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Mit dem Fahrrad vom Atlantik bis ans Schwarze Meer

Die Diagnose Prostatakrebs hat Nick Leavers Welt erschüttert. Nach der Behandlung beschliesst er, etwas für seine Gesundheit und für andere Betroffene zu tun – ein bewegendes Abenteuer vom Atlantik bis ans Schwarze Meer beginnt.

Es war ein Jobangebot, das Nick Leaver in den 1980er-Jahren in die Schweiz führte. Nach einem einjährigen Abstecher nach Dubai kehrte der gebürtige Engländer und Alteisenhändler in die Schweiz zurück - und verliebte sich. 1989 beschlossen seine Freundin und er, nach England auszuwandern. Glückliche Jahre folgten. Die beiden heirateten, und bald kam Tochter Rebecca zur Welt. Nach sechs Jahren merkte Nick Leaver, dass er inzwischen doch mehr Schweizer als Engländer war. Seine Frau und er vermissten die eidgenössischen Gepflogenheiten. Also kehrte die Familie in die Schweiz zurück.

YouTube-Video führt zur Diagnose

Die Familie fand sich schnell in ihrer alten Umgebung zurecht, und bald erblickte die zweite Tochter Jessica das Licht der Welt. Beruflich war Nick Leaver wieder im Alteisenhandel tätig. Während seinen Mittagspausen schaute er oft kurze Videos auf YouTube. Besonders mochte er die Videos von Steven Fry, einem bekannten englischen Schriftsteller und Komiker. Fry gehört zu seinen Lieblingsschauspielern. Eines Tages lud Steven Fry plötzlich keine neuen Videos mehr hoch. Nick Leaver erinnert sich noch gut, wie er schon damals dachte, dass etwas nicht in Ordnung sei. Einige Monate später folgte die Erkenntnis: In einem fünfzehnminütigen Video erzählte Fry in seiner typisch britischen Manier, dass er an Prostatakrebs erkrankt sei und diesen in den letzten Monaten habe behandeln lassen. Im Video empfahl er seinen männlichen Zuschauern ab 60 Jahren, einen Prostata-spezifischen Antigen-Test (PSA-Test) durchzuführen. Nick Leaver war kein Hypochonder, doch er nahm sich Steven Frys Ratschlag zu Herzen. Also ging er einige Tage später zu seiner Hausärztin. Nick Leaver erinnert sich noch bestens an den Moment, als seine Hausärztin einen Tag später anrief und sagte: «Herr Leaver, Sie haben eventuell ein Problem, ich habe Ihnen einen Termin bei einem Urologen organisiert». Vier Wochen nach dem ersten PSA-Test lag er bereits im Spital.

Ist alles gut – oder kommt der Krebs zurück?

«Es musste alles sehr schnell gehen. Mein Urologe sagte, meine Prostata sei schon fast am Platzen», erzählt Nick Leaver. Unverzüglich wurde die Prostata mittels Da-Vinci-Operationstechnik entfernt. Das Da-Vinci-Operationssystem ist ein roboter-assistiertes Chirurgiesystem, mit dem minimalinvasive Operationen im urologischen und gynäkologischen Bereich durchgeführt werden. «Das Schlimmste für mich war nicht die Diagnose, sondern es meinen beiden Töchtern zu erzählen», erinnert sich Nick Leaver. Als Familie waren sie bereits vor seiner Diagnose mit Krebs in Berührung gekommen: Seine Schwägerin und seine Schwiegermutter hatten beide Brustkrebs. «Heute weiss ich, dass der Krebs mich bis zu meinem Lebensende begleiten wird. Dies gibt mir aber auch eine neue Perspektive. Ich verschiebe keine Vorhaben mehr, die mir ein Bedürfnis sind», erzählt Nick Leaver aufgestellt. Einen Monat später begann die Bestrahlungstherapie. «Sieben Wochen lang, jeden Tag. Es war enorm anstrengend und kräfteraubend», erinnert sich Nick Leaver. Zusätzlich zur Bestrahlung wird er mit einer Hormontherapie behandelt. Auf diese spricht er sehr gut an, leidet aber unter Hitzewallungen. Auch die Beziehung zu seiner Schwägerin intensivierte sich durch die gemeinsame Erfahrung. Bis heute tauschen sie sich regelmässig zu Therapieformen und Dingen aus, die ihnen guttun. Durch den Austausch mit seiner Schwägerin kam er auch in den Kontakt mit der Komplementärmedizin und ist heute überzeugt: «Die Schulmedizin hält mich am Leben. Mit der Ernährung und ausreichend Bewegung kann ich Nebenwirkungen der Therapie mindern.»

Etwas für sich und andere tun

Die Hormontherapie kann Nebenwirkungen wie Osteoporose oder Muskelschwund hervorrufen. Dagegen wollte Nick Leaver unbedingt etwas tun. Als Teenager war er viel auf dem Rad unterwegs und hatte schon einige längere Radtouren gemacht. Er entschloss sich, frühzeitig in Pension zu gehen, damit er eine längere Fahrradtour für sich und seine Gesundheit in Angriff nehmen konnte. Die Ursprungsidee war die Strecke vom Nordkap bis nach Gibraltar – also 5 000 Kilometer vom Norden bis in den Süden Europas. Die logistischen Herausforderungen wären jedoch zu gross geworden. Also plante er stattdessen einen Trip auf der Radroute «Euro6» von West- nach Osteuropa – vom Atlantik bis ans Schwarze Meer.
Es waren seine beiden Töchter, die ihn auf die Idee brachten, die Reise an eine Spendenkampagne für Betroffene mit Prostatakrebs zu koppeln.

Plötzlich musste es schnell gehen

Für die Spendenaktion nahm er Kontakt mit Mitarbeitenden der Krebsliga und der englischen Prostatakrebsorganisation «Prostate Cancer UK» auf. «Ich war mitten in der Detailplanung, als im Frühling aufgrund von Corona die Grenzen dichtgemacht wurden. Ich dachte bereits, dass der ganze Plan ins Wasser fallen würde», erzählt Nick Leaver. Als im Juni die Grenzen wieder öffneten, musste es plötzlich schnell gehen. Noch am selben Tag, als die Durchfahrt nach Frankreich wieder offen war, brachen seine Frau und er samt Fahrrad und Reisegepäck Richtung Atlantik auf. Am 17. Juni startete sein Abenteuer in Saint-Nazaire an der Mündung der Loire. Leider blieb keine Zeit mehr, um die Spendenaktion fertig zu planen.

Nächster Halt Diplomfeier

Seine Reise war in zwei Etappen geplant. Die erste führte ihn am Loire-Ufer entlang, an Rebbergen und malerischen Burgen vorbei. «Der Streckenabschnitt entlang des Doubs gefiel mir am besten», resümiert er. Abends schlug er das Zelt auf und kochte auf dem Gaskocher – er liebte dieses Gefühl von Freiheit, und es machte ihm nie etwas aus, jeden Tag aufs Neue aufs Rad zu steigen. Immer hatte er sein Ziel vor Augen: die Diplomfeier seiner Tochter Rebecca an der Hotelfachschule Luzern. In dreieinhalb Wochen fuhr er über 1 300 Kilometer bis nach Stäfa (ZH). Kurz vor der Ankunft wurde die Diplomfeier wegen Corona abgesagt. Überrascht wurde er jedoch von etwas ganz Anderem – nämlich von seiner Tochter Rebecca. Bei seiner Ankunft begrüsste sie ihn und sagte: «Schau, ich habe eine Überraschung für dich! Während du auf dem Fahrrad gesessen bist, habe ich die Spendenaktion wiederbelebt». Dies war einer der Höhepunkte in seinem bisherigen Leben: «Eltern sein, das ist einer der schönsten und schwierigsten Jobs zugleich. Jede Phase hat ihre Höhen und Tiefen. Mein Herz explodierte fast vor Stolz auf meine Tochter», erzählt Nick Leaver.

Zweite Welle auf der zweiten Etappe

Nach dem erneuten Abschied von seiner Familie brach Nick Leaver zur zweiten Etappe auf, die ihn bis an die Küste des Schwarzen Meeres führen sollte. Der härteste Abschnitt der ganzen Route war die Strecke vom Bodensee hinauf zur Donau – rund 862 Höhenmeter. «Auf dieser Strecke musste ich auf die Zähne beissen. Mein Fahrrad wog zusammen mit dem Gepäck rund 40 Kilogramm», erzählt Nick Leaver. Auf der Strecke zwischen Ulm und Wien (700 Kilometer) begleitete ihn seine Frau Monica – für Nick Leaver das grösste Highlight auf seinem Trip quer durch Europa. «Auf dieser Strecke haben wir dann doch meistens in einem Hotel übernachtet», erzählt er schmunzelnd, während Monica Leaver stolz entgegnet, dass sie doch insgesamt sechs Mal zusammen in einem Zelt geschlafen hätten. In Wien trennten sie sich und Nick Leaver kehrte zurück in den Campingmodus. Zu dieser Zeit wurde Europa von der zweiten Coronawelle heimgesucht. «Je näher ich Richtung Osten kam, desto intensiver verfolgte ich die Situation.»

Wie weiter

Kurz vor Budapest erfuhr Nick Leaver, dass einzelne Balkanstaaten begannen, ihre Grenzen zu schliessen. Serbien verlangte bei der Einreise einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein durfte. Dies in einem Gebiet, in dem Nick Leaver absolut keine Sprachkenntnisse hatte. «Anfangs sagte ich mir, das ist doch kein Problem. Doch je mehr sich die Situation zuspitzte, umso unsicherer wurde ich. Irgendwann wurde mir die Situation als Risikopatient zu gefährlich», resümiert er. Es war an der Zeit, die Reissleine zu ziehen. In Budapest hatte er einigermassen gute Zugverbindungen für die Rückreise. Im Nachhinein ist er zufrieden mit seiner Entscheidung, auch wenn er sein Ziel noch nicht erreichen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte er bereits über 4 100 Franken für Betroffene sammeln. «Meine Spendenaktion umfasst eine Tour vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer und nicht bloss bis Budapest. Die Aktion ist also noch nicht vorbei. Ich bin sehr dankbar für die vielen Spenden und schulde meinen Freunden, den Spenderinnen und Spendern und nicht zuletzt auch mir noch die restlichen 1400 Kilometer», sagt Nick strahlend.

Text: Luca Toneatti

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