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Reto – Leukämie

Hoffen und kämpfen für ein Leben voller Zukunft

Nach 17 Operationen und einer Leukämie-Diagnose war Reto K. am Boden und mochte nicht mehr. Doch dann kämpfte er sich zurück ins Leben. Darin hat er seit seiner Kindheit Übung. Endlich scheint sich sein Leben zum Guten zu wenden: gesundheitlich und – dank dem Hilfsfonds der Krebsliga Schweiz – auch beruflich.

Reto

Die Kindheit und Jugend von Reto liest sich wie die Geschichte eines Menschen, der tapfer gegen Widerstände kämpft, immer neue Niederlagen einstecken muss und sich trotzdem wieder aufrappelt und weiter hofft. Und gerade jetzt, mit 24 Jahren, gibt es endlich Grund zur Hoffnung: In Retos Körper ist die Leukämie, die er mit 16 Jahren diagnostiziert bekam, nicht mehr messbar. Vielleicht erwartet ihn nun endlich das Leben, das er sich wünscht: ein Leben voller Zukunft.

Ein schwieriger Start
Mit vier Jahren muss Reto zum ersten Mal sein linkes Ohr operieren lassen. 16 weitere Eingriffe folgen. 17 Mal Spital, Vollnarkose, Vor- und Nachbehandlungen, verordnete Erholung zuhause und zähe Langeweile. Die Operationen können den hartnäckigen Einwucherungen im Ohr nur kurze Zeit etwas entgegenhalten. Reto verliert sein Gehör trotzdem. Heute trägt er zwei Hörgeräte, sogenannte Vibrant Sound Bridges (VSB), die ihm das Hören wieder ermöglichen.

Was sich so nüchtern zusammenfassen lässt, war für Reto ein unablässiges Hoffen, Bangen und Verzweifeln. «Durch die Operationen habe ich in der Schule oft gefehlt. Weil ich trotzdem stets gute Noten hatte, scheu war und immer weniger hören konnte, wurde ich gemobbt. Das war hart», erinnert er sich. Als es in der Oberstufe nicht besser wird, denkt er zum ersten Mal daran, sich das Leben zu nehmen. Reto ist gerade mal 13. «Ich mochte nicht mehr. Ich war so müde von den erfolglosen Operationen, müde vom Mobbing. Mir erschien mein Leben nicht mehr lebenswert.»

Und dann die Diagnose Blutkrebs
Dann, in der achten Klasse, geht es endlich bergauf. «Ich fand einen guten Kollegen und allmählich auch den Mut, für mich einzustehen.» Reto beginnt eine Lehre als Detailhandelsfachmann. «Ich merkte schon damals, dass ich anderen Menschen gerne helfe und den Austausch liebe.» Dann, zwei Monate nach Lehrbeginn, der Schwindelanfall und Zusammenbruch bei der Arbeit. «Ich dachte, mit meinem Gleichgewichtsorgan im Ohr stimmt etwas nicht.» Die Ärztin stellt fest, dass Retos linke Bauchseite hart ist. Danach geht alles schnell: Notfall, Bluttests, Urinprobe, Ultraschall. Und schliesslich die Diagnose Leukämie. Blutkrebs.

Reto und seine Eltern stehen unter Schock. «Ich dachte, jetzt sterbe ich! Und fragte mich: Weshalb wieder ich?», erzählt Reto. Und wieder Spital. Dieses Mal mit Dialyse und einer medikamentösen Chemotherapie. Drei Monate verbringt er danach zuhause. Wut, Trauer und Leere wechseln sich ab. «Ich habe in dieser Zeit viel nachgedacht, auch über den Tod. Und dann beschlossen, das Leben jetzt einfach zu geniessen und das zu tun, was mir wichtig ist. Schliesslich wusste ich nicht, wie lange dieses Leben noch dauern würde.» Reto beginnt, sich politisch zu engagieren, findet Freunde, arbeitet beim Berner Jugendtag und bei kulturellen Veranstaltungen mit und gründet mit Kollegen einen Tanzverein. Er bugsiert sich selber zurück ins Leben.
 

«Ich beschloss, das Leben einfach zu geniessen und das zu tun, was mir wichtig ist. Schliesslich wusste ich nicht, wie lange dieses Leben noch dauern würde.»
 

Plötzlich kam die Angst
2018 scheint alles in Ordnung: Reto hat die Lehre erfolgreich abgeschlossen, ist verliebt, und seine Leukämie ist stabil. Er wünscht sich geregelte Arbeitszeiten und wechselt vom Verkauf ins Büro. «Eigentlich schien für mich die Sonne. Trotzdem fühlte sich alles gedämpft und neblig an.» Plötzlich ist da Panik, die Angst, dass wieder etwas Schlimmes passieren wird. «Denn genau so war es bisher immer: Jedes Mal, wenn ich dachte, jetzt wird alles gut, kam der nächste Schlag.» Panikattacken, mittelschwere Depression, posttraumatische Belastungsstörung: So lautet die Diagnose des Psychiaters. Hinzu kommen existentielle Ängste. Reto arbeitet nur noch Teilzeit. Die Krankenkassen-Franchise, der Selbstbehalt und Dinge wie die Wehrpflichtersatzsteuer verschlingen viel Geld. Reto, der mit seiner Freundin in einer bescheidenen Wohnung lebt, weiss nicht mehr weiter. Seine Eltern, seine Freundin und ihre Eltern haben ihn schon mehrfach mit Geld unterstützt. «Der Gedanke, weiterhin Geld von ihnen in Anspruch zu nehmen, war mir unerträglich», sagt Reto.
Hinzu kommt die Erkenntnis, dass er nicht länger im Büro arbeiten kann:. «Die Arbeit schien mir so sinnlos, das verschlimmerte meine Depressionen.» Reto beschliesst, sich umschulen zu lassen. Er möchte sein Talent im Umgang mit Menschen nutzen und mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Doch die IV bezahlt ihm keine Umschulung.
 

«Endlich habe ich das Gefühl, angekommen und am richtigen Platz zu sein.»
 

Hilfsfonds der Krebsliga Schweiz hilft
«An diesem Punkt holte mich die Verzweiflung ein», erinnert sich Reto. Als er sich dann bei der Krebsliga Bern meldet, dort Gehör findet und finanzielle Unterstützung aus dem Hilfsfonds der Krebsliga Schweiz zugesichert bekommt, atmet er auf. «Endlich war da jemand, der mich ernst nahm und bereit war, meine Pläne zu unterstützen.» Mit der Unterstützung der Krebsliga kann Reto einen Teil der laufenden Kosten wie die hohen Krankenkassenbeiträge bezahlen. «Damit sind zwar nicht alle finanziellen Sorgen verschwunden. Doch das Leben ist leichter geworden.»
Reto beginnt im August 2020 seine Ausbildung zum Gemeindeanimator und findet eine 50 Prozent-Stelle als Jugendarbeiter. «Ich liebe die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Endlich habe ich das Gefühl, angekommen und am richtigen Platz zu sein.»
In drei Jahren wird Reto seine Ausbildung abgeschlossen haben und hofft, dann finanziell endlich unabhängig sein. Wenn bis dahin seine Leukämie nicht zurückkehrt, wird er unbeschwert nach vorne blicken können. Zum ersten Mal in seinem Leben.

Text: Barbara Lauber; Bild: Matthias Luggen

 

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