöse Bedarfstherapie manchmal aus. Wenn die Untersuchungen aber Entzündungen, Vernarbungen oder Schleimhautveränderung in der Speiseröhre zutage fördern, kann dies auf einen sogenannten Barrett-Ösophagus hindeuten – eine Veränderung der Zellen der Speiseröhre, die eine Vorstufe zu Krebs ist. Hier gilt es zu prüfen, ob eine Reflux-Operation angezeigt ist.


Online-Referat: «REFLUX ALS RISIKOFAKTOR FÜR SPEISERÖHRENKREBS»
Mittwoch, 23. März 2022, 18.00 – 19.00 Uhr
(kostenlos)
Eine chronische nicht behandelte Refluxerkrankung ist ein Risikofaktor für Speiseröhrenkrebs. Dr. med. Jörg Zehetner erklärt in seinem Vortrag die Zusammenhänge und wie Reflux behandelt werden kann.
Anmeldung an info@krebsligabern.ch bis 18. März 2022

Weitere Infos:
https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/speiseroehrenkrebs-oesophaguskarzinom/

Beraten & informieren:
Der kostenlose Beratungs- und Informationsdienst «Krebstelefon» ist für alle Fragen rund um Krebs da; per Telefon, per Mail, im Chat oder per Skype.
Krebstelefon 0800 11 88 11, Beratung per E-Mail an helpline@krebsliga.ch.
https://www.krebsliga.ch/beratung-unterstuetzung/meine-frage-zu-krebs/krebstelefon/

Die letzte Zigarette:
Die Rauchstopplinie der Krebsliga unterstützt Raucherinnen und Raucher beim Ausstieg: www.stopsmoking.ch

Krebsrisiko senken:
Die «GERD Awareness Week» vom 21.–27. November 2021 will die Bevölkerung für Themen rund um die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) sensibilisieren und mit Aufklärung über Ernährung, Symptome und Therapie dazu beitragen, das Risiko für Speiseröhrenkarzinome zu reduzieren.