Wegweisendes Früherkennungsprogramm, Fusion und Vision – das sind drei wichtige Stichworte für Regula Schneider. Als Geschäftsführende der Krebsliga Ostschweiz engagiert sie sich seit über 25 Jahren für die Anliegen der Krebsliga.
Regula Schneider, wenn Sie auf die letzten 25 Jahre zurückblicken; was war der wichtigste Meilenstein der Krebsliga?
Bezogen auf die Krebsliga Ostschweiz ist es der Aufbau und die Umsetzung von «donna», unser Brustkrebs-Früherkennungsprogramm im Kanton SG. Wir haben damit 2010 als erster Deutschschweizer Kanton den Grundstein für weitere Screeningprogramme gelegt (GR, BE, SO, AR, AI). Auch die Fusion der Krebsliga St. Gallen-Appenzell mit Glarus zur Krebsliga Ostschweiz im Jahr 2012 war schweizweit ein bedeutendes Zeichen für eine gelungene Regionalisierung, in dem Synergien nachhaltig genutzt und in der Verwaltung Aufgaben effizienter erledigt werden konnten.
Wie sah die Arbeit der Krebsliga damals aus und was hat sich seither am meisten verändert?
Vor über 25 Jahren bedeutete eine Krebsdiagnose für viele Betroffene ein Todesurteil. Heute leben dank der Forschung, verbesserten Therapien und der Früherkennung Krebsbetroffene länger und qualitativ besser. Trotzdem löst eine Krebsdiagnose noch heute viele Ängste und Unsicherheiten aus. Viele Betroffene leiden, da sie auch länger mit den gesundheitlichen Folgen einer Krebsbehandlung leben. Zudem hat das Thema Krebs und Armut in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine Krebserkrankung wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Die Komplexität der Fälle in unserer Beratungstätigkeit hat sich verstärkt.
«Unsere Vision liegt mir in meiner täglichen Arbeit am Herzen: Wir setzen uns ein für eine Welt, in der weniger Menschen an den Folgen von Krebs leiden und sterben.»
Regula Schneider Geschäftsführerin Krebsliga Ostschweiz
Gab es Momente, in denen Sie gespürt haben: Jetzt bewegen wir etwas?
Da kommen mir spontan zwei Leuchtturm-Projekte der Krebsliga Ostschweiz in den Sinn: der Palliative Brückendienst und die Fachberatung Cancer Survivorship. Der Palliative Brückendienst – ein mobiler spezialisierter Palliative-Care-Dienst (MPD) – besteht seit über 20 Jahren und ist heute in der palliativen Versorgung in der Ostschweiz nicht mehr wegzudenken. Nach jahrelangem Kampf um eine gerechte Finanzierung, verfügen wir heute über drei kantonale Leistungsvereinbarungen mit soliden Unterstützungsbeiträgen. Und mit dem Aufbau der Fachstelle Cancer Survivorship stehen endlich die vielschichtigen Bedürfnisse von Langzeitüberlebenden im Fokus.
Welche Entwicklungen innerhalb des Verbands haben Sie besonders geprägt und inspiriert?
Einerseits die Arbeiten zur einheitlichen Definierung und Beschreibung unseres flächendeckenden Grundangebotes «Beratung & Unterstützung bei der Krebsliga» im Rahmen des Verbandsentwicklungsprojekts Futura 2013-2017. Andererseits die Umsetzung der Harmonisierung unserer Kernangebote als eine von verschiedenen strategischen Zielen der Verbandsstrategie 2021-2026. Heute werden vermehrt Projekte von Beginn weg gemeinsam im Verband entwickelt – das stärkt das WIR-Gefühl.
Wie schafft man es, in einer Organisation menschlich und professionell zugleich zu sein?
Indem wir uns immer wieder von Menschen und Geschichten berühren lassen, die Bedürfnisse der Krebsbetroffenen in den Mittelpunkt stellen, uns immer weiterentwickeln und unsere Fachkompetenzen stärken.
Was motiviert Sie auch nach einem Vierteljahrhundert, sich täglich für die Krebsliga einzusetzen?
Ich identifiziere mich mit der Vision der Krebsliga immer noch vollständig. Zudem arbeite ich mit einem tollen, engagierten Team und im Netzwerk mit verschiedenen Partnerorganisationen zusammen. Das macht mir grosse Freude!
Warum ist die Arbeit der Krebsliga heute wichtiger denn je? Weil es immer noch Lücken in der Versorgung gibt.
Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Zukunft der Krebsliga? Ich wünsche mir, dass wir innerhalb des Verbands Krebsliga noch etwas mutiger werden, vermehrt Eigeninteressen zurückstellen und mit weiteren Regionalisierungen unsere Positionierung verstärken! (jbe)
Regula Schneider ist gebürtige Glarnerin und hat 1999 bei der Krebsliga St. Gallen-Appenzell als Geschäftsführerin begonnen, damals mit rund 8 Mitarbeitenden. Im Jahr 2012 formierte sich dann die Krebsliga Ostschweiz. Heute arbeiten mit allen Beratungsbereichen, dem Krebsregister und dem Früherkennungsprogramm «donna» rund 60 Mitarbeitende bei der Krebsliga Ostschweiz. Regula Schneider ist 59 Jahre alt und lebt in St. Gallen. |

